

| ERSTER AUFZUG | ACT ONE | |
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VORSPIEL UND ERSTE SZENE Wald. Den Vordergrund bildet ein Teil einer Felsenhöhle, die sich links tiefer nach innen zieht, nach rechts aber gegen drei Vierteile der Bühne einnimmt. Zwei natürlich gebildete Eingänge stehen dem Walde zu offen: der eine nach rechts, unmittelbar im Hintergrunde, der andere, breitere, ebenda seitwärts. An der Hinterwand, nach links zu, steht ein grosser Schmiedeherd, aus Felsstücken natürlich geformt; künstlich ist nur der grosse Blasebalg: die rohe Esse geht - ebenfalls natürlich - durch das Felsendach hinauf. Ein sehr grosser Amboss und andre Schmiedegerätschaften. |
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PRELUDE AND SCENE ONE |
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MIME (sitzt, als der Vorhang nach einem kurzen Orchestervorspiel aufgeht, am Ambosse und hämmert mit wachsender Unruhe an einem Schwerte: endlich hält er unmutig ein) Zwangvolle Plage! Müh' ohne Zweck! Das beste Schwert, das je ich geschweisst, in der Riesen Fäusten hielte es fest; doch dem ich's geschmiedet, der schmähliche Knabe, er knickt und schmeisst es entzwei, als schüf' ich Kindergeschmeid! - (Mime wirft das Schwert unmutig auf den Amboss, stemmt die Arme ein und blickt sinnend zu Boden) Es gibt ein Schwert, das er nicht zerschwänge: Notungs Trümmer zertrotzt' er mir nicht, könnt' ich die starken Stücke schweissen, die meine Kunst nicht zu kitten weiss! Könnt' ich's dem Kühnen schmieden, meiner Schmach erlangt' ich da Lohn! - (Er sinkt tiefer zurück und neigt sinnend das Haupt) Fafner, der wilde Wurm, lagert im finstren Wald; mit des furchtbaren Leibes Wucht der Niblungen Hort hütet er dort. Siegfrieds kindischer Kraft erläge wohl Fafners Leib: des Niblungen Ring erränge er mir. Nur ein Schwert taugt zu der Tat; nur Notung nützt meinem Neid, wenn Siegfried sehrend ihn schwingt: - und ich kann's nicht schweissen, Notung, das Schwert! - (Er hat das Schwert wieder zurechtgelegt und hämmert in höchstem Unmut daran weiter) Zwangvolle Plage! Müh' ohne Zweck! Das beste Schwert, das je ich geschweisst, nie taugt es je zu der einzigen Tat! Ich tappre und hämmre nur, weil der Knabe es heischt: er knickt und schmeisst es entzwei, und schmäht doch, schmied' ich ihm nicht! (Er lässt den Hammer fallen) |
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MIME Forced drudgery! Fruitless toil! The best sword that ever I forged would hold firm in the fists of a giant; but he for whom I wrought it, the contemptous boy, he cracks it and snaps it in two as if I'd made a child's toy! There is one sword he could not shatter: with Notung's fragments he could not taunt me, if I could but weld the stout splinters which all my skill cannot join. But if I forged it for the fearless one, I'd be requited for my shame! Fafner, the fearsome dragon, lurks in the dark forest; with the formidable weight of his body he guards the Niblung's gold there. Siegfried's youthful strength might well destroy Fafner's body: he would win for me the Nibelung's ring. One sword only will suffice for the deed; only Notung can serve my envy if swaggering Siegfried wields it. But I can't weld it, that sword Notung! Forced drudgery! Fruitless toil! The best sword that ever I forged will never do for the one deed I desire! I go on tapping and hammering only because the boy insists: he cracks it and snaps it in two and reviles me if I don't labour for him! |
| (Siegfried, in wilder Waldkleidung, mit einem silbernen Horn an einer Kette, kommt mit jähem Ungestüm aus dem Walde herein; er hat einen grossen Bären mit einen Bastseile gezäumt und treibt diesen mit lustigem Übermute gegen Mime an) | Music | |
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SIEGFRIED Hoiho! Hoiho! Hau' ein! Hau' ein! Friss ihn! Friss ihn, Den Fratzenschmied! (Er lacht unbändig.) |
SIEGFRIED Hoiho! Hoiho! Go for him! Gobble him up, that ugly old smith! |
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| (Mimen entsinkt vor Schreck das Schwert; er flüchtet hinter den Herd; Siegfried treibt ihm den Bären überall nach) | ||
