RichardWagner
Libretti
Siegfried

(ZWEITER AUFZUG) (ACT TWO)
ZWEITE SZENE

(Bei anbrechendem Tage treten Mime und Siegfried auf. Siegfried trägt das Schwert in einem Gehenke von Bastseil. Mime erspäht genau die Stätte; er forscht endlich dem Hintergrunde zu, welcher - während die Anhöhe im mittleren Vordergrunde später immer heller von der Sonne beleuchtet wird - in finstrem Schatten bleibt; dann bedeutet er Siegfried)
SCENE TWO
MIME

Wir sind zur Stelle!
Bleib hier stehn!
MIME

We've reached the spot:
let us stop here!
SIEGFRIED
(setzt sich unter einer grossen
Linde nieder und schaut sich um)


Hier soll ich das Fürchten lernen?
Fern hast du mich geleitet:
eine volle Nacht im Walde
selbander wanderten wir.
Nun sollst du, Mime,
mich meiden!
Lern' ich hier nicht,
was ich lernen muss,
allein zieh' ich dann weiter:
dich endlich werd' ich da los!
SIEGFRIED



Is it here I shall learn fear?
You have led me far:
a whole night through
we two have wandered in the woods.
Now, Mime, you
must leave me to myself!
If I do not learn here
what I must learn,
then I'll go on further alone:
at last I shall be free of you!
MIME
(setzt sich ihm gegenüber,
so dass er die Höhle immer
noch im Auge behält)


Glaube, Liebster!
Lernst du heut' und hier
das Fürchten nicht,
an andrem Ort,
zu andrer Zeit
schwerlich erfährst du's je. -
Siehst du dort
den dunklen Höhlenschlund?
Darin wohnt
ein greulich wilder Wurm:
unmassen grimmig
ist er und gross;
ein schrecklicher Rachen
reisst sich ihm auf;
mit Haut und Haar
auf einen Happ
verschlingt der Schlimme dich wohl.
MIME




Belive me, dear boy!
If here today
you do not learn fear,
you will scarcely find it
elsewhere
at another time.
Do you see
that dark cavern-mouth there?
In it dwells
a dreadful, savage dragon:
he is enormously
fierce and huge;
a hideous maw
gapes open:
the brute may well gobble you up
at one gulp,
hair and hide.
SIEGFRIED
(immer unter der Linde sitzend)

Gut ist's, den Schlund ihm zu schliessen:
drum biet' ich mich nicht dem Gebiss.
SIEGFRIED


It would be good to close his gullet for him:
then I won't get bitten.
MIME

Giftig giesst sich
ein Geifer ihm aus:
wen mit des Speichels
Schweiss er bespeit,
dem schwinden wohl Fleisch und Gebein.
MIME

A poisonous slaver
pours from it:
if you are spattered
with his spittle's secretion
your flesh and bones will waste away.
SIEGFRIED

Dass des Geifers Gift mich nicht sehre,
weich' ich zur Seite dem Wurm.
SIEGFRIED

So that his venomous saliva shan't harm me,
I'll keep to the side of the dragon.
MIME

Ein Schlangenschweif
schlägt sich ihm auf:
wen er damit umschlingt
und fest umschliesst,
dem brechen die Glieder wie Glas!
MIME

A serpent's tail
he twists about him:
if he coils it across you
and grips you tight,
your bones will break like glass.
SIEGFRIED

Vor des Schweifes Schwang mich zu wahren,
halt' ich den Argen im Aug'. -
Doch heisse mich das:
hat der Wurm ein Herz?
SIEGFRIED

To protect myself from his swishing tail
I'll keep my eyes on the brute.
But tell me this:
has the dragon a heart?
MIME

