RichardWagner
Libretti
Das Rheingold

VORSPIEL UND ERSTE SZENE

Auf dem Grunde des Rheines.


Grünliche Dämmerung, nach oben zu lichter, nach unten zu dunkler. Die Höhe ist von wogendem Gewässer erfüllt, das rastlos von rechts nach links zu strömt. Nach der Tiefe zu lösen die Fluten sich in einen immer feineren feuchten Nebel auf, so dass der Raum in Manneshöhe vom Boden auf gänzlich frei vom Wasser zu sein scheint, welches wie in Wolkenzügen über den nächtlichen Grund dahinfliesst. Überall ragen schroffe Felsenriffe aus der Tiefe auf und grenzen den Raum der Bühne ab; der ganze Boden ist in ein wildes Zackengewirr zerspalten, so dass er nirgends vollkommen eben ist und nach allen Seiten hin in dichtester Finsternis tiefere Schlüfte annehmen lässt.
(Um ein Riff in der Mitte der Bühne, welches mit seiner schlanken Spitze bis in die dichtere, heller dämmernde Wasserflut hinauftragt, kreist in anmutig schwimmender Bewegung eine der Rheintöchter)

Music

Music

Music
PRELUDE AND SCENE ONE

At the bottom of the Rhine.
WOGLINDE

Weia! Waga!
Woge, du Welle,
walle zur Wiege!
Wagala weia!
Wallala, weiala weia!


Music
WOGLINDE

Weia! Waga!
Waft your waves, ye waters!
Carry your crest to the cradle!
Wagala weia!
Wallala weiala weia!
WELLGUNDE STIMME
(von oben)

Woglinde, wachst du allein?
WELLGUNDE


Woglinde, are you watching alone?
WOGLINDE

Mit Wellgunde wär' ich zu zwei.
WOGLINDE

With Wellgunde there'd be two of us.
WELLGUNDE
(taucht aus der Flut zum Riff herab)

Lass sehn, wie du wachst!

(sie sucht Woglinde zu erhaschen)
WELLGUNDE


Let's see how you watch.


WOGLINDE
(entweicht ihr schwimmend)

Sicher vor dir!

(sie necken sich und suchen sich spielend zu fangen)
WOGLINDE


Safe from you.


FLOSSHILDE STIMME
(von oben)

Heiaha weia!
Wildes Geschwister!
FLOSSHILDE


Heiala weia!
Sprightly sisters!
WELLGUNDE

Flosshilde, schwimm'!
Woglinde flieht:
hilf mir die Fliessende fangen!
WELLGUNDE

Flosshilde, swim!
Woglinde's escaping:
help me capture the truant!
FLOSSHILDE
(taucht herab und fährt zwischen die Spielenden)

Des Goldes Schlaf
hütet ihr schlecht!
Besser bewacht
des schlummernden Bett,
sonst büsst ihr beide das Spiel!
FLOSSHILDE


Badly you guard
the sleeping gold;
watch better o'er
the slumberer's bed
or you'll both repent your sport!
(Mit muntrem Gekreisch fahren die beiden auseinander. Flosshilde sucht bald die eine, bald die andere zu erhaschen; sie entschlüpfen ihr und vereinigen sich endlich, um gemeinschaftlich auf Flosshilde Jagd zu machen. So schnellen sie gleich Fischen von Riff zu Riff, scherzend und lachend. Aus einer finstern Schluft ist währenddem Alberich, an einem Riffe klimmend, dem Abgrunde entstiegen. Er hält, noch vom Dunkel umgeben, an und schaut dem Spiele der Rheintöchter mit steigendem Wohlgefallen zu.)  
ALBERICH

Hehe! Ihr Nicker!
Wie seid ihr niedlich,
neidliches Volk!
Aus Nibelheims Nacht
naht' ich mich gern,
neigtet ihr euch zu mir!
ALBERICH

Hey, hey, you nymphs!
How inviting you look,
enviable creatures!
From Nibelheim night
I'd gladly draw near
if you'd but come down to me.
(die Mädchen halten, sobald sie Alberichs Stimme hören, mit dem Spiele ein)  
WOGLINDE

Hei! Wer ist dort?
WOGLINDE

Hey! Who is there?
WELLGUNDE

Es dämmert und ruft!
WELLGUNDE

Someone called from the darkness.
FLOSSHILDE

Lugt, wer uns belauscht!

