

| ZWEITER AUFZUG | ACT TWO | |
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VORSPIEL UND ERSTE SZENE Tiefer Wald. Ganz im Hintergrunde die Öffnung einer Höhle. Der Boden hebt sich bis zur Mitte der Bühne, wo er eine kleine Hochebene bildet; von da senkt er sich nach hinten, der Höhle zu, wieder abwärts, so dass von dieser nur der obere Teil der Öffnung dem Zuschauer sichtbar ist. Links gewahrt man durch Waldbäume eine zerklüftete Felsenwand. - Finstere Nacht, am dichtesten über dem Hintergrunde, wo anfänglich der Blick des Zuschauers gar nichts zu unterscheiden vermag. |
Music Music |
PRELUDE AND SCENE ONE |
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ALBERICH (an der Felsenwand zur Seite gelagert, düster brütend) In Wald und Nacht vor Neidhöhl' halt' ich Wacht: es lauscht mein Ohr, mühvoll lugt mein Aug'. - Banger Tag, bebst du schon auf? Dämmerst du dort durch das Dunkel her? (Aus dem Walde von rechts her erhebt sich ein Sturmwind; ein bläulicher Glanz leuchtet von ebendaher) Welcher Glanz glitzert dort auf? Näher schimmert ein heller Schein; - es rennt wie ein leuchtendes Ross, bricht durch den Wald brausend daher. - Naht schon des Wurmes Würger? Ist's schon, der Fafner fällt? (Der Sturmwind legt sich wieder; der Glanz verlischt) Das Licht erlischt, - der Glanz barg sich dem Blick: Nacht ist's wieder. (Der Wanderer tritt aus dem Wald und hält Alberich gegenüber an) Wer naht dort schimmernd im Schatten? |
ALBERICH In the forest at night I keep watch over Neidhöhle: I strain my ears, my eyes peer hard. Timid day, are you stirring alredy? Are you dawning there through the dark? What gleam of light is that? Nearer glows a bright ray, racing along like a shining horse breaking wildly through the wood. Is the dragon's destroyer at hand? Is it he who is to slay Fafner? The light fades, the glow disappears from sight: night has returned. Who comes there, shining in the shadows? |
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DER WANDERER Zur Neidhöhle fuhr ich bei Nacht: - wen gewahr' ich im Dunkel dort? |
THE WANDERER To Neidhöhle I have come by night: whom do I descry there in the darkness? |
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| (Wie aus einem plötzlich zerreissenden Gewölk bricht Mondschein herein und beleuchtet des Wanderers Gestalt) | ||
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ALBERICH (erkennt den Wanderer, fährt erschrocken zurück, bricht aber sogleich in höchste Wut aus) Du selbst lässt dich hier sehn? Was willst du hier? Fort, aus dem Weg! Von dannen, schamloser Dieb! |
ALBERICH You dare to show yourself here? What do you want? Begone, out of my path, be off, you shameless thief! |
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WANDERER (ruhig) Schwarz-Alberich, schweifst du hier? Hütest du Fafners Haus? |
WANDERER Black Alberich, are you lurking here? Are you guarding Fafner's lair? |
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ALBERICH Jagst du auf neue Neidtat umher? Weile nicht hier, weiche von hinnen! Genug des Truges tränkte die Stätte mit Not. Drum, du Frecher, lass sie jetzt frei! |
ALBERICH Are you searching around for more mischief? Do not loiter here, be on your way! Enough fraud has soaked our soil in distress. So, shameless one, leave us now in peace! |
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WANDERER Zu schauen kam ich, nicht zu schaffen: wer wehrte mir Wand'rers Fahrt? |
WANDERER I came to watch, not to act: who would bar the Wanderer's path? |
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ALBERICH (lacht tückisch auf) Du Rat wütender Ränke! Wär' ich dir zulieb doch noch dumm wie damals, als du mich Blöden bandest, wie leicht geriet' es, den Ring mir nochmals zu rauben! Hab' acht! Deine Kunst kenne ich wohl; doch wo du schwach bist, blieb mir auch nicht verschwiegen. Mit meinen Schätzen zahltest du Schulden; mein Ring lohnte der Riesen Müh', die deine Burg dir gebaut. Was mit den Trotzigen einst du vertragen, des Runen wahrt noch heut' deines Speeres herrischer Schaft. Nicht du darfst, was als Zoll du gezahlt, den Riesen wieder entreissen: du selbst zerspelltest deines Speeres Schaft; in deiner Hand der herrische Stab, der starke, zerstiebte wie Spreu! |
