RichardWagner
Libretti
Siegfried

ERSTER AUFZUG ACT ONE
VORSPIEL UND ERSTE SZENE
Wald.


Den Vordergrund bildet ein Teil einer Felsenhöhle, die sich links tiefer nach innen zieht, nach rechts aber gegen drei Vierteile der Bühne einnimmt. Zwei natürlich gebildete Eingänge stehen dem Walde zu offen: der eine nach rechts, unmittelbar im Hintergrunde, der andere, breitere, ebenda seitwärts. An der Hinterwand, nach links zu, steht ein grosser Schmiedeherd, aus Felsstücken natürlich geformt; künstlich ist nur der grosse Blasebalg: die rohe Esse geht - ebenfalls natürlich - durch das Felsendach hinauf. Ein sehr grosser Amboss und andre Schmiedegerätschaften.
Music
Music
Music
PRELUDE AND SCENE ONE
MIME
(sitzt, als der Vorhang nach einem
kurzen Orchestervorspiel aufgeht,
am Ambosse und hämmert mit
wachsender Unruhe an einem
Schwerte: endlich hält er unmutig ein)


Zwangvolle Plage!
Müh' ohne Zweck!
Das beste Schwert,
das je ich geschweisst,
in der Riesen Fäusten
hielte es fest;
doch dem ich's geschmiedet,
der schmähliche Knabe,
er knickt und schmeisst es entzwei,
als schüf' ich Kindergeschmeid! -

(Mime wirft das Schwert unmutig
auf den Amboss, stemmt die Arme
ein und blickt sinnend zu Boden)


Es gibt ein Schwert,
das er nicht zerschwänge:
Notungs Trümmer
zertrotzt' er mir nicht,
könnt' ich die starken
Stücke schweissen,
die meine Kunst
nicht zu kitten weiss!
Könnt' ich's dem Kühnen schmieden,
meiner Schmach erlangt' ich da Lohn! -

(Er sinkt tiefer zurück und
neigt sinnend das Haupt)


Fafner, der wilde Wurm,
lagert im finstren Wald;
mit des furchtbaren Leibes Wucht
der Niblungen Hort
hütet er dort.
Siegfrieds kindischer Kraft
erläge wohl Fafners Leib:
des Niblungen Ring
erränge er mir.
Nur ein Schwert taugt zu der Tat;
nur Notung nützt meinem Neid,
wenn Siegfried sehrend ihn schwingt: -
und ich kann's nicht schweissen,
Notung, das Schwert! -

(Er hat das Schwert wieder
zurechtgelegt und hämmert in
höchstem Unmut daran weiter)


Zwangvolle Plage!
Müh' ohne Zweck!
Das beste Schwert,
das je ich geschweisst,
nie taugt es je
zu der einzigen Tat!
Ich tappre und hämmre nur,
weil der Knabe es heischt:
er knickt und schmeisst es entzwei,
und schmäht doch, schmied' ich ihm nicht!

(Er lässt den Hammer fallen)

































Music
MIME






Forced drudgery!
Fruitless toil!
The best sword
that ever I forged
would hold firm
in the fists of a giant;
but he for whom I wrought it,
the contemptous boy,
he cracks it and snaps it in two
as if I'd made a child's toy!





There is one sword
he could not shatter:
with Notung's fragments
he could not taunt me,
if I could but weld
the stout splinters
which all my skill
cannot join.
But if I forged it for the fearless one,
I'd be requited for my shame!




Fafner, the fearsome dragon,
lurks in the dark forest;
with the formidable weight of his body
he guards
the Niblung's gold there.
Siegfried's youthful strength
might well destroy Fafner's body:
he would win for me
the Nibelung's ring.
One sword only will suffice for the deed;
only Notung can serve my envy
if swaggering Siegfried wields it.
But I can't weld it,
that sword Notung!





Forced drudgery!
Fruitless toil!
The best sword
that ever I forged
will never do
for the one deed I desire!
I go on tapping and hammering only
because the boy insists:
he cracks it and snaps it in two
and reviles me if I don't labour for him!


(Siegfried, in wilder Waldkleidung, mit einem silbernen Horn an einer Kette, kommt mit jähem Ungestüm aus dem Walde herein; er hat einen grossen Bären mit einen Bastseile gezäumt und treibt diesen mit lustigem Übermute gegen Mime an) Music  
SIEGFRIED

Hoiho! Hoiho!
Hau' ein! Hau' ein!
Friss ihn! Friss ihn,
Den Fratzenschmied!

