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ZWEITE SZENE Freie Gegend auf Bergeshöhen (Der hervorbrechende Tag beleuchtet mit wachsendem Glanze eine Burg mit blinkenden Zinnen, die auf einem Felsgipfel im Hintergrunde steht, zwischen diesem und dem Vordergrunde ist ein tiefes Tal, durch das der Rhein fliesst, anzunehmen. - Wotan und Fricka schlafend. - Die Burg ist ganz sichtbar geworden. Fricka erwacht; ihr Auge fällt auf die Burg) |
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FRICKA (erschrocken) Wotan, Gemahl, erwache! |
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WOTAN (forträumend) Der Wonne seligen Saal bewachen mir Tür und Tor: Mannes Ehre, ewige Macht, ragen zu endlosem Ruhm! |
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FRICKA (rüttelt ihn) Auf, aus der Träume wonnigem Trug! Erwache, Mann, und erwäge! |
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WOTAN (erwacht und erhebt sich ein wenig; sein Auge wird so gleich vom Anblick der Burg gefesselt) Vollendet das ewige Werk! Auf Berges Gipfel die Götterburg; prächtig prahlt der prangende Bau! Wie im Traum ich ihn trug, wie mein Wille ihn wies, stark und schön steht er zur Schau; hehrer, herrlicher Bau! |
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FRICKA Nur Wonne schafft dir, was mich erschreckt? Dich freut die Burg, mir bangt es um Freia! Achtloser, lass mich erinnern des ausbedungenen Lohn's! Die Burg ist fertig, verfallen das Pfand: vergassest du, was du vergabst? |
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WOTAN Wohl dünkt mich's, was sie bedangen, die dort die Burg mir gebaut; durch Vertrag zähmt' ich ihr trotzig Gezücht, dass sie die hehre Halle mir schüfen; die steht nun, dank den Starken: - um den Sold sorge dich nicht. |
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FRICKA O lachend frevelnder Leichtsinn! Liebelosester Frohmut! Wusst' ich um euren Vertrag, dem Truge hätt' ich gewehrt; doch mutig entferntet ihr Männer die Frauen, um taub und ruhig vor uns, allein mit den Riesen zu tagen: so ohne Scham verschenktet ihr Frechen Freia, mein holdes Geschwister, froh des Schächergewerbs! Was ist euch Harten doch heilig und wert, giert ihr Männer nach Macht! |
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WOTAN (ruhig) Gleiche Gier war Fricka wohl fremd, als selbst um den Bau sie mich bat? |
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FRICKA Um des Gatten Treue besorgt, muss traurig ich wohl sinnen, wie an mich er zu fesseln, zieht's in die Ferne ihn fort: herrliche Wohnung, wonniger Hausrat sollten dich binden zu säumender Rast. Doch du bei dem Wohnbau sannst auf Wehr und Wall allein; Herrschaft und Macht soll er dir mehren; nur rastlosern Sturm zu erregen, erstand dir die ragende Burg. |
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WOTAN (lächelnd) Wolltest du Frau in der Feste mich fangen, mir Gotte musst du schon gönnen, dass, in der Burg gebunden, ich mir von aussen gewinne die Welt. Wandel und Wechsel liebt, wer lebt; das Spiel drum kann ich nicht sparen! |
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FRICKA Liebeloser, leidigster Mann! Um der Macht und Herrschaft müssigen Tand verspielst du in lästerndem Spott Liebe und Weibes Wert? |
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WOTAN (ernst) Um dich zum Weib zu gewinnen, mein eines Auge setzt' ich werbend daran; wie törig tadelst du jetzt! Ehr' ich die Frauen doch mehr als dich freut; und Freia, die gute, geb' ich nicht auf; nie sann dies ernstlich mein Sinn. |
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FRICKA (mit ängstlicher Spannung in die Szene blickend) So schirme sie jetzt: in schutzloser Angst läuft sie nach Hülfe dort her! |
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FREIA (tritt, wie in hastiger Flucht auf) Hilf mir, Schwester! Schütze mich, Schwäher! Vom Felsen drüben drohte mir Fasolt, mich Holde käm' er zu holen. |
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WOTAN Lass ihn droh'n! Sahst du nicht Loge? |