Ein grimmiges, hartes Herz!
MIME

A ferocious, cruel heart.
SIEGFRIED

Das sitzt ihm doch,
wo es jedem schlägt,
trag' es Mann oder Tier?
SIEGFRIED

Does he wear it
where it beats in everyone
that has one, man or beast?
MIME

Gewiss, Knabe,
da führt's auch der Wurm.
Jetzt kommt dir das Fürchten wohl an?
MIME

Certainly, boy,
the dragon's lies there too.
Now is fear coming upon you?
SIEGFRIED
(bisher nachlässig ausgestreckt,
erhebt sich rasch zum Sitz)


Notung stoss' ich
dem Stolzen ins Herz!
Soll das etwa Fürchten heissen?
He, du Alter!
Ist das alles,
was deine List
mich lehren kann?
Fahr' deines Wegs dann weiter;
das Fürchten lern' ich hier nicht.
SIEGFRIED



I'll thrust Notung
into his haughty heart!
Is that what's called fear?
Hey, you dotard,
is that all
your cunning
can teach me?
Then be on your way:
here I shan't learn fear.
MIME

Wart' es nur ab!
Was ich dir sage,
dünke dich tauber Schall:
ihn selber musst du
hören und sehn,
die Sinne vergehn dir dann schon!
Wenn dein Blick verschwimmt,
der Boden dir schwankt,
im Busen bang
dein Herz erbebt:

(sehr freundlich)

dann dankst du mir, der dich führte,
gedenkst, wie Mime dich liebt.
MIME

Wait awhile!
You deem what I say
empty words:
you must hear and see
the dragon itself,
then your senses will reel!
When your sight blurs,
the earth sways under you
and your heart quakes
with fear in your breast,



then you'll thank me for bringing you
and remember how Mime loves you.
SIEGFRIED

Du sollst mich nicht lieben!
Sagt' ich dir's nicht?
Fort aus den Augen mir!
Lass mich allein:
sonst halt' ich's hier länger nicht aus,
fängst du von Liebe gar an!
Das eklige Nicken
und Augenzwicken,
wann endlich soll ich's
nicht mehr sehn,
wann werd' ich den Albernen los?
SIEGFRIED

You're not to love me,
didn't I say so?
Out of my sight!
Leave me alone,
or I'll endure it here no longer
if you start again about love!
That nauseating nodding
and blinking of your eyes,
when at last
shall I see them no more,
when shall I be free of this dolt?
MIME

Ich lass' dich schon.
Am Quell dort lagr' ich mich;
steh' du nur hier;
steigt dann die Sonne zur Höh',
merk' auf den Wurm:
aus der Höhle wälzt er sich her,
hier vorbei
biegt er dann,
am Brunnen sich zu tränken.
MIME

I'll leave you now.
I'll lie down by the spring there;
you simply stay here:
when the sun is high,
look out for the dragon:
it will crawl from its cave,
then turn
by here
to drink at the stream.
SIEGFRIED
(lachend)

Mime, weilst du am Quell,
dahin lass' ich den Wurm wohl gehn:
Notung stoss' ich
ihm erst in die Nieren,
wenn er dich selbst dort
mit weggesoffen.
Darum, hör' meinen Rat,
raste nicht dort am Quell;
kehre dich weg,
so weit du kannst,
und komm' nie mehr zu mir!
SIEGFRIED


Mime, if you wait at the spring,
I'll certainly let the dragon go there:
I'll thrust Notung
into his guts
only after he's gulped
you down too.
So take my advice
and don't rest by the spring:
take yourself off
as far as you can
and never come near me again!
MIME

Nach freislichem Streit
dich zu erfrischen,
wirst du mir wohl nicht wehren?

(Siegfried wehrt ihn hastig ab)

Rufe mich auch,
darbst du des Rates, -

(Siegfried wiederholt die
Gebärde mit Ungestüm)


oder wenn dir das Fürchten gefällt.
MIME

After the ferocious fight
you would surely not forbid me
to bring you refreshment?