(sie tauchen tiefer herab und erkennen den Nibelung)
FLOSSHILDE

See who's spying on us!


WOGLINDE UND WELLGUNDE

Pfui! Der Garstige!
WOGLINDE AND WELLGUNDE

Ugh! How frightful!
FLOSSHILDE
(schnell auftauchend)

Hütet das Gold!
Vater warnte
vor solchem Feind.

(Die beiden andern folgen ihr, und alle drei
versammeln sich schnell um das mittlere Riff)
FLOSSHILDE


Guard the gold!
Father warned us
of such a foe



ALBERICH

Ihr, da oben!
ALBERICH

You up there!
WOGLINDE, WELLGUNDE, FLOSSHILDE

Was willst du dort unten?
WOGLINDE, WELLGUNDE, FLOSSHILDE

What do you want, down there?
ALBERICH

Stör' ich eu'r Spiel,
wenn staunend ich still hier steh'?
Tauchtet ihr nieder,
mit euch tollte
und neckte der Niblung sich gern!
ALBERICH

Do I spoil your sport
by standing still here, staring?
If you'd dive down,
the Nibelung
would freely frisk and frolic with you.
WOGLINDE

Mit uns will er spielen?
WOGLINDE

Does he want to play with us?
WELLGUNDE

Ist ihm das Spott?
WELLGUNDE

Is he in jest?
ALBERICH

Wie scheint im Schimmer
ihr hell und schön!
Wie gern umschlänge
der Schlanken eine mein Arm,
schlüpfte hold sie herab!
ALBERICH

How brightly you shine
in the shimmering light!
My arms would love to enfold
one of yours slim forms
if you'd but slipdown here.
FLOSSHILDE

Nun lach' ich der Furcht:
der Feind ist verliebt!
FLOSSHILDE

Now I laugh at my fears:
our foe is in love.
WELLGUNDE

Der lüsterne Kauz!
WELLGUNDE

Lascivious beast!
WOGLINDE

Lasst ihn uns kennen!

(Sie lässt sich auf die Spitze des Riffes hinab,
an dessen Fusse Alberich angelangt ist)
WOGLINDE

We'll teach him!



ALBERICH

Die neigt sich herab.
ALBERICH

She's coming down.
WOGLINDE

Nun nahe dich mir!
WOGLINDE

Come close to me, then!
ALBERICH
(klettert mit koboldartiger Behendigkeit,
doch wiederholt aufgehalten, der Spitze des Riffes zu)


Garstig glatter
glitschiger Glimmer!
Wie gleit' ich aus!
Mit Händen und Füssen
nicht fasse noch halt' ich
das schlecke Geschlüpfer!

(Er prustet)

Feuchtes Nass
füllt mir die Nase:
verfluchtes Niesen!

(Er ist in Woglindes Nähe angelangt)
ALBERICH



Loathsomely smooth
slithery slime!
I'm slipping!
My hands and feet
cannot seize
or grip hold of the scaly slopes.



Damp fills
my nostrils:
curse this sneezing!


WOGLINDE
(lachend)

Prustend naht
meines Freiers Pracht!
WOGLINDE


My wooer comes in splendour,
spluttering!
ALBERICH

Mein Friedel sei,
du fräuliches Kind!

(Er sucht sie zu umfassen)
ALBERICH

Be my love,
fairest child!


WOGLINDE
(sich ihm entwindend)

Willst du mich frei'n,
so freie mich hier!

(Sie taucht zu einem andern Riff auf, die Schwestern lachen)
WOGLINDE


If you would woo me,
woo me up here


ALBERICH
(kratzt sich den Kopf)

O weh! Du entweichst?
Komm' doch wieder!
Schwer ward mir,
was so leicht du erschwingst.
ALBERICH


Alas, do you escape me?
Come back!
What you manage so easily
is hard for me.
WOGLINDE
(schwingt sich auf ein drittes Riff in grösserer Tiefe)

Steig' nur zu Grund,
da greifst du mich sicher!
WOGLINDE


Just climb to the bottom:
you'll certainly catch me there!
ALBERICH
(hastig hinab kletternd)

Wohl besser da unten!
ALBERICH


Much better down there!
WOGLINDE
(schnellt sich rasch aufwärts nach
einem höheren Riff zur Seite)


Nun aber nach oben!
WOGLINDE



But now up again!
(Wellgunde und Flosshilde lachen)
ALBERICH

Wie fang' ich im Sprung
den spröden Fisch?
Warte, du Falsche!

