RichardWagner
Libretti
Lohengrin

(ZWEITER AUFZUG) (ACT TWO)
DRITTE SZENE SCENE THREE
(Friedrich, Nachdem er den Ort erspäht, der ihn vor dem Zulaufe des Volkes am günstigsten verbergen könnte, tritt er hinter einen Mauervorsprung des Münsters) Music
Music
(Once he has spotted the palace that will best hide him from the view of the arriving people, Friedrich steps behind one of the minster buttresses)
(Allmählicher Tagesanbruch. Zwei Wächter blasen vom Turm das Morgenlied; von einem entfernteren Turme hört man antworten. Während die Türmer herabsteigen und das Tor erschliessen, treten aus verschiedenen Richtungen der Burg Dienstmannen auf, begrüssen sich, gehen ruhen an ihre Verrichtungen usw. Einige schöpfen am Brunnen in metallenen Gefässen Wasser, klopfen an die Pforte des Palas und werden damit eingelassen. Die Pforte des Palas öffnet sich von neuem, die vier Heerhornbläser des Königs schreiten heraus und blasen den Ruf. Die Heerhornbläser treten in den Palas zurück. Die Dienstmannen haben die Bühne verlassen. Aus dem Burghofe und durch das Turmtor kommen nun immer zahlreicher brabantische Edle und Mannen vor dem Münster zusammen; sie begrüssen sich in heiterer Erregtheit) (Dawn gradually breaks. Two watches sound the morning fanfare from the tower; an answer is heard from a distant tower. As the watches descend from the tower and open the gate, castle servents emerge from several directions, greet one another and go quietly about their tasks etc. Some draw water from the well in metal vessels, knock on the portal of the Palas and are let in. The portal of the Palas opens again, the royal trumpeters emerge, sound the fanfare then go back into the building. The servants have left the stage. Brabantian soldiers and nobles arrive in increasing numbers, some crossing the courtyard, others coming in through the tower gate. They assemble in front of the minister and greet one another in cheerful excitement)
DIE EDLEN UND MANNEN

In Frühn versammelt uns der Ruf,
gar viel verheisset wohl der Tag!
Der hier so hehre Wunder schuf,
manch neue Tat vollbringen mag.
NOBLES AND SOLDIERS

The dawn fanfare bids us assemble,
the day promises much!
He who here performed such great miracles
will perchance do many more wondrous deeds!
(Der Heerrufer schreitet aus dem Palas auf die Erhöhung, vor dessen Pforte heraus, die vier Heerhornbläser ihm voran. Der Königsruf wird wiederum geblasen; alle wenden sich in lebhafter Erwartung dem Hintergrunde zu) (The herald appears from the Palas and moves onto the terrace in front of it, the four trumpeters preceding him. The royal fanfare is sounded once again and everyone turns towards the background in animated expectation)
DER HEERRUFER
(auf der Höhe vor
der Pforte des Palas)


Des Königs Wort und Will tu ich euch kund;
drum achtet wohl, was euch durch mich er sagt! -
In Bann und Acht ist Friedrich Telramund,
weil untreu er den Gotteskampf gewagt; -
Wer sein noch pflegt, wer sich zu ihm gesellt,
nach Reiches Recht derselben Acht verfällt.
HERALD



I hereby make known to you the King's word and wish:
so pay heed to what he bids me tell you!
Friedrich Telramund has been outlawed
for daring to enter the trial by combat untrue.
Whosoever shall harbour him or join him
shall himself be outlawed in accordance with the law of the realm.
DIE MÄNNER

Fluch ihm, dem Ungetreuen,
den Gottes Urteil traf!
Ihn soll der Reine scheuen,
es flieh' ihn Ruh und Schlaf!
MEN

A curse on him who was untrue,
who was judged by God!
May the innocent shun him,
may peace and sleep flee him!
(Beim Rufe der Heerhörner sammelt sich das Volk schnell wieder zur Aufmerksamkeit) (The trumpeters' call once again brings the people to attention)
DER HEERRUFER

Und weiter kündet euch der König an,
dass er den fremden, gottgesandten Mann,
den Elsa zum Gemahle sich ersehnt,
mit Land und Krone von Brabant belehnt;
doch will der Held nicht Herzog sein genannt, -
ihr sollt ihn heissen: Schützer von Brabant!
HERALD

And further the king proclaims
that the God-sent stranger
whom Elsa wishes to take as her husband,
is to be enfeoffed with the land and crown of Brabant.
But the knight does not wish to be called Duke -
you shall call him Protector of Brabant!
DIE MÄNNER

Hoch der ersehnte Mann!
Heil ihm, den Gott gesandt!
Treu sind wir untertan
dem Schützer von Brabant!
MEN

Great is the long-awaited man!
Hail to him who was sent by God!
We will faithfully serve
the Protector of Brabant!
(Neuer Ruf der Heerhornbläser) (another call from the trumpeters)
DER HEERRUFER