And call for me too
if you need advice




or if fear befalls you.
(Siegfried erhebt sich und treibt Mime mit wütender Gebärde zum Fortgehen)  
MIME
(im Abgehen für sich)

Fafner und Siegfried -
Siegfried und Fafner -
O brächten beide sich um!

(Er verschwindet rechts im Wald)
MIME


Fafner and Siegfried,
Siegfried and Fafner,
oh if they'd only kill each other!


SIEGFRIED
(streckt sich behaglich unter
der Linde aus und blickt dem
davongehenden Mime nach)


Dass der mein Vater nicht ist,
wie fühl' ich mich drob so froh!
Nun erst gefällt mir
der frische Wald;
nun erst lacht mir
der lustige Tag,
da der Garstige von mir schied
und ich gar nicht ihn wiederseh'!

(Er verfällt in schweigendes Sinnen)

Wie sah mein Vater wohl aus? -
Ha, gewiss wie ich selbst!
Denn wär' wo von Mime ein Sohn,
müsst' er nicht ganz
Mime gleichen?
Grade so garstig,
griesig und grau,
klein und krumm,
höckrig und kinkend,
mit hängenden Ohren,
triefigen Augen
fort mit dem Alp!
Ich mag ihn nicht mehr seh'n.

(Er lehnt sich tiefer zurück und
blickt durch die Baumwipfel auf.
Tiefe Stille. Waldweben)


Aber - wie sah
meine Mutter wohl aus?
Das kann ich
nun gar nicht mir denken! -
Der Rehhindin gleich
glänzten gewiss
ihr hell schimmernde Augen,
nur noch viel schöner! -
Da bang sie mich geboren,
warum aber starb sie da?
Sterben die Menschenmütter
an ihren Söhnen
alle dahin? -
Traurig wäre das, traun!
Ach, möcht' ich Sohn
meine Mutter sehen! -
Meine Mutter -
ein Menschenweib!

(Er seufzt leise und streckt
sich tiefer zurück. Grosse Stille. -
Wachsendes Waldweben. Siegfrieds
Aufmerksamkeit wird endlich durch
den Gesang der Waldvögel gefesselt.
Er lauscht mit wachsender Teilnahme
einem Waldvogel in den Zweigen
über ihm)


Du holdes Vöglein!
Dich hört' ich noch nie:
bist du im Wald hier daheim? -
Verstünd' ich sein süsses Stammeln!
Gewiss sagt' es mir was, -
vielleicht von der lieben Mutter?
Ein zankender Zwerg
hat mir erzählt,
der Vöglein Stammeln
gut zu verstehn,
dazu könnte man kommen.
Wie das wohl möglich wär'? -

(Er sinnt nach. Sein Blick fällt
auf ein Rohrgebüsch unweit
der Linde)


Hei! Ich versuch's;
sing' ihm nach:
auf dem Rohr tön' ich ihm ähnlich!
Entrat' ich der Worte,
achte der Weise,
sing' ich so seine Sprache,
versteh' ich wohl auch, was es spricht.

(Er eilt an den nahen Quell, schneidet
mit dem Schwerte ein Rohr ab und
schnitzt sich hastig eine Pfeife daraus.
Währenddem lauscht er wieder)


Es schweigt und lauscht: -
so schwatz' ich denn los!

(Er bläst auf dem Rohr. Er setzt ab,
schnitzt wieder und bessert. Er bläst
wieder. Er schüttelt mit dem Kopfe und
bessert wieder. Er wird ärgerlich, drückt
das Rohr mit der Hand und versucht
wieder. Er setzt lächelnd ganz ab)


Das tönt nicht recht;
auf dem Rohre taugt
die wonnige Weise mir nicht. -
Vöglein, mich dünkt,
ich bleibe dumm:
von dir lernt sich's nicht leicht! -

(Er hört den Vogel wieder
und blickt zu ihm auf)


Nun schäm' ich mich gar
vor dem schelmischen Lauscher:
er lugt und kann nichts erlauschen. -
Heida! So höre
nun auf mein Horn.

