RichardWagner
Libretti
Götterdämmerung

DRITTER AUFZUG ACT THREE
VORSPIEL UND ERSTE SZENE

Wildes Wald- und Felsental


am Rheine, welcher im Hintergrunde an einem steilen Abhange vorbeifliesst.

(Die drei Rheintöchter, Woglinde, Wellgunde und Flosshilde, tauchen aus der Flut auf und schwimmen, wie im Reigentanze, im Kreise umher)






Music
Music
PRELUDE AND SCENE ONE

A wild, wooded and rocky valley


on the Rhine, which flows past a steep cliff at the back.

(The three Rhinemaidens Woglinde, Wellgunde and Flosshilde rise to the surface of the water and swim around in circles as if in a round dance.)
DIE DREI RHEINTÖCHTER
(im Schwimmen mässig einhaltend)

Frau Sonne
sendet lichte Strahlen;
Nacht liegt in der Tiefe:
einst war sie hell,
da heil und hehr
des Vaters Gold noch in ihr glänzte.
Rheingold!
Klares Gold!
Wie hell du einstens strahltest,
hehrer Stern der Tiefe!

(Sie schliessen wieder
den Schwimmreigen)


Weialala leia,
wallala leialala.

(Ferner Hornruf. - Sie lauschen. -
Sie schlagen jauchzend das Wasser)


Frau Sonne,
sende uns den Helden,
der das Gold uns wiedergäbe!
Liess' er es uns,
dein lichtes Auge
neideten dann wir nicht länger.
Rheingold!
Klares Gold!
Wie froh du dann strahltest,
freier Stern der Tiefe!
THE THREE RHINEMAIDENS
(pausing in their swimming)

Dame Sun
sends down her rays of light;
night lies in the depths:
once they were bright,
when safe and glorious
our father's gold gleamed there.
Rhinegold!
Lustrous gold!
How brightly you once shone,
majestic star of the deep!

(They resume
their swimming dance)


Weialala leia,
wallala leialala.

(A horncall in the distance: they listen.
They splash joyfull in the water)


Dame Sun,
send us the hero
who will give us back the gold!
If he let us have it,
we would no longer envy
your bright eyes.
Rhinegold!
Lustrous gold!
How happily you shone then,
free star of the deep!
(Man hört Siegfrieds Horn von der Höhe her) (Siegfried's horn is heard from the height)
WOGLINDE

Ich höre sein Horn.
WOGLINDE

I hear his horn.
WELLGUNDE

Der Helde naht.
WELLGUNDE

The hero is coming.
FLOSSHILDE

Lasst uns beraten!
FLOSSHILDE

Let us take counsel!
(Sie tauchen alle drei schnell unter)
(Siegfried erscheint auf dem Abhange in vollen Waffen)
(All three quickly drive under.)
(Siegfried appears in full armour on the cliff)
SIEGFRIED

Ein Albe führte mich irr,
dass ich die Fährte verlor:
He, Schelm, in welchem Berge
bargst du so schnell mir das Wild?
SIEGFRIED

An elf has led me astray
and I have lost my way.
Hey, rascal, in which mountain
did you suddenly conceal my quarry?
DIE DREI RHEINTÖCHTER
(tauchen wieder auf und
schwimmen im Reigen)


Siegfried!
THE THREE RHINEMAIDENS
(rising up again
and swimming in circles)


Siegfried!
FLOSSHILDE

Was schiltst du so in den Grund?
FLOSSHILDE

What are you grumbling about there?
WELLGUNDE

Welchem Alben bist du gram?
WELLGUNDE

With what elf are you angry?
WOGLINDE

Hat dich ein Nicker geneckt?
WOGLINDE

Has some fairy been teasing you?
ALLE DREI

Sag' es, Siegfried, sag' es uns!
ALL THREE

Tell us, Siegfried, tell us!
SIEGFRIED
(sie lächelnd betrachtend)

Entzücktet ihr zu euch
den zottigen Gesellen,
der mir verschwand?
Ist's euer Friedel,
euch lustigen Frauen
lass' ich ihn gern.
SIEGFRIED
(looking at them with a smile)

Did you lure to your lair
the shaggy beast
I lost?
If he is your lover,
you laughing girls,
I willingly leave him to you.
(Die Mädchen lachen laut auf) (The maidens laugh loudly)
WOGLINDE

Siegfried, was gibst du uns,
wenn wir das Wild dir gönnen?
WOGLINDE

Siegfried, what will you give us
if we grant you your quarry?
SIEGFRIED

Noch bin ich beutelos;
so bittet, was ihr begehrt.
SIEGFRIED

As yet I have nothing in my bag:
so ask for what you will.
WELLGUNDE

Ein goldner Ring
ragt dir am Finger!
WELLGUNDE

A gold ring
gleams on your finger.
DIE DREI MÄDCHEN

Den gib uns!
THE THREE RHINEMAIDENS

Give it to us
SIEGFRIED

Einen Riesenwurm
erschlug ich um den Reif:
für eines schlechten Bären Tatzen
böt' ich ihn nun zum Tausch?
SIEGFRIED