(Er will ihr eilig nachklettern)
ALBERICH

How can I catch
this bashful fish in flight?
Wait, false one!


WELLGUNDE
(hat sich auf ein tieferes Riff
auf der andern Seite gesenkt)


Heia, du Holder!
Hörst du mich nicht?
WELLGUNDE



Hey, beloved!
Don't you hear me?
ALBERICH
(sich umwendend)

Rufst du nach mir?
ALBERICH


Is it me you're calling?
WELLGUNDE

Ich rate dir wohl:
zu mir wende dich,
Woglinde meide!
WELLGUNDE

Take my advice:
turn to me
and do not heed Woglinde.
ALBERICH
(indem er hastig über den Bodengrund
zu Wellgunde hin klettert)


Viel schöner bist du
als jene Scheue,
die minder gleissend
und gar zu glatt.
Nur tiefer tauche,
willst du mir taugen.
ALBERICH



Far lovelier you are
than that shy one
who glistens less
and is much too sly.
Do but dive down deeper
if you'd delight me.
WELLGUNDE
(noch etwas mehr sich herabsenkend)

Bin nun ich dir nah?
WELLGUNDE


Am I close to you now?
ALBERICH

Noch nicht genug!
Die schlanken Arme
schlinge um mich,
dass ich den Nacken
dir neckend betaste,
mit schmeichelnder Brunst
an die schwellende Brust mich dir schmiege.
ALBERICH

Not close enough!
Twine your slender
arms around me
that I may toy
and touch your neck
and with ardent caress nestle
against your soft breast.
WELLGUNDE

Bist du verliebt
und lüstern nach Minne,
lass sehn, du Schöner,
wie bist du zu schau'n? -
Pfui! Du haariger,
höckriger Geck!
Schwarzes, schwieliges
Schwefelgezwerg!
Such' dir ein Friedel,
dem du gefällst!
WELLGUNDE

If you're enamoured
and longing for love,
let's see, my handsome,
what you look like!
Ugh, you hairy
humpbacked horror!
Swarthy, scaly,
sulphurous dwarf!
Find yourself a sweetheart
who'd suffer you!
ALBERICH
(sucht sie mit Gewalt zu halten)

Gefall' ich dir nicht,
dich fass' ich doch fest!
ALBERICH


Though I don't please you,
I'll hold you fast.
WELLGUNDE
(schnell zum mittleren Riff auftauchend)

Nur fest, sonst fliess' ich dir fort!
WELLGUNDE


Fast then, or I'll fly from you!
(Woglinde und Flosshilde lachen)  
ALBERICH
(Wellgunde erbost nachzankend)

Falsches Kind!
Kalter, grätiger Fisch!
Schein' ich nicht schön dir,
niedlich und neckisch,
glatt und glau
hei, so buhle mit Aalen,
ist dir eklig mein Balg!
ALBERICH


Perfidious child!
Frigid, bony fish!
If I don't seem handsome to you,
fair and frolicsome,
suave and sprightly -
well, if my skin revolts you,
flirt with the eels!
FLOSSHILDE

Was zankst du, Alp?
Schon so verzagt?
Du freitest um zwei:
frügst du die dritte,
süssen Trost
schüfe die Traute dir!
FLOSSHILDE

Why wrangle, gnome?
So soon disheartened?
You've courted two:
if you asked the third,
blissful balm
she'd bestow on you!
ALBERICH

Holder Sang
singt zu mir her!
Wie gut, dass ihr
eine nicht seid!
Von vielen gefall' ich wohl einer:
bei einer kieste mich keine! -
Soll ich dir glauben,
so gleite herab!
ALBERICH

A sweet song
sounds in my ear.
How good that there is more
than one of you!
From so many there must be one I'd please:
one alone might not choose me.
If I'm to belive you,
come down below!
FLOSSHILDE
(taucht zu Alberich herab)