(Er schwingt das Rohr
und wirft es weit fort)


Auf dem dummen Rohre
gerät mir nichts. -
Einer Waldweise,
wie ich sie kann,
der lustigen sollst du nun lauschen.
Nach liebem Gesellen
lockt' ich mit ihr:
nichts Bessres kam noch
als Wolf und Bär.
Nun lass mich sehn,
wen jetzt sie mir lockt:
ob das mir ein lieber Gesell?

Music





















































Music
Music
Music
Music






























Music
SIEGFRIED




He's not my father,
how glad I am of that!
Now at last I can enjoy
the cool woods;
at last cheerful daylight
smiles on me,
now that the loathsome dwarf has left me
and I need never see him again!



What did my father look like?
Ha! Like me, of course!
For if Mime had a son
wouldn't he be
the image of Mime?
Exactly as ugly,
grizzled and grey,
stunted and misshapen,
hunchbacked and hobbling,
with drooping ears
and bleary eyes -
away with the goblin!
I never want to see him again.





But what did my mother
lool like?
I can't imagine
that at all.
Like the roedeer's
surely shone
her soft lustrous eyes,
but far more lovely!
When she bore me in sorrow
why then did she die?
Do all
men's mothers
die of their sons?
That would be sad indeed!
Ah, if I her son
could see my mother,
my mother,
a mortal woman!










You pretty bird!
I never heard you before:
do you live in this forest?
If I understood its sweet song
it would surely be saying something to me,
perhaps about my dear mother?
A testy dwarf
told me
that one could come
fully to follow
bird talk.
How could that be possible?





Ha! I'll try
and echo it:
on a pipe I'll imitate its song!
If I miss its words
but attend to its tune
I'll be singing its language
and surely understand what it says.






It stops and listens:
then I'll tootle away!








That doesn't sound right;
the sweet song
doesn't go on my pipe.
Little bird,
I think I'm too stupid:
it's not easy to learn from you!




Now I'm quite shamed
before that rascal listening there:
it looks at me and can hear nothing.
Hey there! Well, now listen
to my horn.




On that silly reed
I could do nothing.
You shall hear now
a woodland tune
which I can play, a cheerful one.
With it I called
for a good comrade:
nothing better has yet come
than wolf and bear.
Now let me see
what it will bring me;
perhaps a dear companion?
(Er nimmt das silberne Hifthorn und bläst darauf. Im Hintergrunde regt es sich. - Fafner, in der Gestalt eines ungeheuren eidechsenartigen Schlangenwurmes, hat sich in der Höhle von seinem Lager erhoben; er bricht durch das Gesträuch und wälzt sich aus der Tiefe nach der höheren Stelle vor, so dass er mit dem Vorderleibe bereits auf ihr angelangt ist, als er jetzt einen starken, gähnenden Laut ausstösst.)  
SIEGFRIED
(sieht sich um und heftet den
Blick verwundert auf Fafner)


Haha! Da hätte mein Lied
mir was Liebes erblasen!
Du wärst mir ein saub'rer Gesell!
SIEGFRIED



Ha ha! So my strains
have roused something lovely!
You'd make me a pretty playmate!
FAFNER
(hat beim Anblick Siegfrieds
auf der Höhe angehalten
und verweilt nun daselbst)


Was ist da?
FAFNER




What's that there?
SIEGFRIED

Ei, bist du ein Tier,
das zum Sprechen taugt,
wohl liess' sich von dir was lernen?
Hier kennt einer
das Fürchten nicht:
kann er's von dir erfahren?
SIEGFRIED

Well, if you're a beast
that knows how to speak,
perhaps there's something I can learn from you?
Here is someone
who does not know fear;
can he come to know it from you?
FAFNER

Hast du Übermut?
FAFNER

Is this bravado?
SIEGFRIED

Mut oder Übermut -
was weiss ich!
Doch dir fahr' ich zu Leibe,
lehrst du das Fürchten mich nicht!
SIEGFRIED

Bravery or bravado -
how do I know?
But I'll cut you to shreds
if you don't teach me fear.
FAFNER
(stösst einen lachenden Laut aus)

Trinken wollt' ich:
nun treff' ich auch Frass!

