

| (DRITTER AUFZUG) | (ACT THREE) | ||
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DRITTE SZENE (Das immer zarter gewordene Gewölk hat sich in einen feinen Nebelschleier von rosiger Färbung aufgelöst und zerteilt sich nun in der Weise, dass der Duft sich gänzlich nach oben verzieht und endlich nur noch den heiteren, blauen Tageshimmel erblicken lässt, während am Saume der nun sichtbar werdenden Felsenhöhe - ganz die gleiche Szene wie im dritten Aufzug der "Walküre" - ein morgenrötlicher Nebelschleier haften bleibt, welcher zugleich an die in der Tiefe noch lodernde Zauberlohe erinnert. - Die Anordnung der Szene ist durchaus dieselbe wie am Schlusse der "Walküre": im Vordergrunde, unter der breitästigen Tanne, liegt Brünnhilde in vollständiger, glänzender Panzerrüstung, mit dem Helm auf dem Haupte, den langen Schild über sich gedeckt, in tiefem Schlafe) |
SCENE THREE | ||
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SIEGFRIED (gelangt von aussen her auf den felsigen Saum der Höhe und zeigt sich dort zuerst nur mit dem Oberleibe: so blickt er lange staunend um sich) Selige Öde auf sonniger Höh'! - (Er steigt vollends herauf und betrachtet, auf einem Felsensteine des hinteren Abhanges stehend, mit Verwunderung die Szene. Er blickt zur Seite in den Tann und schreitet etwas vor) Was ruht dort schlummernd im schattigen Tann? - Ein Ross ist's, rastend in tiefem Schlaf! (Langsam näher kommend, hält er verwundert an, als er noch aus einiger Entfernung Brünnhildes Gestalt wahrnimmt) Was strahlt mir dort entgegen? Welch glänzendes Stahlgeschmeid? Blendet mir noch die Lohe den Blick? (Er tritt näher hinzu) Helle Waffen! Heb' ich sie auf? (Er hebt den Schild ab und erblickt Brünnhildes Gestalt, während ihr Gesicht jedoch noch zum grossen Teil vom Helm verdeckt ist) Ha! In Waffen ein Mann: - wie mahnt mich wonnig sein Bild! - Das hehre Haupt drückt wohl der Helm? - Leichter würd' ihm, löst' ich den Schmuck. (Vorsichtig löst er den Helm und hebt ihn der Schlafenden vom Haupte ab: langes lockiges Haar bricht hervor. Siegfried erschrickt) Ach! Wie schön! (Er bleibt in den Anblick versunken) Schimmernde Wolken säumen in Wellen den hellen Himmelssee; leuchtender Sonne lachendes Bild strahlt durch das Wogengewölk! (Er neigt sich tiefer zu der Schlafenden hinab) Von schwellendem Atem schwingt sich die Brust: - brech' ich die engende Brünne? (Er versucht mit grosser Behutsamkeit die Brünne zu lösen) Komm, mein Schwert, schneide das Eisen! (Er zieht sein Schwert, durchschneidet mit zarter Vorsicht die Panzerringe zu beiden Seiten der ganzen Rüstung und hebt dann die Brünne und die Schienen ab, so dass nun Brünnhilde in einem weichen weiblichen Gewande vor ihm liegt. Er fährt erschreckt und staunend auf) Das ist kein Mann! - (Er starrt mit höchster Aufgeregtheit auf die Schlafende hin) Brennender Zauber zückt mir ins Herz; feurige Angst fasst meine Augen: mir schwankt und schwindelt der Sinn! (Er gerät in höchste Beklemmung) Wen ruf' ich zum Heil, dass er mir helfe? - Mutter! Mutter! Gedenke mein! - (Er sinkt, wie ohnmächtig, an Brünnhildes Busen. Langes Schweigen. Dann fährt er seufzend auf) Wie weck' ich die Maid, dass sie ihr Auge mir öffne? - Das Auge mir öffne? Blende mich auch noch der Blick? Wagt' es mein Trotz? Ertrüg' ich das Licht? - Mir schwebt und schwankt und schwirrt es umher! Sehrendes Sehnen zehrt meine Sinne; am zagenden Herzen zittert die Hand! - Wie ist mir Feigem? - Ist dies das Fürchten? - O Mutter! Mutter! Dein mutiges Kind! Im Schlafe liegt eine Frau: - die hat ihn das Fürchten gelehrt! - Wie end' ich die Furcht? Wie fass' ich Mut? - Dass ich selbst erwache, muss die Maid mich erwecken! - (Indem er sich der Schlafenden von neuem nähert, wird er wieder von zarteren Empfindungen an ihren Anblick gefesselt. Er neigt sich tiefer hinab) Süss erbebt mir ihr blühender Mund. - Wie mild erzitternd mich Zagen er reizt! - Ach! Dieses Atems wonnig warmes Gedüft! (wie in Verzweiflung) Erwache! Erwache! Heiliges Weib! (Er starrt auf sie hin) Sie hört mich nicht. - (gedehnt mit gepresstem, drängendem Ausdruck) So saug' ich mir Leben aus süssesten Lippen, - sollt' ich auch sterbend vergeh'n! |