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FRICKA Dass am liebsten du immer dem Listigen traust! Viel Schlimmes schuf er uns schon, doch stets bestrickt er dich wieder. |
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WOTAN Wo freier Mut frommt, allein frag' ich nach keinem. Doch des Feindes Neid zum Nutz sich fügen, lehrt nur Schlauheit und List, wie Loge verschlagen sie übt. Der zum Vertrage mir riet, versprach mir, Freia zu lösen: auf ihn verlass' ich mich nun. |
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FRICKA Und er lässt dich allein! Dort schreiten rasch die Riesen heran: wo harrt dein schlauer Gehülf'? |
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FREIA Wo harren meine Brüder, dass Hilfe sie brächten, da mein Schwäher die Schwache verschenkt? Zu Hilfe, Donner! Hieher, hieher! Rette Freia, mein Froh! |
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FRICKA Die in bösem Bund dich verrieten, sie alle bergen sich nun! |
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| Music | (Fasolt und Fafner, beide in riesiger Gestalt, mit starken Pfählen bewaffnet, treten auf) |
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FASOLT Sanft schloss Schlaf dein Aug'; wir beide bauten Schlummers bar die Burg. Mächt'ger Müh' müde nie, stauten starke Stein' wir auf; steiler Turm, Tür und Tor, deckt und schliesst im schlanken Schloss den Saal. (auf die Burg deutend) Dort steht's, was wir stemmten, schimmernd hell, bescheint's der Tag: zieh nun ein, uns zahl' den Lohn! |
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WOTAN Nennt, Leute, den Lohn: was dünkt euch zu bedingen? |
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FASOLT Bedungen ist, was tauglich uns dünkt: gemahnt es dich so matt? Freia, die Holde, Holda, die Freie, vertragen ist's, sie tragen wir heim. |
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WOTAN (schnell) Seid ihr bei Trost mit eurem Vertrag? Denkt auf andern Dank: Freia ist mir nicht feil! |
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FASOLT (steht, in höchster Bestürzung, eine Weile sprachlos) Was sagst du? Ha, sinnst du Verrat? Verrat am Vertrag? Die dein Speer birgt, sind sie dir Spiel, des berat'nen Bundes Runen? |
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FAFNER (höhnisch) Getreu'ster Bruder, merkst du Tropf nun Betrug? |
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FASOLT Lichtsohn du, leicht gefügter! Hör' und hüte dich: Verträgen halte Treu'! Was du bist, bist du nur durch Verträge; bedungen ist, wohl bedacht deine Macht. Bist weiser du als witzig wir sind, bandest uns Freie zum Frieden du: all deinem Wissen fluch' ich, fliehe weit deinen Frieden, weisst du nicht offen, ehrlich und frei Verträgen zu wahren die Treu'! - Ein dummer Riese rät dir das: du Weiser, wiss' es von ihm. |
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WOTAN Wie schlau für Ernst du achtest, was wir zum Scherz nur beschlossen! Die liebliche Göttin, licht und leicht, was taugt euch Tölpeln ihr Reiz? |
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FASOLT Höhnst du uns? Ha, wie unrecht! Die ihr durch Schönheit herrscht, schimmernd hehres Geschlecht, wir törig strebt ihr nach Türmen von Stein, setzt um Burg und Saal Weibes Wonne zum Pfand! Wir Plumpen plagen uns schwitzend mit schwieliger Hand, ein Weib zu gewinnen, das wonnig und mild bei uns Armen wohne; und verkehrt nennst du den Kauf? |
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FAFNER Schweig' dein faules Schwatzen, Gewinn werben wir nicht: Freias Haft hilft wenig, doch viel gilt's, den Göttern sie zu entreissen. (leise) Goldene Aepfel wachsen in ihrem Garten; sie allein weiss die Äpfel zu pflegen! Der Frucht Genuss frommt ihren Sippen zu ewig nie alternder Jugend: siech und bleich doch sinkt ihre Blüte, alt und schwach schwinden sie hin, müssen Freia sie missen. (grob) Ihrer Mitte drum sei sie entführt! |
