

| (DRITTER AUFZUG) | ||
| ZWEITE SZENE | ||
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Music Music |
(Senta kommt bewegten Schrittes aus dem Hause; ihr folgt Erik in der höchsten Aufregung) | |
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ERIK Was musst' ich hören! Gott, was musst' ich sehen! Ist's Täuschung? Wahrheit? Ist es Tat? |
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Music |
SENTA (sich mit peinlichem Gefühle abwendend) O frage nicht! Antwort darf ich nicht geben. |
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ERIK Gerechter Gott! Kein Zweifel, es ist wahr! Welch unheilvolle Macht riss dich dahin? Welche Gewalt verführte dich so schnell, grausam zu brechen dieses treuste Herz! Dein Vater - ha! den Bräut'gam bracht er mit; wohl kenn ich ihn, mir ahnte, was geschieht! Doch du... ist's möglich! reichest deine Hand dem Mann, der deine Schwelle kaum betrat. |
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SENTA (in heftigem inneren Kampfe) Nicht wieter! Schweig! Ich muss! ich muss! |
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ERIK O des Gehorsams, blind wie deine Tat! Den Wink des Vaters nanntest du willkommen, mit einem Stoss vernichtest du mein Herz! |
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SENTA (wie vorher) Nicht mehr! nicht mehr! Ich darf dich nicht mehr seh'n, nicht an dich denken: hohe Pflicht gebeut's! |
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ERIK Welch hohe Pflicht? Ist's höhre nich, zu halten, was du mir einst gelobtest, ewige Treue? |
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SENTA (heftig erschrocken) Wie? Ew'ge Treue hätt' ich dir gelobt? |
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ERIK (schmerzlich) Senta, o Senta, leugnest du? - Willst jenes Tags du nicht dich mehr entsinnen, als du zu dir mich riefest in das Tal? Als, dir des Hochlands Blume zu gewinnen, mutvoll ich trug Beschwerden ohne Zahl? Gedenkst du, wie auf steilem Felsenriffe vom Ufer wir den Vater scheiden sahn? Er zog dahin auf weissbeschwingtem Schiffe, und meinem Schutz vertraute er dich an. Als sich dein Arm um meinen Nacken schlang, gestandest du mir Liebe nicht aufs neu? Was bei der Hände Druck mich hehr durchdrang sag, war's nicht Versichrung deiner Treu'? |
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| (Der Holländer hat den Auffritt belauscht; in furchtbarer Aufregung tritt er jetzt hervor) | ||
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HOLLÄNDER Verloren! Ach! Verloren! Ewig verlornes Heil! |
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ERIK (entsetzt zurücktretend) Was seh ich! Gott! |
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HOLLÄNDER Senta, leb wohl! |
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SENTA (sich dem Holländer in den Weg werfend) Halt ein! Unsel'ger! |
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ERIK (zu Senta) Was beginnst du? |
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HOLLÄNDER In See! In See! In See für ew'ge Zeiten! (zu Senta) Um deine Treue ist's getan, um deine Treue - um mein Heil! Leb wohl! Ich will dich nicht verderben! |
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ERIK Entsetzlich! Dieser Blick...! |
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SENTA (sich dem Holländer entgegenwerfend) Halt' ein! Von dannen sollst du nimmer fliehn! |
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HOLLÄNDER (gibt ein gellendes Zeichen auf seiner Pfeife und ruft der Mannschaft des Schiffes zu) Segel auf! Anker los! Sagt Lebewohl auf Ewigkeit dem lande! |
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Fort auf das Meer triebt's mich auf's neue! Ich zweifl an dir! Ich zweifl an Gott! Dahin, dahin, ist alle Treue! Was du gelobtest, war dir Spott! |
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SENTA Ha, zweifelst du an meiner Treue? Unsel'ger, was verblendet dich? Halt ein! Das Bündnis nicht bereue! Was ich gelobte, halte ich! |
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ERIK Was hör ich! Gott, was muss ich sehen? Muss ich dem Ohr, dem Auge traun? Senta! Willst du zugrunde gehen? Zu mir! Du bist in Satans Klau'n! |
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HOLLÄNDER Erfahre das Geschick, vor dem ich dich bewahr'! Verdammt bin ich zum grässlichsten der Lose; zehnfacher Tod wär mir erwünschte Lust! Vom Fluch ein Weib allein mich kann erlösen, ein Weib, das Treu' bis in den Tod mir hält. - Wohl hast du Treue mir gelobt, - doch vor dem Ewigen noch nicht; - dies rettet dich! Denn wiss', Unsel'ge, welches das Geschick, das jene trifft, die mir die Treue brechen: - Ew'ge Verdammnis ist ihr Los! - Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich: - Du aber sollst gerettet sein! Leb wohl! (zum Abgang gewandt) Fahr him, mein Heil, in Ewigkeit! |
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ERIK (in furchtbarer Angst nach dem Hause und dem Schiffe zurufend) Zu Hilfe! Rettet, rettet sie! |
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SENTA (den Holländer aufhaltend) Wohl kenn ich dich! Wohl kenn ich dein Geschick! Ich kannte dich, als ich zuerst dich sah! Das Ende deiner Qual ist da: - Ich bin's, durch deren Treu' dein Heil du finden sollst! |
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ERIK Helft ihr! Sie ist verloren! |
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| (Auf Eriks Hilferuf sind Daland, Mary und die Mädchen aus dem Hause, die Matrosen von dem Schiffe herbeigeeilt) | ||
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MARY, DALAND, MÄDCHEN, MATROSEN Was erblick ich! |
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HOLLÄNDER (zu Senta) Du kennst mich nicht, du ahnst nicht, wer ich bin! (Er deutet auf sein Schiff, dessen rote Segel aufgespannt sind und dessen Mannschaft in gespenstischer Regsamkeit die Abfahrt vorbereitet) Befrag die Meere aller Zonen, befrag den Seemann, der den Ozean durchstrich: - er kennt dies Schiff, das Schrecken aller Frommen: den fliegenden Holländer nennt man mich. |
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| (Der Holländer gelangt mit Blitzesschnelle an Bord seines Schiffes, welches augenblicklich die Küste verlässt und in See geht. Senta will dem Holländer nacheilm, Daland, Erik und Mary halten sie zurück) | ||
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DIE MANNSCHAFT DES HOLLÄNDERS (den Anker lichtend) Johohoe! Johohohoe! Hojohohoe! Hoe! Hoe! Hoe! Huissa! |
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MARY, DALAND, ERIK, DIE MÄDCHEN, DIE MATROSEN Senta! Senta! Was willst du tun? |
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SENTA (hat sich mit wütender Gewalt losgerissen und erreicht ein vorstehendes Felsenriff; von da aus ruft sie mit aller Kraft dem absegeinden Holländer nach) Preis deinen Engel und sein Gebot! Hier steh ich, treu dir bis zum Tod! |
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| (Sie stürzt sich in das Meer; sogleich versinkt das Schiff des Holländers mit aller Mannschaft. Das Meer schwillt hoch auf und sinkt dann in einem Wirbel wieder zurück. - Im Glührot der aufgehenden Sonne sieht man über den Trümmern des Schiffes die verklärten Gestalten Sentas un des Holländers, sich umschlungen haltend, dem Meere entsteigen und aufwärts schweben) |