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SIEGFRIED Blessedly bare on the sunny summit! What lies there asleep in the shadow of the pines? A steed, sunk deep in sleep! What is that shining in my face? What glittering suit of steel? Are my eyes still dazzled by the flames? Shining armour! Shall I pick it up? Ah, there's a man in the armour! How delighted I am at the sight! Does the helmet constrict his noble head? It would be lighter for him if I loosened his gear. Oh, how beautiful! Shimmering clouds cluster in waves on the shining sea of heaven; the laughing face of the radiant sun gleams through the billowing clouds! His breast heaves as he breathes: shall I cut his constricting breastplate? Come, my sword, sever the iron! That's no man! A searing spell pierces my heart; a fiery anxiety fills my eyes: my senses swim and swoon! Whom can I call on to help me? Mother, mother! Think of me! How shall I wake the maid so that she opens her eyes? But when she opens her eyes, will the sight dazzle me? Am I bold enough to dare? Could I bear their brightness? All about me sways and staggers and reels! A painfull yearning sears my senses; my hand trembles on my beating heart! Why have I become a coward? Is this fear? O mother, mother, this is your valiant child! A woman lies asleep and she has taught him to be afraid. How can I conquer this fear? How can I take courage? I must waken the maid so that I myself may awake! Sweetly quivers her rosy mouth. How its soft trembling soothes my fear! Ah! the lovely warm fragrance of her breath! Awaken, awaken, wondrous woman! She does not hear me. Then I will suck life from those sweetest lips, though I die in doing so. |
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| (Er sinkt, wie ersterbend, auf die Schlafende und heftet mit geschlossenen Augen seine Lippen auf ihren Mund. - Brünnhilde schlägt die Augen auf. Siegfried fährt auf und bleibt vor ihr stehen. Brünnhilde richtet sich langsam zum Sitze auf. Sie begrüsst mit feierlichen Gebärden der erhobenen Arme ihre Rückkehr zur Wahrnehmung der Erde und des Himmels) |
Music |
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BRÜNNHILDE Heil dir, Sonne! Heil dir, Licht! Heil dir, leuchtender Tag! Lang war mein Schlaf; ich bin erwacht. Wer ist der Held, der mich erweckt'? |
BRÜNNHILDE Hail to thee, sun! Hail to thee, light! Hail to thee, glorious day! Long have I slept: I was awakened. Who is the hero who woke me? |
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SIEGFRIED (von ihrem Blicke und ihrer Stimme feierlich ergriffen, steht wie festgebannt) Durch das Feuer drang ich, das den Fels umbrann; ich erbrach dir den festen Helm: Siegfried bin ich, der dich erweckt'. |
SIEGFRIED I forced my way through the fire that flamed around the rock: I loosened your tight helmet: I am Siegfried, and I woke you. |
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BRÜNNHILDE (hoch aufgerichtet sitzend) Heil euch, Götter! Heil dir, Welt! Heil dir, prangende Erde! Zu End' ist nun mein Schlaf; erwacht, seh' ich: Siegfried ist es, der mich erweckt! |
BRÜNNHILDE Hail to thee, gods! Hail to thee, world! Hail to thee, resplendent earth! My sleep is at an end; I am awake and can see! It is Siegfried who has awakened me. |
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SIEGFRIED (in erhabenste Verzückung ausbrechend) O Heil der Mutter, die mich gebar; Heil der Erde, die mich genährt! Dass ich das Aug' erschaut, das jetzt mir Seligem lacht! |
Music |
SIEGFRIED Hail to my mother that bore me, hail to the earth that nourished me, that I can see those eyes whose light now delights me! |
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BRÜNNHILDE (mit grösster Bewegtheit) O Heil der Mutter, die dich gebar! Heil der Erde, die dich genährt! Nur dein Blick durfte mich schau'n, erwachen durft' ich nur dir! (Beide bleiben voll strahlenden Entzückens in ihren gegenseitigen Anblick verloren) O Siegfried! Siegfried! Seliger Held! Du Wecker des Lebens, siegendes Licht! O wüsstest du, Lust der Welt, wie ich dich je geliebt! Du warst mein Sinnen, mein Sorgen du! Dich Zarten nährt' ich, noch eh' du gezeugt; noch eh' du geboren, barg dich mein Schild: so lang' lieb' ich dich, Siegfried! |