I slew a giant dragon
for that ring:
shall I give it to you now in exchange
for a paltry bearskin?
WOGLINDE

Bist du so karg?
WOGLINDE

Are you so mean?
WELLGUNDE

So geizig beim Kauf?
WELLGUNDE

So miserly at the market?
FLOSSHILDE

Freigebig
solltest Frauen du sein.
FLOSSHILDE

You should be generous
to women.
SIEGFRIED

Verzehrt' ich an euch mein Gut,
des zürnte mir wohl mein Weib.
SIEGFRIED

If I were to waste what I have on you,
my wife would certainly scold me.
FLOSSHILDE

Sie ist wohl schlimm?
FLOSSHILDE

Is she harsh to you?
WELLGUNDE

Sie schlägt dich wohl?
WELLGUNDE

Does she beat you?
WOGLINDE

Ihre Hand fühlt schon der Held!
WOGLINDE

The hero alredy feels her hand!
(Sie lachen unmässig) (They laugh uproariously)
SIEGFRIED

Nun lacht nur lustig zu!
In Harm lass' ich euch doch:
denn giert ihr nach dem Ring,
euch Nickern geb' ich ihn nie!
SIEGFRIED

Well, laugh if you like!
But I will leave you to lament:
for though you long for the ring,
I will never give it to you nymphs!
(Die Rheintöchter haben sich wieder zum Reigen gefasst) (The Rhinemaidens have resumed their dance)
FLOSSHILDE

So schön!
FLOSSHILDE

So handsome!
WELLGUNDE

So stark!
WELLGUNDE

So strong!
WOGLINDE

So gehrenswert!
WOGLINDE

So desirable!
DIE DREI

Wie schade, dass er geizig ist!
THE THREE

What a pity he's a miser!
(Sie lachen und tauchen unter) (Laughing, they dive below)
SIEGFRIED
(tiefer in den Grund hinabsteigend)

Was leid' ich doch
das karge Lob?
Lass' ich so mich schmähn? -
Kämen sie wieder
zum Wasserrand,
den Ring könnten sie haben. -

(laut rufend)

He! He, he! Ihr muntren
Wasserminnen!
Kommt rasch! Ich schenk' euch den Ring!

(Er hat den Ring vom Finger gezogen
und hält ihn in die Höhe)
SIEGFRIED
(climbing further down)

How can I bear
this back-handed praise?
Shall I let myself be abused?
If they came back
to the water's edge
they could have the ring.



Hey! You merry
water-maidens!
Come quickly! I'll give you the ring!

(He has taken the ring from his finger
and holds it up high)
DIE DREI RHEINTÖCHTER
(tauchen wieder auf.
Sie zeigen sich ernst und feierlich)


Behalt' ihn, Held,
und wahr' ihn wohl,
bis du das Unheil errätst,
das in dem Ring du hegst.
froh fühlst du dich dann,
befrein wir dich von dem Fluch.
THE THREE RHINEMAIDENS
(come to the surface again
they are serious and solemn)


Keep it, hero,
and ward it well
until you learn the calamity
that is enclosed in the ring.
Glad will you then feel
if we free you from its curse.
SIEGFRIED
(steckt gelassen den Ring
wieder an seinen Finger)


So singet, was ihr wisst!
SIEGFRIED
(coolly replaces the ring
on his finger)


Well, sing what you know.
DIE RHEINTÖCHTER

Siegfried! Siegfried! Siegfried!
Schlimmes wissen wir dir.
Zu deinem Unheil
wahrst du den Ring!
Aus des Rheines Gold
ist der Reif geglüht.
der ihn listig geschmiedet
und schmählich verlor
der verfluchte ihn,
in fernster Zeit
zu zeugen den Tod
dem, der ihn trüg'.
Wie den Wurm du fälltest
so fällst auch du,
und heute noch:
So heissen wir's dir,
tauschest den Ring du uns nicht,
im tiefen Rhein ihn zu bergen:
Nur seine Flut
sühnet den Fluch!


Music
THE RHINEMAIDENS

Siegfried! Siegfried! Siegfried!
We know of evil in store for you.
You retain the ring
at your peril.
From the Rhine's gold
the ring was wrought.
He who cunningly fashioned it
and ignominiously lost it
laid on it a curse
into all eternity
to doom to death
whoever wears it.
As you slew the dragon
so shall you be slain
and this very day:
this we tell you,
if you do not restore the ring to us
to hide it deep in the Rhine.
Only its waters
can wash away the curse!
SIEGFRIED

Ihr listigen Frauen,
lasst das sein!
Traut' ich kaum eurem Schmeicheln,
euer Drohen schreckt mich noch minder!
SIEGFRIED

You wily women,
have done!
I was wary of your wheedling;
your threats frighten me still less!
DIE RHEINTÖCHTER

Siegfried! Siegfried!
Wir weisen dich wahr.
Weiche, weiche dem Fluch!
Ihn flochten nächtlich
webende Nornen
in des Urgesetzes Seil!
THE RHINEMAIDENS

Siegfried! Siegfried!
We tell you the truth.
Beware! Avoid the curse!
Nightly the weaving
Norns twisted it
into the rope of primeval law.
SIEGFRIED

Mein Schwert zerschwang einen Speer:
des Urgesetzes
ewiges Seil,
flochten sie wilde
Flüche hinein,
Notung zerhaut es den Nornen!
Wohl warnte mich einst
vor dem Fluch ein Wurm,
doch das Fürchten lehrt' er mich nicht!