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MIME Fort mit dem Tier! Was taugt mir der Bär? |
MIME Get that beast out! Why bring in a bear? |
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SIEGFRIED Zu zwei komm ich, dich besser zu zwicken: Brauner, frag' nach dem Schwert! |
SIEGFRIED The two of us came, the better to tease you: Bruin, ask for the sword! |
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MIME He! Lass das Wild! Dort liegt die Waffe: fertig fegt' ich sie heut'. |
MIME Hey, send him off! There lies the sword, prepared and polished today. |
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SIEGFRIED So fährst du heute noch heil! (Er löst dem Bären den Zaum und gibt ihm damit einen Schlag auf den Rücken) Lauf', Brauner! Dich brauch' ich nicht mehr! |
SIEGFRIED Than today you escape scotfree. On your way, Bruin: I don't need you now. |
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| (Der Bär läuft in den Wald zurück) | ||
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MIME (kommt zitternd hinter dem Herde hervor) Wohl leid' ich's gern, erlegst du Bären: was bringst du lebend die braunen heim? |
MIME I suffer it gladly when you slay bears; but why bring a live beast home? |
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SIEGFRIED (setzt sich, um sich vom Lachen zu erholen) Nach bessrem Gesellen sucht' ich, als daheim mir einer sitzt; im tiefen Walde mein Horn liess ich hallend da ertönen: ob sich froh mir gesellte ein guter Freund, das frug ich mit dem Getön'! Aus dem Busche kam ein Bär, der hörte mir brummend zu; er gefiel mir besser als du, doch bessre fänd' ich wohl noch! Mit dem zähen Baste zäumt' ich ihn da, dich, Schelm, nach dem Schwerte zu fragen. (Er springt auf und geht auf den Amboss zu) |
SIEGFRIED I was looking for a better companion than the one who waits at home for me. In the depths of the forest I set my horn waking the echo: Would I be gladdened with a good friend's company? with my music I asked, Out of the bushes came a bear, growling as he listened to me; I preferred him to you, though I'd still like to find a better! With a rough rope I bridled him and brought him to ask you, rouge, for the sword. |
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MIME (nimmt das Schwert auf, um es Siegfried zu reichen) Ich schuf die Waffe scharf, ihrer Schneide wirst du dich freun. (Er hält das Schwert ängstlich in der Hand fest, das Siegfried ihm heftig entwindet) |
MIME I made the weapon sharp; its edge will delight you. |
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SIEGFRIED Was frommt seine helle Schneide, ist der Stahl nicht hart und fest? (das Schwert mit der Hand prüfend) Hei! Was ist das für müss'ger Tand! Den schwachen Stift nennst du ein Schwert? (Er zerschlägt es auf dem Amboss, dass die Stücken ringsum fliegen; Mime weicht erschrocken aus) Da hast du die Stücken, schändlicher Stümper: hätt' ich am Schädel dir sie zerschlagen! - Soll mich der Prahler länger noch prellen? Schwatzt mir von Riesen und rüstigen Kämpfen, von kühnen Taten und tüchtiger Wehr; will Waffen mir schmieden, Schwerte schaffen; rühmt seine Kunst, als könnt' er was Rechts: nehm' ich zur Hand nun, was er gehämmert, mit einem Griff zergreif' ich den Quark! - Wär' mir nicht schier zu schäbig der Wicht, ich zerschmiedet' ihn selbst mit seinem Geschmeid, den alten albernen Alp! Des Ärgers dann hätt' ich ein End'! |
Music Music |
SIEGFRIED What use is its bright edge if the steel is not hard and firm? Hey, what worthless toy is this! Do you call this puny pin sword? There are the bits for you, base bungler: I should have broken them over your head! Shall this braggart dupe me further? He babbles of giants and brave battles, of daring deeds and awesome arms, wants to make weapons for me and forge swords, praises his skill as if he could accomplish something: yet when I take in my hand what he has hammered out, with one grip I shatter the trash! If the wretch were not far too vile, I'd melt him down along with his sword, the stupid old oaf! I'd have an end to my annoyance! |