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WOTAN (für sich) Loge säumt zu lang! |
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FASOLT Schlicht gib nun Beschied! |
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WOTAN Sinnt auf andern Sold! |
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FASOLT Kein andrer: Freia allein! |
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FAFNER Du da! Folg' uns fort! |
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| (Fafner und Fasolt drigen auf Freia zu. Froh und Donner kommen eilig) | |
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FREIA (fliehend) Helft! Helft, vor den Harten! |
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FROH (Freia in seine Arme fassend) Zu mir, Freia! (zu Fafner) Meide sie, Frecher! Froh schützt die Schöne. |
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DONNER (sich vor die beiden Riesen stellend) Fasolt und Fafner, fühltet ihr schon meines Hammers harten Schlag? |
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FAFNER Was soll das Drohn? |
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FASOLT Was dringst du her? Kampf kiesten wir nicht, verlangen nur unsern Lohn. |
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DONNER Schon oft zahlt' ich Riesen den Zoll. Kommt her, des Lohnes Last wäg' ich mit gutem Gewicht! (Er schwingt den Hammer) |
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WOTAN (seinen Speer zwischen die Streitenden ausstreckend) Halt, du Wilder! Nichts durch Gewalt! Verträge schützt meines Speeres Schaft: spar' deines Hammers Heft! |
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FREIA Wehe! Wehe! Wotan verlässt mich! |
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FRICKA Begreif' ich dich noch, grausamer Mann? |
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WOTAN (wendet sich ab und sieht Loge hommen) Endlich Loge! Eiltest du so, den du geschlossen, den schlimmen Handel zu schlichten? |
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LOGE (ist im Hintergrunde aus dem Tale heraufgestiegen) Wie? Welchen Handel hätt' ich geschlossen? Wohl was mit den Riesen dort im Rate du dangst? In Tiefen und Höhen treibt mich mein Hang: Haus und Herd behagt mir nicht. Donner und Froh, die denken an Dach und Fach, wollen sie frei'n, ein Haus muss sie erfreu'n. Ein stolzer Saal, ein starkes Schloss, danach stand Wotans Wunsch. Haus und Hof, Saal und Schloss, die selige Burg, sie steht nun fest gebaut. Das Prachtgemäuer prüft' ich selbst, ob alles fest, forscht' ich genau: Fasolt und Fafner fand ich bewährt: kein Stein wankt in Gestemm'. Nicht müssig war ich, wie mancher hier; der lügt, wer lässig mich schilt! |
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WOTAN Arglistig weichst du mir aus: mich zu betrügen hüte in Treuen dich wohl! Von allen Göttern dein einz'ger Freund, nahm ich dich auf in der übel trauenden Tross. - Nun red' und rate klug! Da einst die Bauer der Burg zum Dank Freia bedangen, du weisst, nicht anders willigt' ich ein, als weil auf Pflicht du gelobtest, zu lösen das hehre Pfand. |
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LOGE Mit höchster Sorge drauf zu sinnen, wie es zu lösen, das hab' ich gelobt. Doch, dass ich fände, was nie sich fügt, was nie gelingt, - wie liess sich das wohl geloben? |
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FRICKA (zu Wotan) Sieh, welch trugvollem Schelm du getraut! |
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FROH Loge heisst du, doch nenn' ich dich Lüge! |
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DONNER Verfluchte Lohe, dich lösch' ich aus! (Donner holt auf Loge aus) |
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LOGE Ihre Schmach zu decken, schmähen mich Dumme! |
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| (Wotan tritt dazwischen) | |
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WOTAN In Frieden lasst mir den Freund! Nicht kennt ihr Loges Kunst: reicher wiegt seines Rates Wert, zahlt er zögernd ihn aus. |