Wie törig seid ihr,
dumme Schwestern,
dünkt euch dieser nicht schön!
FLOSSHILDE


How stupid you are,
silly sisters!
Don't you think him handsome?
ALBERICH
(hastig ihr nahend)

Für dumm und hässlich
darf ich sie halten,
seit ich dich Holdeste seh'.
ALBERICH


Stupid and ugly
I must think them
since I saw you, the fairest.
FLOSSHILDE
(schmeichelnd)

O singe fort
so süss und fein,
wie hehr verführt es mein Ohr!
FLOSSHILDE


O sing on that song
so sweet and fine;
how irresistibly it tempts my ear!
ALBERICH
(zutraulich sie berührend)

Mir zagt, zuckt
und zehrt sich das Herz,
lacht mir so zierliches Lob.
ALBERICH


My heart hammers,
shivers and shrivels,
in pleasure at such pretty praises.
FLOSSHILDE
(ihn sanft abwehrend)

Wie deine Anmut
mein Aug' erfreut,
deines Lächelns Milde
den Mut mir labt!

(sie zieht ihn zärtlich an sich)

Seligster Mann!
FLOSSHILDE


How your grace
rejoices my eyes,
and your gentle smile
refreshes my spirit!



Dearest of men!
ALBERICH

Süsseste Maid!
ALBERICH

Sweetest of maids!
FLOSSHILDE

Wär'st du mir hold!
FLOSSHILDE

Would you but favour me!
ALBERICH

Hielt' ich dich immer.
ALBERICH

I'd hold you forever!
FLOSSHILDE
(ihn ganz in ihren Armen haltend)

Deinen stechenden Blick,
deinen struppigen Bart,
o säh ich ihn, fasst' ich ihn stets!
Deines stachligen Haares
strammes Gelock,
umflöss' es Flosshilde ewig!
Deine Krötengestalt,
deiner Stimme Gekrächz,
o dürft' ich staunend und stumm
sie nur hören und sehn!
FLOSSHILDE


Your piercing gaze,
your bristly beard,
o might I see and clasp it always!
Might the stiff curls
of your wiry hair
flow round Flosshilde for ever!
O might I,
mute and amazed, see and hear
only your toad-like form,
your croaking voice!
(Woglinde und Wellgunde sind nahe herabgetaucht und lachen)  
ALBERICH
(erschreckt aus Flosshildes Armen auffahrend)

Lacht ihr Bösen mich aus?
ALBERICH


Do you mock me in your malice?
FLOSSHILDE
(sich plotzlich ihm entreissend)

Wie billig am Ende vom Lied!

(Sie laucht mit den Schwestern schnell auf)
FLOSSHILDE


How justly at the end of the sonf!


(Woglinde und Wellgunde lachen)  
ALBERICH
(mit kreischender Stimme)

Wehe! Ach wehe!
O Schmerz! O Schmerz!
Die dritte, so traut,
betrog sie mich auch?
Ihr schmählich schlaues,
lüderlich schlechtes Gelichter!
Nährt ihr nur Trug,
ihr treuloses Nickergezücht?
ALBERICH


Alas! Alack!
Woe, o woe is me!
Has the third, so beloved,
betrayed me too?
You worthless, sly,
sluttish, dissolute wenches!
Do you feed only on fraud,
you faithless brood of nymphs
DIE DREI RHEINTÖCHTER

Wallala! Lalaleia! Leialalei!
Heia! Heia! Haha!
Schäme dich, Albe!
Schilt nicht dort unten!
Höre, was wir dich heissen!
Warum, du Banger,
bandest du nicht
das Mädchen, das du minnst?
Treu sind wir
und ohne Trug
dem Freier, der uns fängt.
Greife nur zu,
und grause dich nicht!
In der Flut entflieh'n wir nicht leicht!
Wallala! Lalaleia! Leialalei!
Heia! Heia! Hahei!

(Sie schwimmen auseinander, hierher und dorthin,
bald tiefer, bald höher, um Alberich zur Jagd
auf sie zu reizen)
THE THREE RHINEMAIDENS

Wallala! Lalaleia! Leialalei!
Heia! Heia! Haha!
For shame, gnome!
Don't scold down there!
Listen to what we tell you!
Why, weakling,
did you not secure
the maid for whom you yearned?
We are free from fraud,
and faithful
to the wooer who holds us fast.
Just seize on us
and do not fear:
in the water we cannot easily escape.
Wallala! Lalaleia! Leialala!
Heia! Heia! Hahei!