ALBERICH You who suggest shifty schemes! Were I to oblige you by being as stupid as when you caught me, credulous as I was, how easy it would prove to rob me of the ring again! Beware! Well I know your wiles; but where you are weak, of that too I am well aware. With my treasure you paid your debts; my ring recompensed the giants for their toil in building you your castle. What once you promised the obstinate pair still remains today inscribed on the mighty shaft of your spear. You dare not snatch back from the giants what you paid them as quittance: you yourself would shatter your spear's shaft: in your hands the masterful staff, so stout, would crumble to dust! |
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WANDERER Durch Vertrages Treuerunen band er dich Bösen mir nicht: dich beugt' er mir durch seine Kraft; zum Krieg drum wahr' ich ihn wohl! |
WANDERER No written treaty of trust bound you, villain, to me: my spear subjugated you by its power; I ward it well, then, for war. |
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ALBERICH Wie stolz du dräust in trotziger Stärke, und wie dir's im Busen doch bangt! - Verfallen dem Tod durch meinen Fluch ist des Hortes Hüter: - wer wird ihn beerben? Wird der neidliche Hort dem Niblungen wieder gehören? Das sehrt dich mit ew'ger Sorge! Denn fass' ich ihn wieder einst in der Faust, anders als dumme Riesen üb' ich des Ringes Kraft: - dann zittre der Helden heiliger Hüter! Walhalls Höhen stürm' ich mit Hellas Heer: der Welt walte dann ich! |
ALBERICH How boldly you threaten in your stubborn strenght, yet how fearful you are at heart! Doomed to death through my curse is he who guards the treasure: who shall inherit it? Will the envied treasure again belong to the Niblungs? That consumes you with endless concern! For if I once get it again in my gasp, unlike the stupid giants I will use the power of the ring: then tremble, holy guardian of heroes! I will storm Valhalla's heights with Hella's hosts: then I shall rule the world! |
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WANDERER (ruhig) Deinen Sinn kenn' ich wohl; doch sorgt er mich nicht. Des Ringes waltet, wer ihn gewinnt. |
WANDERER Your intent I know full well: it does not trouble me. Let him who wins the ring be its master. |
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ALBERICH Wie dunkel sprichst du, was ich deutlich doch weiss! An Heldensöhne hält sich dein Trotz, (höhnisch) die traut deinem Blute entblüht. Pflegtest du wohl eines Knaben, der klug die Frucht dir pflücke, (immer heftiger) die du nicht brechen darfst? |
ALBERICH How darkly you speak of what I clearly know! Your defiance depends on heroes' sons dearly descended from your own blood. Have you not reared a boy who will skilfully pluck you the fruit that you do not dare to touch? |
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WANDERER Mit mir nicht, hadre mit Mime: dein Bruder bringt dir Gefahr; einen Knaben führt er daher, der Fafner ihm fällen soll. Nichts weiss der von mir; der Niblung nützt ihn für sich. Drum sag' ich dir, Gesell: tue frei, wie dir's frommt! (Alberich macht eine Gebärde heftiger Neugierde) Höre mich wohl, sei auf der Hut! Nicht kennt der Knabe den Ring; doch Mime kundet' ihn aus. |
WANDERER Quarrel with Mime, not with me: your brother brings you danger; he is leading here a lad who must kill Fafner for him. He knows nothing of me; the Niblung is using him for his own ends. So I say to you, my friend, do exactly as it suits you! Heed my words: be on your guard! The boy knows nothing of the ring, but Mime will tell him. |
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ALBERICH (heftig) Deine Hand hieltest du vom Hort? |
ALBERICH Will you keep your hands off the hoard? |
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WANDERER Wen ich liebe, lass' ich für sich gewähren; er steh' oder fall', sein Herr ist er: Helden nur können mir frommen. |
Music |
WANDERER Whom I love I leave to fend for himself; he stands or falls, but is his own master: I avail myself only of heroes. |
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ALBERICH Mit Mime räng' ich allein um den Ring? |
ALBERICH Am I contending with Mime alone for the ring? |
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WANDERER Ausser dir begehrt er einzig das Gold. |
WANDERER Besides you, only he covets the gold. |
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ALBERICH Und dennoch gewänn' ich ihn nicht? |
ALBERICH And yet I shall not gain it? |
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WANDERER (ruhig nähertretend) Ein Helde naht, den Hort zu befrei'n; zwei Niblungen geizen das Gold; Fafner fällt, der den Ring bewacht: - wer ihn rafft, hat ihn gewonnen. - Willst du noch mehr? Dort liegt der Wurm: (er wendet sich nach der Höhle) warnst du ihn vor dem Tod, willig wohl liess' er den Tand. - Ich selber weck' ihn dir auf. (Er stellt sich auf die Anhöhe vor der Höhle und ruft hinein) Fafner! Fafner! Erwache, Wurm! |