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FAFNER Nichts gezögert! Rasch gezahlt! |
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FASOLT Lang währt's mit dem Lohn! |
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| (Wotan wendet sich hart zu Loge) | |
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WOTAN (drängend) Jetzt hör', Störrischer! Halte Stich! Wo schweiftest du hin und her? |
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LOGE Immer ist Undank Loges Lohn! Für dich nur besorgt, sah ich mich um, durchstöbert' im Sturm alle Winkel der Welt, Ersatz für Freia zu suchen, wie er den Riesen wohl recht. Umsonst sucht' ich, und sehe nun wohl: in der Welten Ring nichts ist so reich, als Ersatz zu muten dem Mann für Weibes Wonne und Werth! (Alle geraten in Erstaunen und verschiedenartige Betroffenheit) So weit Leben und Weben, In Wasser, Erd' und Luft, viel frug' ich, forschte bei allen, wo Kraft nur sich rührt, und Keime sich regen: was wohl dem Manne mächt'ger dünk', als Weibes Wonne und Wert? Doch so weit Leben und Weben, verlacht nur ward meine fragende List: in Wasser, Erd' und Luft, lassen will nichts von Lieb' und Weib. (Gemischte Bewegung) Nur einen sah' ich, der sagte der Liebe ab: um rotes Gold entriet er des Weibes Gunst. Des Rheines klare Kinder klagten mir ihre Not: der Nibelung, Nacht-Alberich, buhlte vergebens um der Badenden Gunst; das Rheingold da raubte sich rächend der Dieb: das dünkt ihn nun das teuerste Gut, hehrer als Weibes Huld. Um den gleissenden Tand, der Tiefe entwandt, erklang mir der Töchter Klage: an dich, Wotan, wenden sie sich, dass zu Recht du zögest den Räuber, das Gold dem Wasser wieder gebest, und ewig es bliebe ihr Eigen. (Hingebende Bewegung aller) Dir's zu melden, gelobt' ich den Mädchen: nun löste Loge sein Wort. |
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WOTAN Törig du bist, wenn nicht gar tückisch! Mich selbst siehst du in Not: wie hülft' ich andern zum Heil? |
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FASOLT (der aufmerksam zugehört, zu Fafner) Nicht gönn' ich das Gold dem Alben; viel Not schon schuf uns der Niblung, doch schlau entschlüpfte unserm Zwange immer der Zwerg. |
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FAFNER Neue Neidtat sinnt uns der Niblung, gibt das Gold ihm Macht. - Du da, Loge! Sag' ohne Lug: was Grosses gilt denn das Gold, dass dem Niblung es genügt? |
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LOGE Ein Tand ist's in des Wassers Tiefe, lachenden Kindern zur Lust, doch ward es zum runden Reife geschmiedet, hilft es zur höchsten Macht, gewinnt dem Manne die Welt. |
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WOTAN (sinnend) Von des Rheines Gold hört' ich raunen: Beute-Runen berge sein roter Glanz; Macht und Schätze schüf ohne Mass ein Reif. |
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FRICKA (leise zu Loge) Taugte wohl des goldnen Tandes gleissend Geschmeid auch Frauen zu schönem Schmuck? |
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LOGE Des Gatten Treu' ertrotzte die Frau, trüge sie hold den hellen Schmuck, den schimmernd Zwerge schmieden, rührig im Zwange des Reifs. |
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FRICKA (schmeichelnd zu Wotan) Gewänne mein Gatte sich wohl das Gold? |
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WOTAN (wie in einem Zustande wachsenden Bezauberung) Des Reifes zu walten, rätlich will es mich dünken. Doch wie, Loge, lernt' ich die Kunst? Wie schüf' ich mir das Geschmeid'? |
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LOGE Ein Runenzauber zwingt das Gold zum Reif; keiner kennt ihn; doch einer übt ihn leicht, der sel'ger Lieb' entsagt. (Wotan wendet sich unmutig ab) Das sparst du wohl; zu spät auch kämst du: Alberich zauderte nicht. Zaglos gewann er des Zaubers Macht: (grell) geraten ist ihm der Ring! |
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DONNER (zu Wotan) Zwang uns allen schüfe der Zwerg, würd' ihm der Reif nicht entrissen. |