Music |
BRÜNNHILDE O hail to the mother that bore you! Hail to the earth that nourished you! Your eyes alone might see me, you alone might waken me! O Siegfried, Siegfried! Blessed hero! Waker to life, conquering light! If you but knew, joy of the world, how I have always loved you! You were my thought, you were my care! I fed your tender being before you were begotten; even before you were born my shield protected you: so long have I loved you, Siegfried! |
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SIEGFRIED (leise und schüchtern) So starb nicht meine Mutter? Schlief die minnige nur? |
SIEGFRIED Then my mother did not die? Was she I love only asleep? |
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BRÜNNHILDE (lächelnd, freundlich die Hand nach ihm ausstreckend) Du wonniges Kind! Deine Mutter kehrt dir nicht wieder. Du selbst bin ich, wenn du mich Selige liebst. Was du nicht weisst, weiss ich für dich; doch wissend bin ich nur - weil ich dich liebe! - O Siegfried! Siegfried! Siegendes Licht! Dich liebt' ich immer; denn mir allein erdünkte Wotans Gedanke der Gedanke, den ich nie nennen durfte; den ich nicht dachte, sondern nur fühlte; für den ich focht, kämpfte und stritt; für den ich trotzte dem, der ihn dachte; für den ich büsste, Strafe mich band, weil ich nicht ihn dachte und nur empfand! Denn der Gedanke - dürftest du's lösen! - mir war er nur Liebe zu dir! |
BRÜNNHILDE You dearest child! Your mother will not come back to you. I am your very self if you make me happy in your love. What you do not know I know for you; yet I have this knowledge only because I love you! O Siegfried, Siegfried! Conquering light! I have always loved you; for I alone divined Wotan's thought - that thought I never dared name, that I could not think but merely felt, for which I fought, strove and struggled, for which I defied him who conceived it, for which I paid penance in punishment because I did not think it, merely felt it! For that secret - you can solve it! - was only my love for you! |
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SIEGFRIED Wie Wunder tönt, was wonnig du singst; doch dunkel dünkt mich der Sinn. Deines Auges Leuchten seh' ich licht; deines Atems Wehen fühl' ich warm; deiner Stimme Singen hör' ich süss: doch was du singend mir sagst, staunend versteh' ich's nicht. Nicht kann ich das Ferne sinnig erfassen, wenn alle Sinne dich nur sehen und fühlen! Mit banger Furcht fesselst du mich: du Einz'ge hast ihre Angst mich gelehrt. Den du gebunden in mächtigen Banden, birg meinen Mut mir nicht mehr! (Er verweilt in grosser Aufregung, sehnsuchtsvollen Blick auf sie heftend) |
SIEGFRIED How beautyful the sound of her wondrous song, though its sense seems strange to me. The light of your eyes is bright to my sight: warm feels the stirring of your breath; the sound of your voice is sweet to hear: but what your song says to me I cannot understand, and am left astonished. My mind fails to grasp far-off things when all my senses see and feel only you! You have fettered me with anxious fears: you alone have taught me anguish. You have bound me in powerful bonds, but no longer deprive me of my courage! |
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BRÜNNHILDE (wendet sanft das Haupt zur Seite und richtet ihren Blick nach dem Tann) ... Dort seh' ich Grane, mein selig Ross: wie weidet er munter, der mit mir schlief! Mit mir hat ihn Siegfried erweckt. |
BRÜNNHILDE I see Grane there, my trusty steed: how happily he grazes, he who was asleep like me! Siegfried woke him along with me. |
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SIEGFRIED (in der vorigen Stellung verbleibend) Auf wonnigem Munde weidet mein Auge: in brünstigem Durst doch brennen die Lippen, dass der Augen Weide sie labe! - |
SIEGFRIED My eyes feast on your heavenly mouth, but my lips burn in passionate thirst to seek refreshment in the pasture of your eyes. |
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BRÜNNHILDE (deutet ihm mit der Hand nach ihren Waffen, die sie gewahrt) Dort seh' ich den Schild, der Helden schirmte; dort seh' ich den Helm, der das Haupt mir barg: er schirmt, er birgt mich nicht mehr! |