(Er öffnet seinen Rachen
und zeigt die Zähne)
FAFNER


I wanted a drink:
now I've also found food!



SIEGFRIED

Eine zierliche Fresse
zeigst du mir da,
lachende Zähne
im Leckermaul!
Gut wär' es, den Schlund dir zu schliessen;
dein Rachen reckt sich zu weit!
SIEGFRIED

A delicious maw
you display,
trrth laughing
in a dainty muzzle!
It would be good to close your gullet:
your jaws gape too wide!
FAFNER

Zu tauben Reden
taugt er schlecht:
dich zu verschlingen,
frommt der Schlund.

(Er droht mit dem Schweife)
FAFNER

They are not suited
to idle chatter,
but my throat is well made
to gulp you down.


SIEGFRIED

Hoho! Du grausam
grimmiger Kerl!
Von dir verdaut sein,
dünkt mich übel:
rätlich und fromm doch scheint's,
du verrecktest hier ohne Frist.
SIEGFRIED

Ho ho! You grim,
gruesome knave!
I've no desire
to be digested by you;
but it seems right and proper
that you should die the death without delay.
FAFNER
(brüllend)

Pruh! Komm,
prahlendes Kind!
FAFNER


Bah! Come on,
braggart boy!
SIEGFRIED

Hab' acht, Brüller!
Der Prahler naht!
SIEGFRIED

On your guard, growler!
Here comes the braggart!
(Er zieht sein Schwert, springt Fafner an und bleibt herausfordernd stehen. Fafner wälzt sich weiter auf die Höhe herauf und sprüht aus den Nüstern auf Siegfried. Dieser weicht dem Geifer aus, springt näher zu und stellt sich zur Seite. Fafner sucht ihn mit dem Schweife zu erreichen. Siegfried, welchen Fafner fast erreicht hat, springt mit einem Satze über diesen hinweg und verwundet ihn an dem Schweife. Fafner brüllt, zieht den Schweif heftig zurück und bäumt den Vorderleib, um mit dessen voller Wucht sich auf Siegfried zu werfen; so bietet er diesem die Brust dar; Siegfried erspäht schnell die Stelle des Herzens und stösst sein Schwert bis an das Heft hinein. Fafner bäumt sich vor Schmerz noch höher und sinkt, als Siegfried das Schwert losgelassen und zur Seite gesprungen ist, auf die Wunde zusammen) (He draws his sword, springs towards Fafner and plunges the sword in him up to the hilt)
SIEGFRIED

Da lieg', neidischer Kerl!
Notung trägst du im Herzen.
SIEGFRIED

Lie there, murderous beast:
you have Notung through your heart!
FAFNER
(mit schwächerer Stimme)

Wer bist du, kühner Knabe,
der das Herz mir traf?
Wer reizte des Kindes Mut
zu der mordlichen Tat?
Dein Hirn brütete nicht,
was du vollbracht.
FAFNER


Who are you, bold boy,
that have pierced my heart?
Who kindled your childish courage
to this deadly deed?
Your brain did not conceive
what you have carried out.
SIEGFRIED

Viel weiss ich noch nicht,
noch nicht auch, wer ich bin.
Mit dir mordlich zu ringen,
reiztest du selbst meinen Mut.
SIEGFRIED

There is much I still don't know,
not even who I am.
You yourself goaded me
to engage you in mortal combat.
FAFNER

Du helläugiger Knabe,
unkund deiner selbst,
wen du gemordet
meld' ich dir.
Der Riesen ragend Geschlecht,
Fasolt und Fafner,
die Brüder - fielen nun beide.
Um verfluchtes Gold,
von Göttern vergabt,
traf ich Fasolt zu Tod.
Der nun als Wurm
den Hort bewachte,
Fafner, den letzten Riesen,
fällte ein rosiger Held. -
Blicke nun hell,
blühender Knabe:
der dich Blinden reizte zur Tat,
berät jetzt des Blühenden Tod!