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WOTAN Den Ring muss ich haben! |
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FROH Leicht erringt ohne Liebesfluch er sich jetzt. |
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LOGE (grell) Spottleicht, ohne Kunst, wie im Kinderspiel! |
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WOTAN So rate, wie? |
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LOGE Durch Raub! Was ein Dieb stahl, das stiehlst du dem Dieb; ward leichter ein Eigen erlangt? Doch mit arger Wehr wahrt sich Alberich; klug und fein musst du verfahren, ziehst den Räuber du zu Recht, um des Rheines Töchtern, den roten Tand, (mit Wärme) das Gold wiederzugeben; denn darum flehen sie dich. |
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WOTAN Des Rheines Töchtern? Was taugt mir der Rat? |
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FRICKA Von dem Wassergezücht mag ich nichts wissen: schon manchen Mann - mir zum Leid - verlockten sie buhlend im Bad. |
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| (Wotan steht stumm mit sich kämpfend; die übrigen Götter heften in schweigender Spannung die Blicke auf ihn. Währenddem hat Fafner beiseite mit Fasolt beraten) | |
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FAFNER (zu Fasolt) Glaub' mir, mehr als Freia frommt das gleissende Gold: auch ew'ge Jugend erjagt, wer durch Goldes Zauber sie zwingt. (Fasolt Gebärde deutet an, dass er sich wider Willen überredet fühlt) (Fafner tritt mit Fasolt wieder an Wotan heran) Hör', Wotan, der Harrenden Wort! Freia bleib' euch in Frieden; leicht'ren Lohn fand ich zur Lösung: uns rauhen Riesen genügt des Niblungen rotes Gold. |
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WOTAN Seid ihr bei Sinn? Was nicht ich besitze, soll ich euch Schamlosen schenken? |
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FAFNER Schwer baute dort sich die Burg; leicht wird dir's mit list'ger Gewalt (was im Neidspiel nie uns gelang) den Niblungen fest zu fahn. |
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WOTAN Für euch müht' ich mich um den Alben? Für euch fing' ich den Feind? Unverschämt und überbegehrlich, macht euch Dumme mein Dank! |
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FASOLT (ergreift plötzlich Freia und führt sie mit Fafner zur Seite) Hieher, Maid! In unsre Macht! Als Pfand folgst du uns jetzt, bis wir Lösung empfah'n! |
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FREIA (schreiend) Wehe! Wehe! Wehe! |
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| (Alle Götter sind in höchster Bestürzung) | |
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FAFNER Fort von hier sei sie entführt! Bis Abend - achtet's wohl - pflegen wir sie als Pfand; wir kehren wieder; doch kommen wir, und bereit liegt nicht als Lösung das Rheingold licht und rot - |
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FASOLT Zu End' ist die Frist dann, Freia verfallen: für immer folge sie uns! |
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FREIA (schreiend) Schwester! Brüder! Rettet! Helft! (Sie wird von den hastig enteilenden Riesen fortgetragen) |
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FROH Auf, ihnen nach! |
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DONNER Breche denn alles! (Sie blicken Wotan fragend an) |
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FREIA (aus der Ferne) Rettet! Helft! |
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LOGE (den Riesen nachsehend) Über Stock und Stein zu Tal stapfen sie hin: durch des Rheines Wasserfurt waten die Riesen. Fröhlich nicht hängt Freia den Rauhen über dem Rücken! - Heia! hei! wie taumeln die Tölpel dahin! Durch das Tal talpen sie schon. Wohl an Riesenheims Mark erst halten sie Rast. - (Er wendet sich zu den Göttern) Was sinnt nun Wotan so wild? Den sel'gen Göttern wie geht's? |