BRÜNNHILDE I see the shield there that sheltered heroes: there I see the helmet that protected my head: no longer do they shield or protect me! |
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SIEGFRIED Eine selige Maid versehrte mein Herz; Wunden dem Haupte schlug mir ein Weib: - ich kam ohne Schild und Helm! |
SIEGFRIED A wondrous maid has pierced my heart, a woman has wounded my head: I came here without a shield or helmet! |
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BRÜNNHILDE (mit gesteigertem Wehmut) Ich sehe der Brünne prangenden Stahl: ein scharfes Schwert schnitt sie entzwei; von dem maidlichen Leibe löst' es die Wehr: - ich bin ohne Schutz und Schirm, ohne Trutz ein trauriges Weib! |
BRÜNNHILDE I see the breastplate's shining steel; a sharp sword cut it in two; from my maiden body it stripped the defences: I am exposed and unprotected, defenceless, a weak woman! |
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SIEGFRIED Durch brennendes Feuer fuhr ich zu dir! Nicht Brünne noch Panzer barg meinen Leib: nun brach die Lohe mir in die Brust. Es braust mein Blut in blühender Brunst; ein zehrendes Feuer ist mir entzündet: die Glut, die Brünnhilds Felsen umbrann, die brennt mir nun in der Brust! O Weib, jetzt lösche den Brand! Schweige die schäumende Glut! |
SIEGFRIED Through blazing fire I forced my way to you! No breastplate or armour protected my body: now the flames flare out in my breast. My blood leaps in a blaze of passion: a consuming fire is kindled in me: the flames that surrounded Brünnhilde's rock now burn within my breast! O woman, now quench those flames! Still the seething fire! |
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| (Er hat sie heftig umfasst: sie springt auf, wehrt ihm mit der höchsten Kraft der Angst, und entflieht nach der anderen Seite). | |||
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BRÜNNHILDE Kein Gott nahte mir je! Der Jungfrau neigten scheu sich die Helden: heilig schied sie aus Walhall! Wehe! Wehe! Wehe der Schmach, der schmählichen Not! Verwundet hat mich, der mich erweckt! Er erbrach mir Brünne und Helm: Brünnhilde bin ich nicht mehr! |
BRÜNNHILDE No god ever came so close to me! Heroes humbly bowed before my virginity: sacrosanct I came from Valhalla! Woe, woe is me! O the shame, the indignity of my plight! He who woke me has wounded me. He cut off my breastplate and helmet: I am Brünnhilde no more! |
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SIEGFRIED Noch bist du mir die träumende Maid: Brünnhildes Schlaf brach ich noch nicht. Erwache, sei mir ein Weib! |
SIEGFRIED To me you are still the dreaming maid: I have not yet broken Brünnhilde's sleep. Awaken, be my woman! |
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BRÜNNHILDE (in Betäubung) Mir schwirren die Sinne, mein Wissen schweigt: soll mir die Weisheit schwinden? |
BRÜNNHILDE My senses swoon, my reason reels: must my wisdom wither? |
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SIEGFRIED Sangst du mir nicht, dein Wissen sei das Leuchten der Liebe zu mir? |
SIEGFRIED Did you not sing to me that your wisdom was the light leading your love to me? |
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BRÜNNHILDE (vor sich hinstarrend) Trauriges Dunkel trübt meinen Blick; mein Auge dämmert, das Licht verlischt: Nacht wird's um mich. Aus Nebel und Grau'n windet sich wütend ein Angstgewirr: Schrecken schreitet und bäumt sich empor! (Sie birgt heftig die Augen mit beiden Händen) |
BRÜNNHILDE Doleful darkness clouds my sight: my eyes dim, their light fades: night falls on me. Out of darkness and dread issues a wild whirl of fear: terror stalks and rears itself up. |
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SIEGFRIED (indem er ihr sanft die Hände von den Augen löst) Nacht umfängt gebund'ne Augen. Mit den Fesseln schwindet das finstre Grau'n. Tauch' aus dem Dunkel und sieh: - sonnenhell leuchtet der Tag! |
SIEGFRIED Night affrights your confined eyes. Dark dread disappears as the fetters fall. Emerge from the darkness, and see: the day shines bright in the sun! |