| (Siegfried wirft sich wütend auf eine Steinbank zur Seite rechts. Mime ist ihm immer vorsichtig ausgewichen.) | ||
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MIME Nun tobst du wieder wie toll: dein Undank, traun, ist arg! Mach' ich dem bösen Buben nicht alles gleich zu best, was ich ihm Gutes schuf, vergisst er gar zu schnell! Willst du denn nie gedenken, was ich dich lehrt' vom Danke? Dem sollst du willig gehorchen, der je sich wohl dir erwies. (Siegfried wendet sich unmutig um, mit dem Gesicht nach der Wand, so dass er Mime den Rücken kehrt) Das willst du wieder nicht hören! (Er steht verlegen; dann geht er in die Küche am Herd) Doch speisen magst du wohl? Vom Spiesse bring' ich den Braten: versuchtest du gern den Sud? Für dich sott ich ihn gar. |
Music |
MIME Now you rave again as you were mad: gross indeed is your ingratitude! If I give the overbearing boy anything but the best, he all too quickly forgets the good I've done him! Will you then never think of what I taught you about thanks? You should willingly obey the one who has always wished you well. You don't want to hear that again! But surely you'd like some food? I'll bring some roast meat from the spit: or would you like to try the broth? I boiled it well for you. |
| (Er bietet Siegfried Speise hin; dieser, ohne sich umzuwenden, schmeisst ihm Topf und Braten aus der Hand) | ||
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SIEGFRIED Braten briet ich mir selbst: deinen Sudel sauf' allein! |
SIEGFRIED Meat I've roasted for myself: swallow your swill alone! |
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MIME (stellt sich empfindlich. - Mit kläglich kreischender Stimme) Das ist nun der Liebe schlimmer Lohn! Das der Sorgen schmählicher Sold! - Als zullendes Kind zog ich dich auf, wärmte mit Kleiden den kleinen Wurm: Speise und Trank trug ich dir zu, hütete dich wie die eigne Haut. Und wie du erwuchsest, wartet' ich dein; dein Lager schuf ich, dass leicht du schliefst. Dir schmiedet' ich Tand und ein tönend Horn; dich zu erfreun, müht' ich mich froh: mit klugem Rate riet ich dir klug, mit lichtem Wissen lehrt' ich dich Witz. Sitz' ich daheim in Fleiss und Schweiss, nach Herzenslust schweifst du umher: für dich nur in Plage, in Pein nur für dich verzehr' ich mich alter, armer Zwerg! (schluchzend) Und aller Lasten ist das nun mein Lohn, dass der hastige Knabe mich quält und hasst! (schluchzend) |
Music |
MIME So that's how my love is requited! That's the pitiful repayment for my pains! I brought you up, a puling babe, gave the little mite warm clothes: I brought you food and drink, cherished you like my own flesh. And as you grew I guarded you well: I made you a couch on which to sleep soft. I made you toys and a resounding horn; I gladly toiled to give you pleasure: with wise counsel I schooled your wisdom, with shining knowledge I whetted your wits. I sit at home, toiling and moiling, while you roam around to your heart's desire: for you alone in pain, in pangs for you alone I pine away, a poor old dwarf! And for all my worry this is now my reward, that the hasty boy harasses and hates me! |
| (Siegfried hat sich wieder umgewendet und ruhig in Mimes Blick geforscht. Mime begegnet Siegfrieds Blick und sucht den seinigen scheu zu bergen) | ||
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SIEGFRIED Vieles lehrtest du, Mime, und manches lernt' ich von dir; doch was du am liebsten mich lehrtest, zu lernen gelang mir nie: wie ich dich leiden könnt'. - Trägst du mir Trank und Speise herbei, - der Ekel speist mich allein; schaffst du ein leichtes Lager zum Schlaf, - der Schlummer wird mir da schwer; willst du mich weisen, witzig zu sein, - gern bleib' ich taub und dumm. Seh' ich dir erst mit den Augen zu, zu übel erkenn' ich, was alles du tust: seh' ich dich stehn, gangeln und gehn, knicken und nicken, mit den Augen zwicken: beim Genick möcht' ich den Nicker packen, den Garaus geben dem garst'gen Zwicker! - So lernt' ich, Mime, dich leiden. Bist du nun weise, so hilf mir wissen, worüber umsonst ich sann: in den Wald lauf' ich, dich zu verlassen, - wie kommt das, kehr ich zurück? Alle Tiere sind mir teurer als du: Baum und Vogel, die Fische im Bach, lieber mag ich sie leiden als dich: wie kommt das nun, kehr' ich zurück? Bist du klug, so tu mir's kund. |