(Er lacht unbändig.)
SIEGFRIED

Hoiho! Hoiho!
Go for him!
Gobble him up,
that ugly old smith!


(Mimen entsinkt vor Schreck das Schwert; er flüchtet hinter den Herd; Siegfried treibt ihm den Bären überall nach)  
MIME

Fort mit dem Tier!
Was taugt mir der Bär?
MIME

Get that beast out!
Why bring in a bear?
SIEGFRIED

Zu zwei komm ich,
dich besser zu zwicken:
Brauner, frag' nach dem Schwert!
SIEGFRIED

The two of us came,
the better to tease you:
Bruin, ask for the sword!
MIME

He! Lass das Wild!
Dort liegt die Waffe:
fertig fegt' ich sie heut'.
MIME

Hey, send him off!
There lies the sword,
prepared and polished today.
SIEGFRIED

So fährst du heute noch heil!

(Er löst dem Bären den Zaum
und gibt ihm damit einen
Schlag auf den Rücken)


Lauf', Brauner!
Dich brauch' ich nicht mehr!
SIEGFRIED

Than today you escape scotfree.





On your way, Bruin:
I don't need you now.
(Der Bär läuft in den Wald zurück)  
MIME
(kommt zitternd hinter dem Herde hervor)

Wohl leid' ich's gern,
erlegst du Bären:
was bringst du lebend
die braunen heim?
MIME


I suffer it gladly
when you slay bears;
but why bring a live
beast home?
SIEGFRIED
(setzt sich, um sich vom
Lachen zu erholen)


Nach bessrem Gesellen sucht' ich,
als daheim mir einer sitzt;
im tiefen Walde mein Horn
liess ich hallend da ertönen:
ob sich froh mir gesellte
ein guter Freund,
das frug ich mit dem Getön'!
Aus dem Busche kam ein Bär,
der hörte mir brummend zu;
er gefiel mir besser als du,
doch bessre fänd' ich wohl noch!
Mit dem zähen Baste
zäumt' ich ihn da,
dich, Schelm, nach dem Schwerte zu fragen.

(Er springt auf und geht
auf den Amboss zu)
SIEGFRIED



I was looking for a better companion
than the one who waits at home for me.
In the depths of the forest
I set my horn waking the echo:
Would I be gladdened
with a good friend's company?
with my music I asked,
Out of the bushes came a bear,
growling as he listened to me;
I preferred him to you,
though I'd still like to find a better!
With a rough rope
I bridled him
and brought him to ask you, rouge, for the sword.



MIME
(nimmt das Schwert auf,
um es Siegfried zu reichen)


Ich schuf die Waffe scharf,
ihrer Schneide wirst du dich freun.

(Er hält das Schwert ängstlich
in der Hand fest, das Siegfried
ihm heftig entwindet)
MIME



I made the weapon sharp;
its edge will delight you.




SIEGFRIED

Was frommt seine helle Schneide,
ist der Stahl nicht hart und fest?

(das Schwert mit der Hand prüfend)

Hei! Was ist das
für müss'ger Tand!
Den schwachen Stift
nennst du ein Schwert?

(Er zerschlägt es auf dem Amboss,
dass die Stücken ringsum fliegen;
Mime weicht erschrocken aus)


Da hast du die Stücken,
schändlicher Stümper:
hätt' ich am Schädel
dir sie zerschlagen! -
Soll mich der Prahler
länger noch prellen?
Schwatzt mir von Riesen
und rüstigen Kämpfen,
von kühnen Taten
und tüchtiger Wehr;
will Waffen mir schmieden,
Schwerte schaffen;
rühmt seine Kunst,
als könnt' er was Rechts:
nehm' ich zur Hand nun,
was er gehämmert,
mit einem Griff
zergreif' ich den Quark! -
Wär' mir nicht schier
zu schäbig der Wicht,
ich zerschmiedet' ihn selbst
mit seinem Geschmeid,
den alten albernen Alp!
Des Ärgers dann hätt' ich ein End'!





Music










Music
SIEGFRIED

What use is its bright edge
if the steel is not hard and firm?



Hey, what worthless toy
is this!
Do you call this puny
pin sword?