ALBERICH

Wie in den Gliedern
brünstige Glut
mir brennt und glüht!
Wut und Minne,
wild und mächtig,
wühlt mir den Mut auf!
Wie ihr auch lacht und lügt,
lüstern lechz' ich nach euch,
und eine muss mir erliegen!
ALBERICH

How, through my frame,
an ardent fire
burns and flames!
Fury and longing,
fierce and forceful,
surge through my spirit.
Though you may laugh and lie,
lustfully I long for you,
and one of you must yield to me!
(Er macht sich mit verzweifelter Anstrengung zur Jagd auf; mit grauenhafter Behendigkeit erklimmt er Riff für Riff, springt von einem zum andern, sucht bald dieses, bald jenes der Mädchen zu erhaschen, die mit lustigem Gekreisch stets ihm entweichen. - Er strauchelt, stürzt in den Abgrund hinab, klettert den hastig wieder in die Höhe zu neuer Jagd. - Sie neigen sich etwas herab. Fast erreicht er sie, stürzt abermals zurück und versucht es nochmals. - Er hält endlich, vor Wut schäumend, atemlos an und streckt die geballte Faust nach den Mädchen hinauf.)  
ALBERICH
(kaum seiner mächtig)

Fing' eine diese Faust!...
ALBERICH


If this fist could seize one!...
(Er verbleibt in sprachloser Wut, den Blick aufwärts gerichtet, wo er dann plötzlich von dem folgenden Schauspiele angezogen und gefesselt wird. Durch die Flut ist von oben her ein immer lichterer Schein gedrungen, der sich an einer hohen Stelle des mittelsten Riffes allmählich zu einem blendend hell strahlenden Goldglanze entzündet: ein zauberisch goldenes Licht bricht von hier durch das Wasser) Music

Music
(Through the waters from above penetrates an ever-increasing glow, which from high on the central rock gradually kindles into a dazzlingly bright gleam of gold; a magical golden light spreads from this through the water.)
WOGLINDE

Lugt, Schwestern!
Die Weckerin lacht in den Grund.
WOGLINDE

Look, sisters!
The waking sun laughs in the depths.
WELLGUNDE

Durch den grünen Schwall
den wonnigen Schläfer sie grüsst.
WELLGUNDE

Through the green waters
she greets the beautiful sleeper.
FLOSSHILDE

Jetzt küsst sie sein Auge,
dass er es öffne.
FLOSSHILDE

Now she kisses his eyes
to open them.
WELLGUNDE

Schaut, er lächelt
in lichtem Schein.
WELLGUNDE

See, he smiles
in the shining light.
WOGLINDE

Durch die Fluten hin
fliesst sein strahlender Stern!
WOGLINDE

His radiant rays flood
through the waters around.
DIE DREI RHEINTÖCHTER
(zusammen das Riff anmutig
umschwimmend)


Heiajaheia!
Heiajaheia!
Wallalalalala leiajahei!
Rheingold!
Rheingold!
Leuchtende Lust,
wie lachst du so hell und hehr!
Glühender Glanz
entgleisset dir weihlich im Wag!
Heiajahei!
Heiajaheia!
Wache, Freund,
Wache froh!
Wonnige Spiele
spenden wir dir:
flimmert der Fluss,
flammet die Flut,
umfliessen wir tauchend,
tanzend und singend
im seligem Bade dein Bett!
Rheingold!
Rheingold!
Heiajaheia!
Wallalalalala heiajahei!