(ersterbend)

Merk', wie's endet! -
Acht' auf mich!
FAFNER

You bright-eyed boy,
who do not know yourself,
I will tell you
whom you have nurdered.
Of the towering race of giants,
the brothers Fasolt and Fafner
both now are dead.
For the accursed gold
gained from the gods
I dealt death to Fasolt.
He who defended the hoard
as a dragon,
Fafner, last of the giants,
has fallen to a fresh-faced hero.
Keep a sharp watch,
jubilant boy;
he who prompted you in your blindness to this deed
il now, after your triumph, plotting your death.



Mark how it will end!
Heed my words!
SIEGFRIED

Woher ich stamme,
rate mir noch;
weise ja scheinst du,
Wilder, im Sterben:
rat' es nach meinem Namen: -
Siegfried bin ich genannt.
SIEGFRIED

Then tell me
where I came from:
in your death, dragon,
you seem wise.
You will know from my name:
I am called Siegfried.
FAFNER

Siegfried...!

(Er seufzt, hebt sich und stirbt)
FAFNER

Siegfried...!

(He dies)
SIEGFRIED

Zur Kunde taugt kein Toter. -
So leite mich denn
mein lebendes Schwert!

(Fafner hat sich im Sterben
zur Seite gewälzt. Siegfried zieht
ihm jetzt das Schwert aus der Brust:
dabei wird seine Hand vom Blute
benetzt: er fährt heftig mit der Hand auf)


Wie Feuer brennt das Blut!

(Er führt unwillkürlich die Finger
zum Munde, um das Blut von ihnen
abzusaugen. Wie er sinnend vor
sich hinblickt, wird seine
Aufmerksamkeit immer mehr von
dem Gesange der Waldvögel angezogen)


Ist mir doch fast,
als sprächen die Vöglein zu mir!
Nützte mir das
des Blutes Genuss?
Das seltne Vöglein hier,
horch, was singt es nur?
SIEGFRIED

The dead can tell no tales.
Then lead me,
my living sword!







Its blood burns like fire!

(He involuntarily puts his finger
in his mouth to suck the blood
off them. As he gazes thoughfully
before him, his attention is
increasingly drawn to the song
of the forest birds)


It seems almost as if
the birds were speaking to me!
Did the taste of its blood
affect me?
That rare bird there,
hark! what says its song?
STIMME EINES WALDVOGELS
(aus den Zweigen der Linde
über Siegfried)


Hei! Siegfried gehört
nun der Niblungen Hort!
O, fänd' in der Höhle
den Hort er jetzt!
Wollt' er den Tarnhelm gewinnen,
der taugt' ihm zu wonniger Tat:
doch möcht' er den Ring sich erraten,
der macht' ihn zum Walter der Welt!
VOICE OF A BIRD



Hey! The Niblung's treasure
now belongs to Siegfried!
Now he'll find the hoard
in the cave!
If he wants to take the Tarnhelm
it will help him perform wonderous deeds;
but if he could get the ring
it would make him ruler of the world!
SIEGFRIED
(hat mit verhaltenem Atem
und verzückter Miene gelauscht)


Dank, liebes Vöglein,
für deinen Rat!
Gern folg' ich dem Ruf!

(Er wendet sich nach hinten und
steigt in die Höhle hinab, wo er
alsbald gänzlich verschwindet)
SIEGFRIED



Thanks, dear bird,
for your counsel!
I'll gladly follow your call!