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BRÜNNHILDE (in höchster Ergriffenheit) Sonnenhell leuchtet der Tag meiner Schmach! - O Siegfried! Siegfried! Sieh' meine Angst! (Ihre Miene verrät, dass ihr ein anmutiges Bild vor die Seele tritt, von welchem ab sie den Blick mit Sanftmut wieder auf Siegfried richtet) Ewig war ich, ewig bin ich, ewig in süss sehnender Wonne, - doch ewig zu deinem Heil! - O Siegfried! Herrlicher! Hort der Welt! Leben der Erde! Lachender Held! Lass, ach lass, lasse von mir! Nahe mir nicht mit der wütenden Nähe! Zwinge mich nicht mit dem brechenden Zwang, zertrümmre die Traute dir nicht! - Sahst du dein Bild im klaren Bach? Hat es dich Frohen erfreut? Rührtest zur Woge das Wasser du auf, zerflösse die klare Fläche des Bachs: dein Bild sähst du nicht mehr, nur der Welle schwankend Gewog'! - So berühre mich nicht, trübe mich nicht! Ewig licht lachst du selig dann aus mir dir entgegen, froh und heiter ein Held! - O Siegfried! Leuchtender Spross! Liebe dich, und lasse von mir: vernichte dein Eigen nicht! |
Music Music |
BRÜNNHILDE Bright in the sun shines the day of my shame! O Siegfried, Siegfried! See my anguish! I always was, I always am, always in sweet yearning bliss, always anxious for your welfare. O Siegfried! Glorious being! Wealth of the world! Life of the earth! Laughing hero! Leave me, oh leave me in peace. Do not come to me, inflamed by nearness! Do not overcome me with your overwhelming force, do not destroy your beloved! Have you seen your reflection in the clear stream? Did it not gladden your gaze? Had you stirred the water into waves, the smooth surface of the stream would have been disturbed and you would have seen yourself mirrored no more, only the rocking movement of the waters. So do not touch me, do not upset me! Ever bright and happy will you then smile out of my eyes into yours, a cheerful and joyous hero! O Siegfried! Radiant youth! Love yourself and let me be: do not destroy what is your own! |
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SIEGFRIED Dich lieb' ich: o liebtest mich du! Nicht hab' ich mehr mich: o, hätte ich dich! - Ein herrlich Gewässer wogt vor mir; mit allen Sinnen seh' ich nur sie, die wonnig wogende Welle: Brach sie mein Bild, so brenn' ich nun selbst, sengende Glut in der Flut zu kühlen; ich selbst, wie ich bin, spring' in den Bach: - o, dass seine Wogen mich selig verschlängen, mein Sehnen schwänd' in der Flut! Erwache, Brünnhilde! Wache, du Maid! Lache und lebe, süsseste Lust! Sei mein! Sei mein! Sei mein! |
SIEGFRIED I love you: did you but love me too! I am no more my own: were you but mine! A glorious flood flows before me: with all my senses I see only that sweet surging sea. If it breaks up my reflection, I myself burn to cool my glowing heart in the flood: I will leap, as I am, into the stream: oh that its waters might blissfully swallow me, and my longing be lost in the flood! Awaken, Brünnhilde! Waken, oh maid! Laugh and live, sweetest delight! Be mine, be mine, be mine! |
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BRÜNNHILDE (sehr innig) O Siegfried! Dein - war ich von je! |
BRÜNNHILDE O Siegfried! I have always been yours! |
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SIEGFRIED (feurig) Warst du's von je, so sei es jetzt! |
SIEGFRIED If you always been, be so now! |
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BRÜNNHILDE Dein werd' ich ewig sein! |
BRÜNNHILDE I will be yours for ever! |
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SIEGFRIED Was du sein wirst, sei es mir heut'! Fasst dich mein Arm, umschling' ich dich fest; schlägt meine Brust brünstig die deine; zünden die Blicke, zehren die Atem sich; Aug' in Auge, Mund an Mund: dann bist du mir, was bang du mir warst und wirst! Dann brach sich die brennende Sorge, ob jetzt Brünnhilde mein? (Er hat sie umfasst) |
SIEGFRIED What you will be, be today! If my arms enfold you and hold you tight, if my breast beats wildly against yours, if our eyes kindle, and we breathe each other's breath, eye to eye, mouth to mouth, then you are to me what fearfully you were and will be. Then gone would be the burning doubt whether Brünnhilde is now mine. |