SIEGFRIED Much you've taught me, Mime, and much I've learned from you; but what you most sought to teach me I never succeeded in learning: how to tolerate you. Though you bring me drink and food, loathing alone feeds me: though you make me a soft couch to sleep on, slumber is hard to come by; though you try to teach me to use my wits I'd rather stay deaf and dull. As soon as I set eyes on you, I see that all you do is evil: when I watch you standing, shuffling and shambling, servilely stooping, squinting and blinking I long to seize you by your nodding neck and make an end of your obscene blinking! That's how I've learnt, Mime, to endure you. If you're so wise, then help me to know something I've pondered in vain: I run into the forest to escape you; how is it that I always return? Every beast is dearer to me than you: the trees and birds, the fish in the stream, are more welcome to me than you: then how comes it that I return? If you're clever, then tell me that. |
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MIME (setzt sich in einiger Entfernung ihm traulich gegenüber) Mein Kind, das lehrt dich kennen, wie lieb ich am Herzen dir lieg'. |
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MIME My child, that teaches you to know how dear I am to your heart. |
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SIEGFRIED (lachend) Ich kann dich ja nicht leiden, - vergiss das nicht so leicht! |
SIEGFRIED But I can't abide you, don't forget that so easily! |
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MIME (fährt zurück und setzt sich wieder abseits, Siegfried gegenüber) Des ist deine Wildheit schuld, die du, Böser, bänd'gen sollst. - Jammernd verlangen Junge nach ihrer Alten Nest; Liebe ist das Verlangen; so lechzest du auch nach mir, so liebst du auch deinen Mime, - so musst du ihn lieben! Was dem Vögelein ist der Vogel, wenn er im Nest es nährt eh' das flügge mag fliegen: das ist dir kind'schem Spross der kundig sorgende Mime, das muss er dir sein! |
MIME That is your wildness that's to blame, which you should curb and control. The young yearn and pine for their parents' nest: this longing is called love: thus you too long for me, thus you too love your Mime - you must love him! What the bird is to the fledgling when it feeds it in the nest before the fledgling can fly: such to you, my lad, is sage, attentive Mime - such he must be! |
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SIEGFRIED Ei, Mime, bist du so witzig, so lass mich eines noch wissen! - Es sangen die Vöglein so selig im Lenz, das eine lockte das andre: du sagtest selbst, da ich's wissen wollt', das wären Männchen und Weibchen. Sie kosten so lieblich, und liessen sich nicht; sie bauten ein Nest und brüteten drin: da flatterte junges Geflügel auf, und beide pflegten der Brut. - So ruhten im Busch auch Rehe gepaart, selbst wilde Füchse und Wölfe: Nahrung brachte zum Neste das Männchen, das Weibchen säugte die Welpen. Da lernt' ich wohl, was Liebe sei: der Mutter entwandt' ich die Welpen nie. - Wo hast du nun, Mime, dein minniges Weibchen, dass ich es Mutter nenne? |
Music |
SIEGFRIED O Mime, if you're so wise explain something else to me. The birds sang so happily in springtime, each attracted the other; you yourself said, when I asked to know, that they were husband and wife. They dallied so lovingly and never left each other: they built a nest and there hatched their brood: the young fledglings fluttered out and both cherished their chicks. Resting in the bushes, roedeer also pained off, and so did even wild foxes and wolves: the father brought food to the nest, the mother suckled the whelps. There I learned what love was: I never took cubs from their mother's care. Now where, Mime, have you your loving wife, that I may call her mother? |