WANDERER A hero is approaching to rescue the treasure; two Niblungs crave for the gold; Fafner, who guards the ring, falls: he who seizes it has won it. Would you know more? There lies the dragon. If you warn him of death perhaps he'll be willing to give up his toy. I myself will wake him for you. Fafner, Fafner, dragon, waken! |
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ALBERICH (in gespanntem Erstaunen, für sich) Was beginnt der Wilde? Gönnt er mir's wirklich? |
ALBERICH What is the madman about? Would he really let me have it? |
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| (Aus der finstern Tiefe des Hintergrundes hört man Fafners Stimme durch ein starkes Sprachrohr) | ||
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FAFNER Wer stört mir den Schlaf? |
FAFNER Who disturbs me from my sleep? |
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WANDERER (der Höhle zugewandt) Gekommen ist einer, Not dir zu künden: er lohnt dir's mit dem Leben, lohnst du das Leben ihm mit dem Horte, den du hütest? (Er beugt sein Ohr lauschend der Höhle zu) |
WANDERER Someone has come to warn you of danger: he will reward you with your life if for your life you will repay him with the treasure that you guard. |
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FAFNERS STIMME Was will er? |
FAFNER'S VOICE What does he want? |
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ALBERICH (ist dem Wanderer zur Seite getreten und ruft in die Höhle) Wache, Fafner! Wache, du Wurm! Ein starker Helde naht, dich heil'gen will er bestehn. |
ALBERICH Waken, Fafner! Waken, dragon! A mighty hero is approaching to pit himself against your power. |
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FAFNERS STIMME Mich hungert sein. |
FAFNER'S VOICE I'm hungry for him. |
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WANDERER Kühn ist des Kindes Kraft, scharf schneidet sein Schwert. |
WANDERER Bold is the boy's strength, and sharply cuts his sword. |
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ALBERICH Den goldnen Reif geizt er allein: lass mir den Ring zum Lohn, so wend' ich den Streit; du wahrest den Hort, und ruhig lebst du lang'! |
ALBERICH He hankers for the golden ring alone: give me the ring as reward, and I will prevent the fight; you can watch over your hoard and live long in peace. |
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FAFNERS STIMME Ich lieg' und besitz': - (gähnend) lasst mich schlafen! |
FAFNER'S VOICE Here I lie and here I hold; let me sleep! |
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WANDERER (lacht auf und wendet sich dann wieder zu Alberich) Nun, Alberich, das schlug fehl. Doch schilt mich nicht mehr Schelm! Dies eine, rat' ich, achte noch wohl: (vertraulich zum ihm tretend) Alles ist nach seiner Art: an ihr wirst du nichts ändern. - Ich lass' dir die Stätte, stelle dich fest! Versuch's mit Mime, dem Bruder: der Art ja versiehst du dich besser. (zum Abgange gewendet) Was anders ist, - das lerne nun auch! |
WANDERER Well, Alberich, that went astray. But call me a rogue no more. Pay heed to this one counsel I give you! Everything goes its own way: you can alter nothing. This spot I cede you: take a strong stand. Contend with your brother Mime; you may fare better with his kind. More than that you will soon learn too! |
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| (Er verschwindet im Walde. Sturmwind erhebt sich, heller Glanz bricht aus; dann vergeht beides schnell) | ||
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ALBERICH (blickt dem davonjagenden Wanderer nach) Da reitet er hin, auf lichtem Ross; mich lässt er in Sorg' und Spott. Doch lacht nur zu, ihr leichtsinniges, lustgieriges Göttergelichter! Euch seh' ich noch alle vergehn! Solang' das Gold am Lichte glänzt, hält ein Wissender Wacht: - Trügen wird euch sein Trotz! |
ALBERICH Away he rides on his nimble steed, leaving me to care and scorn. Well, laugh then, you frivolous, pleasure-seeking crew of gods! I shall yet see you all overthrown. So long as the gold gleams in the light, a knowing one keeps watch. His tenacity will outwit you. |
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| (Er schlüpft zur Seite in das Geklüft. Die Bühne bleibt leer. Morgendämmerung) |