There are the bits for you,
base bungler:
I should have broken them
over your head!
Shall this braggart
dupe me further?
He babbles of giants
and brave battles,
of daring deeds
and awesome arms,
wants to make weapons for me
and forge swords,
praises his skill
as if he could accomplish something:
yet when I take in my hand
what he has hammered out,
with one grip
I shatter the trash!
If the wretch were not
far too vile,
I'd melt him down along
with his sword,
the stupid old oaf!
I'd have an end to my annoyance!
(Siegfried wirft sich wütend auf eine Steinbank zur Seite rechts. Mime ist ihm immer vorsichtig ausgewichen.)  
MIME

Nun tobst du wieder wie toll:
dein Undank, traun, ist arg!
Mach' ich dem bösen Buben
nicht alles gleich zu best,
was ich ihm Gutes schuf,
vergisst er gar zu schnell!
Willst du denn nie gedenken,
was ich dich lehrt' vom Danke?
Dem sollst du willig gehorchen,
der je sich wohl dir erwies.

(Siegfried wendet sich unmutig
um, mit dem Gesicht nach der
Wand, so dass er Mime den
Rücken kehrt)


Das willst du wieder nicht hören!

(Er steht verlegen; dann geht er in
die Küche am Herd)


Doch speisen magst du wohl?
Vom Spiesse bring' ich den Braten:
versuchtest du gern den Sud?
Für dich sott ich ihn gar.






Music
MIME

Now you rave again as you were mad:
gross indeed is your ingratitude!
If I give the overbearing boy
anything but the best,
he all too quickly forgets
the good I've done him!
Will you then never think
of what I taught you about thanks?
You should willingly obey the one
who has always wished you well.






You don't want to hear that again!




But surely you'd like some food?
I'll bring some roast meat from the spit:
or would you like to try the broth?
I boiled it well for you.
(Er bietet Siegfried Speise hin; dieser, ohne sich umzuwenden, schmeisst ihm Topf und Braten aus der Hand)  
SIEGFRIED

Braten briet ich mir selbst:
deinen Sudel sauf' allein!
SIEGFRIED

Meat I've roasted for myself:
swallow your swill alone!
MIME
(stellt sich empfindlich. -
Mit kläglich kreischender Stimme)


Das ist nun der Liebe
schlimmer Lohn!
Das der Sorgen
schmählicher Sold! -
Als zullendes Kind
zog ich dich auf,
wärmte mit Kleiden
den kleinen Wurm:
Speise und Trank
trug ich dir zu,
hütete dich
wie die eigne Haut.
Und wie du erwuchsest,
wartet' ich dein;
dein Lager schuf ich,
dass leicht du schliefst.
Dir schmiedet' ich Tand
und ein tönend Horn;
dich zu erfreun,
müht' ich mich froh:
mit klugem Rate
riet ich dir klug,
mit lichtem Wissen
lehrt' ich dich Witz.
Sitz' ich daheim
in Fleiss und Schweiss,
nach Herzenslust
schweifst du umher:
für dich nur in Plage,
in Pein nur für dich
verzehr' ich mich alter,
armer Zwerg!

(schluchzend)

Und aller Lasten
ist das nun mein Lohn,
dass der hastige Knabe
mich quält und hasst!

(schluchzend)








Music
MIME



So that's how my love
is requited!
That's the pitiful repayment
for my pains!
I brought you up,
a puling babe,
gave the little mite
warm clothes:
I brought you
food and drink,
cherished you
like my own flesh.
And as you grew
I guarded you well:
I made you a couch
on which to sleep soft.
I made you toys
and a resounding horn;
I gladly toiled
to give you pleasure:
with wise counsel
I schooled your wisdom,
with shining knowledge
I whetted your wits.
I sit at home,
toiling and moiling,
while you roam around
to your heart's desire:
for you alone in pain,
in pangs for you alone
I pine away,
a poor old dwarf!



And for all my worry
this is now my reward,
that the hasty boy
harasses and hates me!