Music
THE THREE RHINEMAIDENS



Heiajaheia!
Heiajaheia!
Wallalalalala leiajahei!
Rhinegold!
Rhinegold!
Dazzling delight,
how brightly and bravely you laugh!
Your gleaming glow
spreads a glorious light!
Heiajahei!
Heiajaheia!
Awake, friend,
wake to joy!
The liveliest games
we'll play for you:
the river flashes,
the waters flame,
as we dive about your bed,
dancing and singing
in our joyous sport.
Rhinegold!
Rhinegold!
Heiajaheia!
Wallalaleia heiajahei!
(Mit immer ausgelassenerer Lust umschwimmen die Mädchen das Riff. Die ganze Flut flimmert in hellem Goldglanze)  
ALBERICH
(dessen Augen, mächting von dem Glanze
angezogen, starr an dem Golde haften)


Was ist's, ihr Glatten,
das dort so glänzt und gleisst?
ALBERICH



What is it, glossy ones,
that so gleams and glistens there?
DIE DREI MÄDCHEN

Wo bist du Rauher denn heim,
dass vom Rheingold nie du gehört?
THE THREE RHINEMAIDENS

Whence come you then, uncouth one,
that you have never heard of the Rhinegold?
WELLGUNDE

Nichts weiss der Alp
von des Goldes Auge,
das wechselnd wacht und schläft?
WELLGUNDE

Does the gnome know nothing
of the eyes of gold
ehich in turn wake and sleep?
WOGLINDE

Von der Wassertiefe
wonnigem Stern,
der hehr die Wogen durchhellt?
WOGLINDE

Of the wondrous star
in the waters' depths
that shines, all-glorious, through the waves?
DIE DREI MÄDCHEN

Sieh, wie selig
im Glanze wir gleiten!
Willst du Banger
in ihm dich baden,
so schwimm' und schwelge mit uns!
Wallalalala leialalai!
Wallalalala leiajahei!
THE THREE RHINEMAIDENS

See with what bliss
we bask in its glow!
If you, faint-heart,
wish to bathe in it,
then swim and sport with us!
Wallalalala leialalai!
Wallalalala leiajahei!
ALBERICH

Eurem Taucherspiele
nur taugte das Gold?
Mir gält' es dann wenig!
ALBERICH

Does the gold serve
only for your water games?
That would be little use to me!
WOGLINDE

Des Goldes Schmuck
schmähte er nicht,
wüsste er all seine Wunder!
WOGLINDE

He would not scorn
the gold's splendour
if he were aware of all its wonders.
WELLGUNDE

Der Welt Erbe
gewänne zu eigen,
wer aus dem Rheingold
schüfe den Ring,
der masslose Macht ihm verlieh'.


Music
WELLGUNDE

He who from the Rhinegold
fashioned the ring
that would confer on him immensurable might
could win the world's wealth
for his own.
FLOSSHILDE

Der Vater sagt' es,
und uns befahl er,
klug zu hüten
den klaren Hort,
dass kein Falscher der Flut ihn entführe:
drum schweigt, ihr schwatzendes Heer!
FLOSSHILDE

Father said so,
and ordered us
to guard
the gleaming treasure skilfully
so that no cheat should ravish it from the river:
so hush, you chatterers!
WELLGUNDE

Du klügste Schwester,
verklagst du uns wohl?
Weisst du denn nicht,
wem nur allein
das Gold zu schmieden vergönnt?
WELLGUNDE

O wisest sister,
are you then accusing us?
Do you not know
to whom alone
it is given to shape the gold?
WOGLINDE

Nur wer der Minne
Macht versagt,
nur wer der Liebe
Lust verjagt,
nur der erzielt sich den Zauber,
zum Reif zu zwingen das Gold.


Music
WOGLINDE

Only he who forswears
love's power,
only he who forfeits
love's delight,
only he can attain the magic
to fashion the gold into a ring.
WELLGUNDE

Wohl sicher sind wir
und sorgenfrei:
denn was nur lebt, will lieben,
meiden will keiner die Minne.
WELLGUNDE

Then we are secure
and free from care,
for everything that lives wants love:
no one will reject love
WOGLINDE

Am wenigsten er,
der lüsterne Alp;
vor Liebesgier
möcht' er vergehn!
WOGLINDE

Least of all
lascivious gnome:
with desire for love
he could die.
FLOSSHILDE

Nicht fürcht' ich den,
wie ich ihn erfand:
seiner Minne Brunst
brannte fast mich.
FLOSSHILDE

I do not fear him
as I found him;
the heat of his passion
almost burned me.
WELLGUNDE

Ein Schwefelbrand
in der Wogen Schwall:
vor Zorn der Liebe
zischt er laut!
WELLGUNDE

Like a sulphurous brand
in the swelling waves,
he was loudly sizzling
in the fury of love!
DIE DREI MÄDCHEN

Wallala! Wallaleialala!
Lieblichster Albe!
Lachst du nicht auch?
In des Goldes Scheine
wie leuchtest du schön!
O komm', Lieblicher, lache mit uns!
Heiajaheia! heiajaheia!
Wallalalala leiajahei!