(Er betrachtet den Ring)

Der Welt Erbe
gewänne mir ein Ring: -
für der Minne Gunst
miss' ich ihn gern; -
ich geb' ihn euch, gönnt ihr mir Lust.
Doch bedroht ihr mir Leben und Leib:
fasste er nicht
eines Fingers Wert, -
den Reif entringt ihr mir nicht!
Denn Leben und Leib,
seht: - so -
werf' ich sie weit von mir!

(Er hebt eine Erdscholle
vom Boden auf, hält sie über seinem
Haupte und wirft sie mit den letzten
Worten hinter sich)
SIEGFRIED

My sword shattered a spear:
even if they wove wild
curses into it,
Notung will sever for the Norns
the eternal rope
of primeval law!
A dragon indeed once
warned me of the curse,
but did not teach me to fear it!

(He gazes at the ring)

A ring would win me
the world's wealth:
for the gift of love
I gladly reliquish it:
I would give it to you if you granted me love.
But by threatening life and limb,
be it by less than
a finger's worth,
you will not wrest the ring from me!
For life and limb,
see - thus
I fling them from me!

(He picks up a clod of earth,
holds it above his head,
and on his last words
throws it behind him)
DIE RHEINTÖCHTER

Kommt, Schwestern!
Schwindet dem Toren!
So weise und stark
verwähnt sich der Held,
als gebunden und blind er doch ist.

(Sie schwimmen, wild aufgeregt,
in weiten Schwenkungen dicht
an das Ufer heran)


Eide schwur er -
und achtet sie nicht.

(Wieder heftige Bewegung)

Runen weiss er -
und rät sie nicht!
Ein hehrstes Gut
ward ihm vergönnt;
dass er's verworfen,
weiss er nicht;
nur den Ring, der zum Tod ihm taugt,
den Reif nur will er sich wahren!
Leb' wohl, Siegfried!
Ein stolzes Weib
wird noch heute dich Argen beerben:
sie beut uns besseres Gehör:
Zu ihr! Zu ihr! Zu ihr!
THE RHINEMAIDENS

Come, sisters!
Let us leave this madman!
Though the hero considers himself
clever und strong,
he is like a blind man, or one bound.

(They swim, greatly excited,
in wide circles close
to the shore)


He swore oaths -
and does not keep them!

(More violent movement)

He knews secrets -
and does not heed them!
Aglorious gift
was granted him.
He does not realise
that he renounced it.
Only the ring which dooms him to death
the ring alone he seeks to retain!
Farewell, Siegfried!
Stubborn man, a proud woman
today will inherit your treasure:
she will give us a better hearing.
To her! To her! To her!
(Sie wenden sich schnell zum Reigen, mit welchem sie gemächlich dem Hintergrunde zu fortschwimmen)
(Siegfried sieht ihnen lächelnd nach, stemmt ein Bein auf ein Felsstück am Ufer und verweilt mit auf der Hand gestütztem Kinne)
(They quickly resume their dance, in which they leisurely swim away into the background.)
(Siegfried smilingly follows them with his eyes, puts one foot on a rock on the bank and remains there, resting his chin on his hand)
DIE RHEINTÖCHTER

Weialala leia,
wallala leialala.
THE RHINEMAIDENS

Weialala leia,
wallala leialala.
SIEGFRIED

Im Wasser, wie am Lande
lernte nun ich Weiberart:
wer nicht ihrem Schmeicheln traut,
den schrecken sie mit Drohen;
wer dem kühnlich trotzt,
dem kommt dann ihr Keifen dran.

(Die Rheintöchter sind hier
gänzlich verschwunden)


Und doch, -
trüg' ich nicht Gutrun' Treu, -
der zieren Frauen eine
hätt' ich mir frisch gezähmt!

(Er blickt ihnen unverwandt nach)
SIEGFRIED

In water and on land
I am now learning women's ways:
if their cajolery does not convince,
they scare with threats;
and if one dares to defy these,
they start to scold.

(The Rhinemaidens have by this
time completely disappeared)


And yet,
had I not given Gutrune my word,
I would cheerfully have chosen for myself
one of these pretti women!

(He gazes after them, without moving)
DIE RHEINTÖCHTER
(in grösserer Entfernung)

La, la!
THE RHINEMAIDENS


La, la!
(Jagdhornrufe kommen von der Höhe näher) (Horn-calls approach from above)