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BRÜNNHILDE Ob jetzt ich dein? - Göttliche Ruhe rast mir in Wogen; keuschestes Licht lodert in Gluten: himmlisches Wissen stürmt mir dahin, Jauchzen der Liebe jagt es davon! Ob jetzt ich dein? - Siegfried! Siegfried! Siehst du mich nicht? Wie mein Blick dich verzehrt, erblindest du nicht? Wie mein Arm dich presst, entbrennst du mir nicht? Wie in Strömen mein Blut entgegen dir stürmt, das wilde Feuer, fühlst du es nicht? Fürchtest du, Siegfried, fürchtest du nicht das wild wütende Weib? (Sie umfasst ihn heftig) |
BRÜNNHILDE Whether I am now yours? Divine peace floods my being; purest light blazes in the glow: the wisdom of heaven flees from me, chased away by the joy of love! Whether I am now yours? Siegfried, Siegfried, do you not see me? As my eyes devour you, are you not blinded? As my arms enfold you, do you not catch fire from me? As my blood surges like a sea towards you, do you not feel its raging fire? Siegfried, do you not fear, do you not fear this wild, passionate woman? |
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SIEGFRIED (in freudigem Schreck) Ha! - Wie des Blutes Ströme sich zünden, wie der Blicke Strahlen sich zehren, Wie die Arme brünstig sich pressen, - kehrt mir zurück mein kühner Mut, und das Fürchten, ach! Das ich nie gelernt, - das Fürchten, das du mich kaum gelehrt: das Fürchten, - mich dünkt - ich Dummer vergass es nun ganz! (Er hat bei den letzten Worten Brünnhilde unwillkürlich losgelassen) |
SIEGFRIED Ah! As our bloodstreams set each other ablaze, as our glowing eyes scorch one another, as our arms passionately clasp each other, my daring and courage return to me, and fear that - ah! - I never learned, that fear which you only just now taught me, that fear, I think, I have foolishly quite forgotten already! |
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BRÜNNHILDE (im höchsten Liebesjubel wild auflachend) O kindischer Held! O herrlicher Knabe! Du hehrster Taten töriger Hort! Lachend muss ich dich lieben, lachend will ich erblinden, lachend lass uns verderben lachend zu Grunde gehn! |
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BRÜNNHILDE O childlike hero! O sublime boy! You silly store of doughty deeds! Laughing, I must love you, laughing, I will bear my blindness; laughing let us ruin, laughing let us perish! |
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Fahr' hin, Walhalls leuchtende Welt! Zerfall in Staub deine stolze Burg! Leb' wohl, prangende Götterpracht! End' in Wonne, du ewig Geschlecht! Zerreisst, ihr Nornen, das Runenseil! Götterdämm'rung, dunkle herauf! Nacht der Vernichtung, neble herein! - Mir strahlt zur Stunde Siegfrieds Stern; er ist mir ewig, ist mir immer, Erb' und Eigen, ein' und all': leuchtende Liebe, lachender Tod! |
Farewell, Valhalla's glittering world! Let your proud fortness fall to dust! Farewell, resplendent pomp of the gods! May your end be blissful, immortal race! You Norns, snap your rope of symbols! Dusk of the gods, let your darkness descend! Night of annihilation, let your mist fall! Siegfried's star now shines upon me: he is mine forever, always mine, my inheritance, my own, my one and all: radiant love, laughing death! |
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SIEGFRIED Lachend erwachst du Wonnige mir: Brünnhilde lebt, Brünnhilde lacht! Heil dem Tage, der uns umleuchtet! Heil der Sonne, die uns bescheint! Heil dem Licht, das ser Nacht enttaucht! Heil der Welt, der Brünnhilde lebt! Sie wacht, sie lebt, sie lacht mir entgegen. Prangend strahlt mir Brünnhildes Stern! Sie ist mir ewig, ist mir immer, Erb' und Eigen, ein' und all': leuchtende Liebe, lachender Tod! |
SIEGFRIED Laughing, you awake in rapture to me: Brünnhilde lives, Brünnhilde laughs! Hail to the day that gleams about us! Hail to the sun that shines upon us! Hail to the light that overcomes the night Hail to the world in which Brünnhilde lives! She is awake, alive, smiling at me. Effulgent shines Brünnhilde's star upon me! She is forever mine, always mine, my inheritance, my own, my one and all: radiant love, laughing death! |
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(Brünnhilde stürzt sich in Siegfrieds Arme) (Der Vorhang fällt.) |