Nun hört, was Er durch mich euch sagen lässt: -
Heut feiert er mit euch sein Hochzeitfest; -
doch morgen sollt ihr kampfgerüstet nahn,
zur Heeresfolg dem König untertan;
er selbst verschmäht der süssen Ruh zu pflegen,
er führt euch an zu hehren Ruhmes Segen!
HERALD

How hear what he bids me tell you:
today he celebrates his wedding feast with you,
but tomorrow you shall come here prepared for battle,
to serve the king as soldiers;
he himself spurns the sweet pleasures of rest,
he will lead you on to enjoy the noble fruits of glory!
(Der Heerrufer geht nach einiger Zeit mit den vier Heerhornbläsern in den Palas zurück) (He goes back into the Palas with the four trumpeters)
DIE MÄNNER
(mit Begeisterung)

Zum Streite säumet nicht,
führt euch der Hehre an!
Wer mutig mit ihm ficht,
dem lacht des Ruhmes Bahn!
Von Gott ist er gesandt
zur Grösse von Brabant!
MEN


Do not delay in going to battle,
the noble one leads you on!
He who fights courageously with the knight
shall see the road to glory smile upon him!
From God is he sent
to make Brabant great!
(Während das Volk freudig durcheinander wogt, treten im Vordergrunde vier Edle, Friedrichs sonstige Lehensmannen, zusammen) (As the people surge forward with joy, four nobles, Friedrich's former liegemen, appear in the foreground)
DER ERSTE EDLE

Nun hört, dem Lande will er uns entführen!
FIRST NOBLE

Now hear, he means to take us from this land!
DER ZWEITE

Gen einen Feind, der uns noch nie bedroht?
SECOND NOBLE

Against an enemy who has never yet threatened us!
DER DRITTE

Solch kühn Beginnen solle ihm nicht gebühren!
THIRD NOBLE

Such bold beginnings should not be granted him!
DER VIERTE

Wer wehret ihm, wenn er die Fahrt gebot?
FOURTH NOBLE

Who shall stop him, since he has given the order to leave?
FRIEDRICH
(ist unbemerkt unter sie getreten)

Ich!

(Er enthüllt sein Haupt;
sie fahren entsetzt zurück)
FRIEDRICH
(who has come amongst them unnoticed)

I!

(He bares his head;
they recoil in horror)
DIE VIER EDLEN

Ha! Wer bist du? - Friedrich! Seh' ich recht?
Du wagst dich her, zur Beute jedem Knecht?
THE FOUR NOBLES

Ha! Who are you? - Friedrich! Do my eyes deceive me?
You dare show yourself here, the pray of every serf?
FRIEDRICH

Gar bald will ich wohl weiter noch mich wagen,
vor euren Augen soll es leuchtend tagen!
Der euch so kühn die Heerfahrt angesagt,
der sei von mir des Gottestrugs beklagt!
FRIEDRICH

I will soon dare even more,
the truth will dawn radiant before your eyes!
He who so boldly commanded you to go to war,
him will I accuse of deceiving God!
DIE VIER EDLEN

War hör' ich? Rasender! Was hast du vor?
Verlorner du, hört dich des Volkes Ohr!
THE FOUR NOBLES

What is this I hear? You rave! What is your intent?
Woe unto you! You are lost if the people hear you!
(Sie drängen Friedrich nach dem Münster, wo sie ihn vor dem Blicke des Volkes zu verbergen suchen. - Vier Edelknaben treten aus der Tür der Kemenate auf den Söller, laufen munter den Hauptweg hinab und stellen sich vor dem Palas auf der Höhe auf. Das Volk, das die Knaben gewahrt, drängt sich mehr nach dem Vordergrunde) (They push him towards the minster, where they try to hide him from the view of the people. - Four pages proceed from the door of the Kemenate onto the balcony, descend the stairs and take their positions on the terrace in front of the Palas. The assembled throng notices the youths and presses forwards)
EDELKNABEN

Macht Platz für Elsa, unsre Frau:
Die will in Gott zum Münster gehn.
PAGES

Make way for Elsa, our lady!
She is going in faith to the minister.
(Sie schreiten nach vorn, indem sie durch die willig zurückweichenden Edlen eine breite Gasse bis zu den Stufen des Münsters bilden, wo sie dann sich selbst aufstellen. Vier andere Edelknaben treten gemessen und feierlich aus der Tür der Kemenate auf den Söller und stellen sich daselbst auf, um den Zug der Frauen, den sie erwarten, zu geleiten) (They press forwards, clearing a broad passage through the retreating nobles, to the minster steps, where they take up their positions. Four other pages proceed solemnly from the Kemenate door onto the balcony and line up to await the procession of ladies whom they are to accompany)