(Siegfried hat sich wieder umgewendet und ruhig in Mimes Blick geforscht. Mime begegnet Siegfrieds Blick und sucht den seinigen scheu zu bergen)  
SIEGFRIED

Vieles lehrtest du, Mime,
und manches lernt' ich von dir;
doch was du am liebsten mich lehrtest,
zu lernen gelang mir nie:
wie ich dich leiden könnt'. -
Trägst du mir Trank
und Speise herbei, -
der Ekel speist mich allein;
schaffst du ein leichtes
Lager zum Schlaf, -
der Schlummer wird mir da schwer;
willst du mich weisen,
witzig zu sein, -
gern bleib' ich taub und dumm.
Seh' ich dir erst
mit den Augen zu,
zu übel erkenn' ich,
was alles du tust:
seh' ich dich stehn,
gangeln und gehn,
knicken und nicken,
mit den Augen zwicken:
beim Genick möcht' ich
den Nicker packen,
den Garaus geben
dem garst'gen Zwicker! -
So lernt' ich, Mime, dich leiden.
Bist du nun weise,
so hilf mir wissen,
worüber umsonst ich sann:
in den Wald lauf' ich,
dich zu verlassen, -
wie kommt das, kehr ich zurück?
Alle Tiere sind
mir teurer als du:
Baum und Vogel,
die Fische im Bach,
lieber mag ich sie
leiden als dich:
wie kommt das nun, kehr' ich zurück?
Bist du klug, so tu mir's kund.
SIEGFRIED

Much you've taught me, Mime,
and much I've learned from you;
but what you most sought to teach me
I never succeeded in learning:
how to tolerate you.
Though you bring me drink
and food,
loathing alone feeds me:
though you make me a soft
couch to sleep on,
slumber is hard to come by;
though you try to teach me
to use my wits
I'd rather stay deaf and dull.
As soon as I set eyes
on you,
I see that all you do
is evil:
when I watch you standing,
shuffling and shambling,
servilely stooping,
squinting and blinking
I long to seize you
by your nodding neck
and make an end
of your obscene blinking!
That's how I've learnt, Mime, to endure you.
If you're so wise,
then help me to know
something I've pondered in vain:
I run into the forest
to escape you;
how is it that I always return?
Every beast is
dearer to me than you:
the trees and birds,
the fish in the stream,
are more welcome
to me than you:
then how comes it that I return?
If you're clever, then tell me that.
MIME
(setzt sich in einiger Entfernung
ihm traulich gegenüber)


Mein Kind, das lehrt dich kennen,
wie lieb ich am Herzen dir lieg'.

Music
MIME



My child, that teaches you to know
how dear I am to your heart.
SIEGFRIED
(lachend)

Ich kann dich ja nicht leiden, -
vergiss das nicht so leicht!
SIEGFRIED


But I can't abide you,
don't forget that so easily!
MIME
(fährt zurück und setzt sich wieder
abseits, Siegfried gegenüber)


Des ist deine Wildheit schuld,
die du, Böser, bänd'gen sollst. -
Jammernd verlangen Junge
nach ihrer Alten Nest;
Liebe ist das Verlangen;
so lechzest du auch nach mir,
so liebst du auch deinen Mime, -
so musst du ihn lieben!
Was dem Vögelein ist der Vogel,
wenn er im Nest es nährt
eh' das flügge mag fliegen:
das ist dir kind'schem Spross
der kundig sorgende Mime,
das muss er dir sein!
MIME



That is your wildness that's to blame,
which you should curb and control.
The young yearn and pine
for their parents' nest:
this longing is called love:
thus you too long for me,
thus you too love your Mime
- you must love him!
What the bird is to the fledgling
when it feeds it in the nest
before the fledgling can fly:
such to you, my lad,
is sage, attentive Mime
- such he must be!
SIEGFRIED

Ei, Mime, bist du so witzig,
so lass mich eines noch wissen! -
Es sangen die Vöglein
so selig im Lenz,
das eine lockte das andre:
du sagtest selbst,
da ich's wissen wollt',
das wären Männchen und Weibchen.
Sie kosten so lieblich,
und liessen sich nicht;
sie bauten ein Nest
und brüteten drin:
da flatterte junges
Geflügel auf,
und beide pflegten der Brut. -
So ruhten im Busch
auch Rehe gepaart,
selbst wilde Füchse und Wölfe:
Nahrung brachte
zum Neste das Männchen,
das Weibchen säugte die Welpen.
Da lernt' ich wohl,
was Liebe sei:
der Mutter entwandt' ich
die Welpen nie. -
Wo hast du nun, Mime,
dein minniges Weibchen,
dass ich es Mutter nenne?