(Sie schwimmen lachend im Glanze auf und ab)
THE THREE RHINEMAIDENS

Wallala Wallaleialala!
Dearest gnome,
why aren't you laughing too?
In the golden glow
how fair you shine!
O come, beloved, laugh with us!
Heiajaheia! Heiajaheia!
Wallalalala leiajahei!


ALBERICH
(die Augen starr auf das Gold gerichtet,
hat dem Geplauder der Schwestern wohl gelauscht)


Der Welt Erbe
gewänn' ich zu eigen durch dich?
Erzwäng' ich nicht Liebe,
doch listig erzwäng' ich mir Lust?

(furchtbar laut)

Spottet nur zu! -
Der Niblung naht eurem Spiel!

(Wütend springt er nach dem mittleren
Riff hinüber und klettert in grausiger
Hast nach dessen Spitze hinauf. - Die Mädchen
fahren kreischend auseinander und tauchen nach
verschiedenen Seiten hinauf)
ALBERICH



The world's wealth
Icould win for mine through you?
If I cannot extort love,
then by cunning can I attain pleasure?



Mock on, then!
The Nibelung nears your toy!






DIE DREI MÄDCHEN

Heia! Heia! Heia jahei!
Rettet euch!
Es raset der Alp:
in den Wassern sprüht's,
wohin er springt:
die Minne macht ihn verrückt!

(Sie lachen im tollsten Übermut)
DIE DREI MÄDCHEN

Heia! Heia! Heia jahei!
Save yourselves!
The gnome has gone crazy!
The water spumes
wherever he springs:
love has sent him mad!


ALBERICH
(gelangt mit einem letzten Satze zur Spitze)

Bangt euch noch nicht?
So buhlt nun im Finstern,
feuchtes Gezücht!

(Er streckt die Hand nach dem Gold aus)

Das Licht lösch' ich euch aus,
entreisse dem Riff das Gold,
schmiede den rächende Ring;
denn hör' es die Flut:
so verfluch' ich die Liebe!
ALBERICH


Are you still not afraid?
Then coquet in the dark,
brood of the waters!



I will put out your light,
wrench the gold from the rock,
forge the ring of revenge;
for hear me, ye waves:
thus I curse love!
(Er reisst mit furchtbarer Gewalt das Gold aus dem Riffe und stürzt damit hastig in die Tiefe, wo er schnell verschwindet. Dichte Nacht bricht plötzlich überall herein. Die Mädchen tauchen dem Räuber in die Tiefe nach)  
FLOSSHILDE

Haltet den Räuber!
FLOSSHILDE

Stop, thief!
WELLGUNDE

Rettet das Gold!
WELLGUNDE

Rescue the gold!
WOGLINDE UND WELLGUNDE

Hülfe! Hülfe!
WOGLINDE UND WELLGUNDE

Help! Help!
DIE DREI MÄDCHEN

Weh'! Weh'!
THE THREE RHINEMAIDENS

Woe! Woe!
(Die Flut fällt mit ihnen nach der Tiefe hinab. Aus dem untersten Grunde hört man Alberichs gellendes Hohngelächter. In dichtester Finsternis verschwinden die Riffe; die ganze Bühne ist von der Höhe bis zur Tiefe von schwarzem Wassergewoge erfüllt, das eine Zeitlang immer nach abwärts zu sinken scheint. - Allmählich sind die Wogen in Gewölk übergegangen, welches, als eine immer heller dämmernde Beleuchtung dahinter tritt, zu feinerem Nebel sich abklärt. - Als der Nebel in zarten Wolken sich gänzlich in der Höhe verliert, wird im Tagesgrauen eine freie Gegend auf Bergeshöhen sichtbar. Wotan und neben ihm Fricka, beide schlafend, liegen zur Seite auf blumigen Grunde)
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