

| DRITTER AUFZUG | ACT THREE | |
|
VORSPIEL UND ERSTE SZENE Wilde Gegend am Fusse eines Felsenberges, welcher links nach hinten steil aufsteigt. - Nacht, Sturm und Wetter, Blitz und heftiger Donner, welch letzterer dann schweigt, während Blitze noch längere Zeit die Wolken durchkreuzen. |
PRELUDE AND SCENE ONE | |
|
WANDERER (schreitet entschlossen auf ein gruftähnliches Höhlentor in einem Felsen des Vordergrundes zu und nimmt dort, auf seinen Speer gestützt, eine Stellung ein, während er das Folgende dem Eingange der Höhle zu ruft) Wache, Wala! Wala! Erwach'! Aus langem Schlaf weck' ich dich Schlummernde wach. Ich rufe dich auf: Herauf! Herauf! Aus nebliger Gruft, aus nächtigem Grunde herauf! Erda! Erda! Ewiges Weib! Aus heimischer Tiefe tauche zur Höh! Dein Wecklied sing' ich, dass du erwachest; aus sinnendem Schlafe weck' ich dich auf. Allwissende! Urweltweise! Erda! Erda! Ewiges Weib! Wache, erwache, du Wala! Erwache! |
WANDERER Waken, Wala! Wala! awake! From your long sleep I wake you, slumberer. I summon you: arise, arise! From your misty cave, from depths of darkness, arise! Erda! Erda! Eternal woman! From your hollow home rise to the heights! I sing you a waking song so that you will waken: from brooding sleep I rouse you. Omniscient, immemorially wise! Erda! Erda! Eternal woman! Waken, awake, Wala! Awake! |
|
| (Die Höhlengruft erdämmert. Bläulicher Lichtschein: von ihm beleuchtet steigt mit dem Folgenden Erda sehr allmählich aus der Tiefe auf. Sie erscheint wie von Reif bedeckt: Haar und Gewand werfen einen glitzernden Schimmer von sich) | ||
|
ERDA Stark ruft das Lied; kräftig reizt der Zauber. Ich bin erwacht aus wissendem Schlaf: wer scheucht den Schlummer mir? |
ERDA Strong is the summons of your song: mighty the lure of its magic. I have wakened from the sleep of wisdom: who has dispelled my slumber? |
|
|
WANDERER Der Weckrufer bin ich, und Weisen üb' ich, dass weithin wache, was fester Schlaf umschliesst. Die Welt durchzog ich, wanderte viel, Kunde zu werben, urweisen Rat zu gewinnen. Kundiger gibt es keine als dich; bekannt ist dir, was die Tiefe birgt, was Berg und Tal, Luft und Wasser durchwebt. Wo Wesen sind, wehet dein Atem; wo Hirne sinnen, haftet dein Sinn: alles, sagt man, sei dir bekannt. Dass ich nun Kunde gewänne, weck' ich dich aus dem Schlaf! |
WANDERER I am the awakener, and used spells to rouse, from afar, what sleep held fast. I have roamed the world, wandering widely in quest of knowledge, to win world-old wisdom. None is wiser than you; to you is known what the depths hide, what links mountain and valley, air and water. Wherever life exists, your breath stirs: Wherever brains brood, your mind is involved: everything, it is said, is known to you. And so, in quest of knowledge I have woken you from sleep. |
|
|
ERDA Mein Schlaf ist Träumen, mein Träumen Sinnen, mein Sinnen Walten des Wissens. Doch wenn ich schlafe, wachen Nornen: sie weben das Seil und spinnen fromm, was ich weiss. - Was frägst du nicht die Nornen? |
ERDA My sleep is dreaming, my dreaming meditation, my meditation mastery of wisdom. But while I sleep the Norns are awake: they weave the rope and zealously spin what I know. Why not ask the Norns? |
|
|
WANDERER Im Zwange der Welt weben die Nornen: sie können nichts wenden noch wandeln. Doch deiner Weisheit dankt' ich den Rat wohl, wie zu hemmen ein rollendes Rad? |
WANDERER Subservient to the world spin the Norns: nothing can they alter or deflect. But from your wisdom I would be glad to learn how to hold back a rolling wheel. |
|
|
ERDA Männertaten umdämmern mir den Mut: mich Wissende selbst bezwang ein Waltender einst. Ein Wunschmädchen gebar ich Wotan: der Helden Wal hiess für sich er sie küren. Kühn ist sie und weise auch: was weckst du mich und frägst um Kunde nicht Erdas und Wotans Kind? |
ERDA My mind grows misty with the deeds of men: even I, with all my wisdom, once was overcome by a conqueror. To Wotan I bore a wish-maiden: heroes from the battlefield he bade her bring him. She is brave and also wise: why do you wake me, and not seek enlightenment from Erda and Wotan's child? |
|
|
WANDERER Die Walküre meinst du, Brünnhild', die Maid? Sie trotzte dem Stürmebezwinger, wo er am stärksten selbst sich bezwang: was den Lenker der Schlacht zu tun verlangte, doch dem er wehrte - zuwider sich selbst -, allzu vertraut wagte die Trotzige, das für sich zu vollbringen, - Brünnhild' in brennender Schlacht. Streitvater strafte die Maid: in ihr Auge drückte er Schlaf; auf dem Felsen schläft sie fest: erwachen wird die Weihliche nur, um einen Mann zu minnen als Weib. Frommten mir Fragen an sie? |