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| (Ein fahler Nebel erfüllt mit wachsender Dichtheit die Bühne; in ihm erhalten die Götter ein zunehmend bleiches und ältliches Aussehen; alle stehen bang und erwartungsvoll auf Wotan blickend, der sinnend die Augen an den Boden heftet) | |
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LOGE Trügt mich ein Nebel? Neckt mich ein Traum? Wie bang und bleich verblüht ihr so bald! Euch erlischt der Wangen Licht; der Blick eures Auges verblitzt! Frisch, mein Froh, noch ist's ja früh! Deiner Hand, Donner, entsinkt ja der Hammer! Was ist's mit Fricka? Freut sie sich wenig ob Wotans grämlichem Grau, das schier zum Greisen ihn schafft? |
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FRICKA Wehe! Wehe! Was ist geschehen? |
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DONNER Mir sinkt die Hand! |
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FROH Mir stockt das Herz! |
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LOGE Jetzt fand' ich's: hört, was euch fehlt! Von Freias Frucht genosset ihr heute noch nicht. Die goldnen Äpfel in ihrem Garten, sie machten euch tüchtig und jung, asst ihr sie jeden Tag. Des Gartens Pflegerin ist nun verpfändet; an den Ästen darbt und dorrt das Obst, bald fällt faul es herab. - Mich kümmert's minder; an mir ja kargte Freia von je knausernd die köstliche Frucht: denn halb so echt nur bin ich wie, Selige, ihr! Doch ihr setztet alles auf das jüngende Obst: das wussten die Riesen wohl; auf eurer Leben legten sie's an: nun sorgt, wie ihr das wahrt! Ohne die Äpfel, alt und grau, greis und grämlich, welkend zum Spott aller Welt, erstirbt der Götter Stamm. |
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FRICKA (bang) Wotan, Gemahl, unsel'ger Mann! Sieh, wie dein Leichtsinn lachend uns allen Schimpf und Schmach erschuf! |
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WOTAN (mit plötzlichem Entschluss auffahrend) Auf, Loge, hinab mit mir! Nach Nibelheim fahren wir nieder: gewinnen will ich das Gold. |
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LOGE Die Rheintöchter riefen dich an: so dürfen Erhörung sie hoffen? |
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WOTAN (heftig) Schweige, Schwätzer! Freia, die Gute, Freia gilt es zu lösen! |
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LOGE Wie du befiehlst führ' ich dich gern steil hinab steigen wir denn durch den Rhein? |
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WOTAN Nicht durch den Rhein! |
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LOGE So schwingen wir uns durch die Schwefelkluft: dort schlüpfe mit mir hinein! (Er geht voran und verschwindet seitwärts in einer Kluft, aus der sogleich ein schwefliger Dampf hervorquillt) |
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WOTAN Ihr andern harrt bis Abend hier: verlorner Jugend erjag' ich erlösendes Gold! (Er steigt Loge nach in die Kluft hinab: der aus ihr dringende Schwefeldampf verbreitet sich über die ganze Bühne und erfüllt diese schnell mit dichtem Gewölk. Bereits sind die Zurückbleibenden unsichtbar) |
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DONNER Fahre wohl, Wotan! |
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FROH Glück auf! Glück auf! |
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FRICKA O kehre bald zur bangenden Frau! |
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Der Schwefeldampf verdüstert sich zu ganz schwarzem Gewölk, welches von unten nach oben steigt; dann verwandelt sich dieses in festes, finstres Steingeklüft, das sich immer aufwärts bewegt, so dass es den Anchein hat, als aänke die Szene immer tiefer in die Erde hinab. - Von verschiedenen Seiten her dämmert aus der Ferne dunkelroter Schein auf: wachsendes Geräusch wie von Schmiedenden wird überall her vernommen. - Das Getöse der Ambosse verliert sich. Eine unabsehbar weit sich dahinziehende unterirdische Kluft wird erkennbar, die sich nach allen Seien hin in enge Schachte auszumünden schient) |