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MIME (ärgerlich) Was ist dir, Tor? Ach, bist du dumm! Bist doch weder Vogel noch Fuchs? |
MIME What's wrong with you, fool? Oh, you are stupid! Are you a bird or a fox? |
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SIEGFRIED Das zullende Kind zogest du auf, wärmtest mit Kleiden den kleinen Wurm: wie kam dir aber der kindische Wurm? Du machtest wohl gar ohne Mutter mich? |
SIEGFRIED The puling babe you brought up, gave the little mite warm clothes; but how came the tot to you? Did you really make me without a mother? |
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MIME (in grosser Verlegenheit) Glauben sollst du, was ich dir sage: ich bin dir Vater und Mutter zugleich. |
MIME You must belive what I tell you: I am both your father and your mother. |
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SIEGFRIED Das lügst du, garstiger Gauch! - Wie die Jungen den Alten gleichen, das hab' ich mir glücklich ersehn. Nun kam ich zum klaren Bach: da erspäht' ich die Bäum' und Tier' im Spiegel; Sonn' und Wolken, wie sie nur sind, im Glitzer erschienen sie gleich. Da sah ich denn auch mein eigen Bild; ganz anders als du dünkt' ich mir da: so glich wohl der Kröte ein glänzender Fisch; doch kroch nie ein Fisch aus der Kröte! |
SIEGFRIED You lie, you loathsome loon! That the young look like their parents I've luckily seen for myself. When I came to the clear brook I saw the trees and beasts mirrored there; sun and clouds, just as they are, appeared reflected in the sparkling stream. There too I saw my own picture: quite unlike you I seemed to be; as like as a toad and glittering fish; but a sish never had a toad for father! |
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MIME (höchst ärgerlich) Gräulichen Unsinn kramst du da aus! |
MIME You're prating utter rubbish! |
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SIEGFRIED (immer lebendiger) Siehst du, nun fällt auch selbst mir ein, was zuvor umsonst ich besann: wenn zum Wald ich laufe, dich zu verlassen, wie das kommt, kehr' ich doch heim? (er springt auf) Von dir erst muss ich erfahren, wer Vater und Mutter mir sei! |
SIEGFRIED Look, now of my own accord it becomes clear to me what I've long pondered in vain: when I run into the forest to escape you how is it that I return? From you I must first discover who are my father and mother? |
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MIME (weicht ihm aus) Was Vater! Was Mutter! Müssige Frage! |
MIME What father? What mother? Idle question! |
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SIEGFRIED (packt ihn bei der Kehle) So muss ich dich fassen, um was zu wissen: gutwillig erfahr' ich doch nichts! So musst' ich alles ab dir trotzen: kaum das Reden hätt' ich erraten, entwandt ich's mit Gewalt nicht dem Schuft! Heraus damit, räudiger Kerl! Wer ist mir Vater und Mutter? |
SIEGFRIED Then I must seize you like this to find out anything: by gentleness I learn nothing! I've had to force everything from you: I'd scarcely have learnt even speech had I not wrung it, rouge, from you by force! Out with it, you shabby scoundrel! Who are my father and mother? |
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MIME (nachdem er mit dem Kopfe genickt und mit den Händen gewinkt, ist von Siegfried losgelassen worden) Ans Leben gehst du mir schier! Nun lass! Was zu wissen dich geizt, erfahr' es, ganz wie ich's weiss. - O undankbares, arges Kind! Jetzt hör', wofür du mich hassest! Nicht bin ich Vater noch Vetter dir, und dennoch verdankst du mir dich! Ganz fremd bist du mir, dem einzigen Freund; aus Erbarmen allein barg ich dich hier: nun hab' ich lieblichen Lohn! Was verhofft' ich Thor mir auch Dank? Einst lag wimmernd ein Weib da draussen im wilden Wald: zur Höhle half ich ihr her, am warmen Herd sie zu hüten. Ein Kind trug sie im Schosse; traurig gebar sie's hier; sie wand sich hin und her, ich half, so gut ich konnt'. Gross war die Not! Sie starb, - doch Siegfried, der genas. |
Music |