Music
SIEGFRIED

O Mime, if you're so wise
explain something else to me.
The birds sang
so happily in springtime,
each attracted the other;
you yourself said,
when I asked to know,
that they were husband and wife.
They dallied so lovingly
and never left each other:
they built a nest
and there hatched their brood:
the young fledglings
fluttered out
and both cherished their chicks.
Resting in the bushes,
roedeer also pained off,
and so did even wild foxes and wolves:
the father brought
food to the nest,
the mother suckled the whelps.
There I learned
what love was:
I never took
cubs from their mother's care.
Now where, Mime, have you
your loving wife,
that I may call her mother?
MIME
(ärgerlich)

Was ist dir, Tor?
Ach, bist du dumm!
Bist doch weder Vogel noch Fuchs?
MIME


What's wrong with you, fool?
Oh, you are stupid!
Are you a bird or a fox?
SIEGFRIED

Das zullende Kind
zogest du auf,
wärmtest mit Kleiden
den kleinen Wurm:
wie kam dir aber
der kindische Wurm?
Du machtest wohl gar
ohne Mutter mich?
SIEGFRIED

The puling babe
you brought up,
gave the little mite
warm clothes;
but how came
the tot to you?
Did you really
make me without a mother?
MIME
(in grosser Verlegenheit)

Glauben sollst du,
was ich dir sage:
ich bin dir Vater
und Mutter zugleich.
MIME


You must belive
what I tell you:
I am both your father
and your mother.
SIEGFRIED

Das lügst du, garstiger Gauch! -
Wie die Jungen den Alten gleichen,
das hab' ich mir glücklich ersehn.
Nun kam ich zum klaren Bach:
da erspäht' ich die Bäum'
und Tier' im Spiegel;
Sonn' und Wolken,
wie sie nur sind,
im Glitzer erschienen sie gleich.
Da sah ich denn auch
mein eigen Bild;
ganz anders als du
dünkt' ich mir da:
so glich wohl der Kröte
ein glänzender Fisch;
doch kroch nie ein Fisch aus der Kröte!
SIEGFRIED

You lie, you loathsome loon!
That the young look like their parents
I've luckily seen for myself.
When I came to the clear brook
I saw the trees
and beasts mirrored there;
sun and clouds,
just as they are,
appeared reflected in the sparkling stream.
There too I saw
my own picture:
quite unlike you
I seemed to be;
as like as a toad
and glittering fish;
but a sish never had a toad for father!
MIME
(höchst ärgerlich)

Gräulichen Unsinn
kramst du da aus!
MIME


You're prating
utter rubbish!
SIEGFRIED
(immer lebendiger)

Siehst du, nun fällt
auch selbst mir ein,
was zuvor umsonst ich besann:
wenn zum Wald ich laufe,
dich zu verlassen,
wie das kommt, kehr' ich doch heim?

(er springt auf)

Von dir erst muss ich erfahren,
wer Vater und Mutter mir sei!
SIEGFRIED


Look, now of my own accord
it becomes clear to me
what I've long pondered in vain:
when I run into the forest
to escape you
how is it that I return?



From you I must first discover
who are my father and mother?
MIME
(weicht ihm aus)

Was Vater! Was Mutter!
Müssige Frage!
MIME


What father? What mother?
Idle question!
SIEGFRIED
(packt ihn bei der Kehle)

So muss ich dich fassen,
um was zu wissen:
gutwillig
erfahr' ich doch nichts!
So musst' ich alles
ab dir trotzen:
kaum das Reden
hätt' ich erraten,
entwandt ich's mit Gewalt
nicht dem Schuft!
Heraus damit,
räudiger Kerl!
Wer ist mir Vater und Mutter?
SIEGFRIED


Then I must seize you like this
to find out anything:
by gentleness
I learn nothing!
I've had to force
everything from you:
I'd scarcely have learnt
even speech
had I not wrung it,
rouge, from you by force!
Out with it,
you shabby scoundrel!
Who are my father and mother?
MIME
(nachdem er mit dem Kopfe genickt
und mit den Händen gewinkt, ist von
Siegfried losgelassen worden)


Ans Leben gehst du mir schier!
Nun lass! Was zu wissen dich geizt,
erfahr' es, ganz wie ich's weiss. -
O undankbares,
arges Kind!
Jetzt hör', wofür du mich hassest!
Nicht bin ich Vater
noch Vetter dir,
und dennoch verdankst du mir dich!
Ganz fremd bist du mir,
dem einzigen Freund;
aus Erbarmen allein
barg ich dich hier:
nun hab' ich lieblichen Lohn!
Was verhofft' ich Thor mir auch Dank?