WANDERER You mean the Valkyrie, the maid Brünnhilde? She flouted the father of the storms, when in his might he had mastered himself. What the controller of combats longed to do but restrained himself against his will, all too confidently the defiant girl - Brünnhilde in the brunt of battle - dared to accomplish for herself. The father of conflicts punished the maid: in her eyes he pressed sleep: on the fell she is fast asleep. The consecrated one will waken only when a man woos her for his wife. How would it help to question her? |
|
|
ERDA (ist in Sinnen versunken und beginnt erst nach längerem Schweigen) Wirr wird mir, seit ich erwacht: wild und kraus kreist die Welt! Die Walküre, der Wala Kind, büsst' in Banden des Schlafs, als die wissende Mutter schlief? Der den Trotz lehrte, straft den Trotz? Der die Tat entzündet, zürnt um die Tat? Der die Rechte wahrt, der die Eide hütet, - wehret dem Recht, herrscht durch Meineid? - Lass mich wieder hinab! - Schlaf verschliesse mein Wissen! |
ERDA I am confused since I awoke: wildly and awry the world revolves! The Valkyrie, Wala's child, suffered the fetters of sleep while her omniscient mother slept? Does he who taught defiance punish defiance? Is he who is responsible for the deed wrathful when it is done? Does he who defends the right and preserves vows banish right and rule by perjury? Let me descend again, and sleep seal up my wisdom! |
|
|
WANDERER Dich, Mutter, lass' ich nicht ziehn, da des Zaubers mächtig ich bin. - Urwissend stachest du einst der Sorge Stachel in Wotans wagendes Herz: mit Furcht vor schmachvoll feindlichem Ende füllt' ihn dein Wissen, dass Bangen band seinen Mut. Bist du der Welt weisestes Weib, sage mir nun: wie besiegt die Sorge der Gott? |
WANDERER I will not let you go, mother, for magic lends me might. Omniscient, you once thrust the thorn of anxiety into Wotan's bold heart: with fear of a shameful hostile end your knowledge filled him, so that fear fettered his spirit. Since you are the world's wisest woman, tell me now: how can the god conquer his cares? |
|
|
ERDA Du bist - nicht was du dich nennst! Was kamst du, störrischer Wilder, zu stören der Wala Schlaf? |
ERDA You are not what you call yourself! Why did you come, wild and stubborn, and disturb the Wala's sleep? |
|
|
WANDERER Du bist - nicht, was du dich wähnst! Urmütter-Weisheit geht zu Ende: dein Wissen verweht vor meinem Willen. Weisst du, was Wotan will? (Langes Schweigen) Dir Unweisen ruf' ich ins Ohr, dass sorglos ewig du nun schläfst! Um der Götter Ende grämt mich die Angst nicht, seit mein Wunsch es will! Was in des Zwiespalts wildem Schmerze verzweifelnd einst ich beschloss, froh und freudig führe frei ich nun aus. Weiht' ich in wütendem Ekel des Niblungen Neid schon die Welt, dem herrlichsten Wälsung weis' ich mein Erbe nun an. Der von mir erkoren, doch nie mich gekannt, ein kühnester Knabe, bar meines Rates, errang des Niblungen Ring: liebesfroh, ledig des Neides, erlahmt an dem Edlen Alberichs Fluch; denn fremd bleibt ihm die Furcht. Die du mir gebarst, Brünnhild', weckt sich hold der Held: wachend wirkt dein wissendes Kind erlösende Weltentat. - Drum schlafe nun du, schliesse dein Auge; träumend erschau' mein Ende! Was jene auch wirken, dem ewig Jungen weicht in Wonne der Gott. Hinab denn, Erda! Urmütterfurcht! Ursorge! Hinab! Hinab, zu ewigem Schlaf! |
Music |
WANDERER You are not what you belive yourself! The earth-mother's wisdom is drawing to an end: your wisdom will wither before my will. Do you know what is Wotan's will? To you, unwise one, I address these words so that you then may sleep carefree for ever. Fear of the gods' downfall grieves me not, since now I will it so! What once I resolved in despair, in the wild anguish of dissension, now I will freely perform, gladly and gaily. Though in fury and loathing I flung the world to the Niblung's envy, now to the valiant Volsung I leave my heritage. He whom I chose, though he does not know me, the bravest of youths, whom I have never advised, has gained the Niblung's ring. Rejoicing in love, innocent of envy, his nobility will quell Alberich's curse for fear remains foreign to him. Brünnhilde, whom you bore me, will awaken to the hero: on waking, the child of your wisdom will do the deed that will redeem the world. So now sleep on, close your eyes: in dream behold my downfall! Whatever now befalls, to the ever-young the god gladly yields. Descend then, Erda, mother of fear, of timeless sorrow! Away, away to endless sleep! |
| (Nachdem Erda bereits die Augen geschlossen hat und allmählich tiefer versunken ist, verschwindet sie jetzt gänzlich; auch die Höhle ist jetzt wiederum durchaus verfinstert. Monddämmerung erhellt die Bühne, der Sturm hat aufgehört) |