MIME You've almost killed me! Let go! Then learn what you're anxious to know, as I know it. O ungrateful, cruel boy! Now hear why you hate me! I am neither your father nor of your family, and yet to me you owe everything! You are a stranger to me, your only friend; out of compassion alone I sheltered you here: a rich reward I reap! Fool that I was to hope for thanks! One day a woman lay whimpering out there in the wild woods: I helped her here into the cave to tend her by my warm fire. In her womb she carried a child; wretchedly she here gave it birth; back and forth she writhed, I helped as best I could. Great was her distress. She died, but Siegfried, he survived. |
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SIEGFRIED So starb meine Mutter an mir? |
SIEGFRIED Then my mother died of me? |
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MIME Meinem Schutz übergab sie dich: (Siegfried steht sinnend) ich schenkt' ihn gern dem Kind. Was hat sich Mime gemüht, was gab sich der Gute für Not! "Als zullendes Kind zog ich dich auf..." |
MIME She gave you into my keeping; gladly I cared for the child. What trouble Mime took, what kindness and consideration he showed! "As a puling babe I brought you up." |
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SIEGFRIED Mich dünkt, des gedachtest du schon! Jetzt sag': woher heiss' ich Siegfried? |
SIEGFRIED I fancy you've said that before! Now say: why am I called Siegfried? |
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MIME So hiess mich die Mutter, möcht' ich dich heissen: als "Siegfried" würdest du stark und schön. "Ich wärmte mit Kleiden den kleinen Wurm...." |
MIME Your mother commanded me so to call you: as Siegfried you would be strong and handsome. "I gave the little mite warm clothes." |
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SIEGFRIED Nun melde, wie hiess meine Mutter? |
SIEGFRIED Now tell me, what was my mother's name? |
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MIME Das weiss ich wahrlich kaum! "Speise und Trank trug ich dir zu...." |
MIME Truly, I scarcely know. "I brought you food and drink." |
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SIEGFRIED Den Namen sollst du mir nennen! |
SIEGFRIED Her name! You shall tell me! |
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MIME Entfiel er mir wohl? Doch halt! Sieglinde mochte sie heissen, die dich in Sorge mir gab. - "Ich hütete dich wie die eigne Haut...." |
MIME Could it have slipped my mind? No, wait! May have been called Sieglinde, she who in grief gave you to me. "I cherished you like my own flesh." |
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SIEGFRIED (immer dringender) Dann frag' ich, wie hiess mein Vater? |
SIEGFRIED Now I ask, what was my father called? |
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MIME (barsch) Den hab' ich nie gesehn. |
MIME I never saw him. |
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SIEGFRIED Doch die Mutter nannte den Namen? |
SIEGFRIED But my mother mentioned his name? |
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MIME Erschlagen sei er, das sagte sie nur; dich Vaterlosen befahl sie mir da: - "und wie du erwuchsest, wartet' ich dein; dein Lager schuf ich, dass leicht du schliefst...." |
MIME She said only that he was killed; to my care she entrusted her fatherless child. "And as you grew I guarded you well; I made you a couch on which to sleep soft." |
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SIEGFRIED Still mit dem alten Starenlied! - Soll ich der Kunde glauben, hast du mir nichts gelogen, so lass mich Zeichen sehn! |
SIEGFRIED Stop that endless squawking! If I must belive this story, if you've not been lying to me, then let me see some proof. |
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MIME Was soll dir's noch bezeugen? |
MIME What would convince you? |
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SIEGFRIED Dir glaub' ich nicht mit dem Ohr', dir glaub' ich nur mit dem Aug': welch Zeichen zeugt für dich? |
SIEGFRIED My ears do not belive you. I'll credit only the evidence of my eyes: what proof supports your story? |