Einst lag wimmernd ein Weib
da draussen im wilden Wald:
zur Höhle half ich ihr her,
am warmen Herd sie zu hüten.
Ein Kind trug sie im Schosse;
traurig gebar sie's hier;
sie wand sich hin und her,
ich half, so gut ich konnt'.
Gross war die Not! Sie starb, -
doch Siegfried, der genas.




















Music
MIME




You've almost killed me!
Let go! Then learn what
you're anxious to know, as I know it.
O ungrateful,
cruel boy!
Now hear why you hate me!
I am neither your father
nor of your family,
and yet to me you owe everything!
You are a stranger to me,
your only friend;
out of compassion alone
I sheltered you here:
a rich reward I reap!
Fool that I was to hope for thanks!

One day a woman lay whimpering
out there in the wild woods:
I helped her here into the cave
to tend her by my warm fire.
In her womb she carried a child;
wretchedly she here gave it birth;
back and forth she writhed,
I helped as best I could.
Great was her distress. She died,
but Siegfried, he survived.
SIEGFRIED

So starb meine Mutter an mir?
SIEGFRIED

Then my mother died of me?
MIME

Meinem Schutz übergab sie dich:

(Siegfried steht sinnend)

ich schenkt' ihn gern dem Kind.
Was hat sich Mime gemüht,
was gab sich der Gute für Not!
"Als zullendes Kind
zog ich dich auf..."
MIME

She gave you into my keeping;



gladly I cared for the child.
What trouble Mime took,
what kindness and consideration he showed!
"As a puling babe
I brought you up."
SIEGFRIED

Mich dünkt, des gedachtest du schon!
Jetzt sag': woher heiss' ich Siegfried?
SIEGFRIED

I fancy you've said that before!
Now say: why am I called Siegfried?
MIME

So hiess mich die Mutter,
möcht' ich dich heissen:
als "Siegfried" würdest
du stark und schön.
"Ich wärmte mit Kleiden
den kleinen Wurm...."
MIME

Your mother commanded me
so to call you:
as Siegfried you would be
strong and handsome.
"I gave the little mite
warm clothes."
SIEGFRIED

Nun melde, wie hiess meine Mutter?
SIEGFRIED

Now tell me, what was my mother's name?
MIME

Das weiss ich wahrlich kaum!
"Speise und Trank
trug ich dir zu...."
MIME

Truly, I scarcely know.
"I brought you
food and drink."
SIEGFRIED

Den Namen sollst du mir nennen!
SIEGFRIED

Her name! You shall tell me!
MIME

Entfiel er mir wohl? Doch halt!
Sieglinde mochte sie heissen,
die dich in Sorge mir gab. -
"Ich hütete dich
wie die eigne Haut...."
MIME

Could it have slipped my mind? No, wait!
May have been called Sieglinde,
she who in grief gave you to me.
"I cherished you
like my own flesh."
SIEGFRIED
(immer dringender)

Dann frag' ich, wie hiess mein Vater?
SIEGFRIED


Now I ask, what was my father called?
MIME
(barsch)

Den hab' ich nie gesehn.
MIME


I never saw him.
SIEGFRIED

Doch die Mutter nannte den Namen?
SIEGFRIED

But my mother mentioned his name?
MIME

Erschlagen sei er,
das sagte sie nur;
dich Vaterlosen
befahl sie mir da: -
"und wie du erwuchsest,
wartet' ich dein;
dein Lager schuf ich,
dass leicht du schliefst...."
MIME

She said only
that he was killed;
to my care she entrusted
her fatherless child.
"And as you grew
I guarded you well;
I made you a couch
on which to sleep soft."
SIEGFRIED

Still mit dem alten
Starenlied! -
Soll ich der Kunde glauben,
hast du mir nichts gelogen,
so lass mich Zeichen sehn!
SIEGFRIED

Stop that endless
squawking!
If I must belive this story,
if you've not been lying to me,
then let me see some proof.
MIME

Was soll dir's noch bezeugen?
MIME

What would convince you?
SIEGFRIED

Dir glaub' ich nicht mit dem Ohr',
dir glaub' ich nur mit dem Aug':
welch Zeichen zeugt für dich?
SIEGFRIED

My ears do not belive you.
I'll credit only the evidence of my eyes:
what proof supports your story?
MIME
(holt nach einigem Besinnen
die zwei Stücke eines zerschlagenen
Schwerts herbei)


Das gab mir deine Mutter:
für Mühe, Kost und Pflege
liess sie's als schwachen Lohn.
Sieh' her, ein zerbrochnes Schwert!
Dein Vater, sagte sie, führt' es,
als im letzten Kampf er erlag.
MIME




Your mother gave me this:
for my pains, feeding and attention
she left this as paltry payment.
Look here, a shattered sword!
She said your father carried it
when he fell in his last fight.
SIEGFRIED
(begeistert)

Und diese Stücke
sollst du mir schmieden:
dann schwing' ich ein rechtes Schwert!
Auf! Eile dich, Mime!
Mühe dich rasch;
kannst du was Rechts,
nun zeig' deine Kunst!
Täusche mich nicht
mit schlechtem Tand:
den Trümmern allein
trau' ich was zu!
Find' ich dich faul,
fügst du sie schlecht,
flickst du mit Flausen
den festen Stahl, -
dir Feigem fahr' ich zu Leib',
das Fegen lernst du von mir!
Denn heute noch, schwör' ich,
will ich das Schwert;
die Waffe gewinn' ich noch heut'!

Music
SIEGFRIED


And these fragments
you must forge for me:
then my rightful sword I'll brandish!
Get up! Quickly, Mime!
Get on with it!
If you can do anything properly,
now show your skill!
Don't trick me
with trashy toys;
only in these fragments
have I any faith!
If I find you flagging,
if you join them badly,
if the stout steel
you patch poorly,
I'll have your cowardly hide,
I'll teach you what a drubbing is!
For this very day, I swear,
I must have that sword;
the weapon I want today!
MIME
(erschrocken)

Was willst du noch heut' mit dem Schwert?
MIME


What do you want with the sword today?
SIEGFRIED

Aus dem Wald fort
in die Welt ziehn:
nimmer kehr' ich zurück!
Wie ich froh bin,
dass ich frei ward,
nichts mich bindet und zwingt!
Mein Vater bist du nicht;
in der Ferne bin ich heim;
dein Herd ist nicht mein Haus,
meine Decke nicht dein Dach.
Wie der Fisch froh
in der Flut schwimmt,
wie der Fink frei
sich davon schwingt:
flieg' ich von hier,
flute davon,
wie der Wind übern Wald
weh' ich dahin, -
dich, Mime, nie wieder zu sehn!

(Er stürmt in den Wald fort)


Music
SIEGFRIED

To go forth from the forest
into the world,
nevermore to return!
How glad I am
to be free,
nothing compels or constrains me!
You are not my father;
far away I shall be at home;
your hearth is not my house,
my shelter not your roof.
Happy as the fish
swimming in the floodtide,
free as the finch
flying off,
I flee from here,
flowing forth,
wending my way
like the wind over the woods,
nevermore, Mime to see you again!


MIME
(in höchster Angst)

Halte! Halte! Wohin?

(Er ruft mit der grössten
Anstrengung in den Wald)


He! Siegfried!
Siegfried! He!

(Er sieht dem Fortstürmenden
eine Weile staunend nach; dann
kehrt er in die Schmiede zurück
und setzt sich hinter den Amboss)


Da stürmt er hin! -
Nun sitz' ich da: -
zur alten Not
hab' ich die neue;
vernagelt bin ich nun ganz! -
Wie helf' ich mir jetzt?
Wie halt' ich ihn fest?
Wie führ' ich den Huien
zu Fafners Nest?
Wie füg' ich die Stücken
des tückischen Stahls?
Keines Ofens Glut
glüht mir die echten;
keines Zwergen Hammer
zwingt mir die harten.
Des Niblungen Neid,
Not und Schweiss
nietet mir Notung nicht,
schweisst mir das Schwert nicht zu ganz! -


































Music
MIME


Stop, stop! Where are you going?




Hey, Siegfried!
Siegfried, hey!






Away he storms!
And I sit here:
to my old troubles
is added a new one:
now I am at my wits' end.
How can I help myself now?
How can I hold him here?
How shall I lead this hothead
to Fafner's lair?
How shall I join the splinters
of this stubborn steel?
No furnace's fire
can fuse these pure pieces;
no dwarf's hammer
can subdue their hardness.
Niblung hatred,
trouble and toil
will not knit Notung together for me,
nor weld the sword into a whole!
(Mime knickt verzweifelnd auf dem Schemel hinter dem Amboss zusammen)