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MIME (holt nach einigem Besinnen die zwei Stücke eines zerschlagenen Schwerts herbei) Das gab mir deine Mutter: für Mühe, Kost und Pflege liess sie's als schwachen Lohn. Sieh' her, ein zerbrochnes Schwert! Dein Vater, sagte sie, führt' es, als im letzten Kampf er erlag. |
MIME Your mother gave me this: for my pains, feeding and attention she left this as paltry payment. Look here, a shattered sword! She said your father carried it when he fell in his last fight. |
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SIEGFRIED (begeistert) Und diese Stücke sollst du mir schmieden: dann schwing' ich ein rechtes Schwert! Auf! Eile dich, Mime! Mühe dich rasch; kannst du was Rechts, nun zeig' deine Kunst! Täusche mich nicht mit schlechtem Tand: den Trümmern allein trau' ich was zu! Find' ich dich faul, fügst du sie schlecht, flickst du mit Flausen den festen Stahl, - dir Feigem fahr' ich zu Leib', das Fegen lernst du von mir! Denn heute noch, schwör' ich, will ich das Schwert; die Waffe gewinn' ich noch heut'! |
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SIEGFRIED And these fragments you must forge for me: then my rightful sword I'll brandish! Get up! Quickly, Mime! Get on with it! If you can do anything properly, now show your skill! Don't trick me with trashy toys; only in these fragments have I any faith! If I find you flagging, if you join them badly, if the stout steel you patch poorly, I'll have your cowardly hide, I'll teach you what a drubbing is! For this very day, I swear, I must have that sword; the weapon I want today! |
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MIME (erschrocken) Was willst du noch heut' mit dem Schwert? |
MIME What do you want with the sword today? |
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SIEGFRIED Aus dem Wald fort in die Welt ziehn: nimmer kehr' ich zurück! Wie ich froh bin, dass ich frei ward, nichts mich bindet und zwingt! Mein Vater bist du nicht; in der Ferne bin ich heim; dein Herd ist nicht mein Haus, meine Decke nicht dein Dach. Wie der Fisch froh in der Flut schwimmt, wie der Fink frei sich davon schwingt: flieg' ich von hier, flute davon, wie der Wind übern Wald weh' ich dahin, - dich, Mime, nie wieder zu sehn! (Er stürmt in den Wald fort) |
Music |
SIEGFRIED To go forth from the forest into the world, nevermore to return! How glad I am to be free, nothing compels or constrains me! You are not my father; far away I shall be at home; your hearth is not my house, my shelter not your roof. Happy as the fish swimming in the floodtide, free as the finch flying off, I flee from here, flowing forth, wending my way like the wind over the woods, nevermore, Mime to see you again! |
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MIME (in höchster Angst) Halte! Halte! Wohin? (Er ruft mit der grössten Anstrengung in den Wald) He! Siegfried! Siegfried! He! (Er sieht dem Fortstürmenden eine Weile staunend nach; dann kehrt er in die Schmiede zurück und setzt sich hinter den Amboss) Da stürmt er hin! - Nun sitz' ich da: - zur alten Not hab' ich die neue; vernagelt bin ich nun ganz! - Wie helf' ich mir jetzt? Wie halt' ich ihn fest? Wie führ' ich den Huien zu Fafners Nest? Wie füg' ich die Stücken des tückischen Stahls? Keines Ofens Glut glüht mir die echten; keines Zwergen Hammer zwingt mir die harten. Des Niblungen Neid, Not und Schweiss nietet mir Notung nicht, schweisst mir das Schwert nicht zu ganz! - |
Music |
MIME Stop, stop! Where are you going? Hey, Siegfried! Siegfried, hey! Away he storms! And I sit here: to my old troubles is added a new one: now I am at my wits' end. How can I help myself now? How can I hold him here? How shall I lead this hothead to Fafner's lair? How shall I join the splinters of this stubborn steel? No furnace's fire can fuse these pure pieces; no dwarf's hammer can subdue their hardness. Niblung hatred, trouble and toil will not knit Notung together for me, nor weld the sword into a whole! |
| (Mime knickt verzweifelnd auf dem Schemel hinter dem Amboss zusammen) |