RichardWagner
Libretti
Tannhäuser

OUVERTÜRE Music
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OVERTURE
ERSTER AUFZUG ACT ONE
ERSTE SZENE SCENE ONE
Die Bühne stellt das Innere des Venusberges (Hörselberges bei Eisenach) dar. Weite Grotte, welche sich im Hintergrunde durch eine Biegung nach rechts wie unabsehbar dahinzieht. Aus einer zerklüften Öffnung, durch welche mattes Tageslicht hereinscheint, stürzt sich die ganze Höhe der Grotte entlang ein grünlicher Wasserfall herab, wild über Gestein schäumend; aus dem Becken welches das Wasser auffängt, fliesst nach dem ferneren Hintergrunde der Bach hin, welcher dort sich zu einem See sammelt, in welchem man die Gestalten badender Najaden und an dessen Ufern gelagerte Sirenen gewahrt. Zu beiden Seiten der Grotte Felsenvorsprünge von unregelmässiger From, mit wunderbaren, korallenartigen, tropischen Gewächsen bewachen. Vor einer nach links aufwärts sich dehnenden Grottenöffnung, aus welcher ein zarter rosinger Dämmer herausscheint liegt im Vordergrunde Venus auf einem reichen Lager, vor ihr, das Haupt in ihrem Schosse, die Harfe zur Seite, Tannhäuser, halb knieend. Das Lager umgeben, in reizender Verschlingung gelagert, die drei Grazien. Zur Seite und hinter dem Lager zahlreiche schlafende Amoretten, wild über und nebeneinander gelagert, einen verworrenen Knäuel bilden, wie Kinder, die, von einer Balgerei ermattet, eingeschlafen sind. Der ganze Vordergrund ist von einem zauberhaften, von unter her durchscheinenden, rötlichen Lichte beleuchtet, durch welches das Smaragdgrün des Wasserfalles, mit dem Weiss seiner schäumenden Wellen, stark durchbricht. Der ferne Hintergrund mit den Seeufern ist von einem verklärt blauen Duffe mondscheinartig erhellt. - Beim Aufzuge des Vorhanges sind, auf den erhöhten Vorsprüngen bei Bechern, noch die Jünglinge gelagert, welche jetzt sofort den verlockenden Winken der Nymphen folgen und zu diesen hinabeilen; die Nymphen hatten um das schäumende Becken des Wasserfalles den auffordernden Reigen begonnen, welcher die Jünglinge zu ihnen führen sollte: die Paare finden und mischen sich; Suchen, Fliehen und reizendes Necken beleben den Tanz. Aus dem fernen Hintergrunde naht ein Zug von Bacchantinnen, welcher durch die Reihen der liebenden Paare, zu wilder Lust auffordernd, daherbraust. Durch Gebärden begeisterter Trunkenheit reizen die Bacchantinnen die Liebenden zu wachsender Ausgelassenheit auf. Die Berauschten stürzen sich in brünstige Liebesumarmungen. Satyre und Faune sind aus den Klüften erschienen und drängen sich jetzt mit ihrem Tanze zwischen die Bacchanten und liebenden, Paare. Sie vermehren durch ihre Jagd auf die Nymphen die Verwirrung; der allgemeine Taumel steigert sich zur höchsten Wut. Hier, beim Ausbruch der höchsten Raserei, erheben sich entsetzt die drei Grazien. Sie suchen den Wütenden Einhalt zu tun und sie zu entfernen. Machtlos fürchten sie selbst mit fortgerissen zu werden: sie wenden sich zu den schlafenden Amoretten, rütteln sie auf und jagen sie in die Höhe. Diese flattern wie eine Schar Vögel aufwärts auseinander, nehmen in der Höhe, wie in Schlachtordnung, den ganzen Raum der Höhle ein und schiessen von da herab einen unaufhörlichen Hagel von Pfeilen auf das Getümmel in der Tiefe. Die Verwundeten lassen, von mächtigem Liebessehnen ergriffen, vom rasenden Tanze ab und sinken in Ermattung. Die Grazien bemächtigen sich der Verwundeten und suchen, indem sie die Trunkenen zu Paaren fügen, sie mit sanfter Gewalt nach dem Hintergrunde zu zerstreuen. Dort nach den verschiedensten Richtungen hin, entfernen sich, teils auch von der Höhe herab durch die Amoretten verfolgt, die Bacchanten, Faunen, Satyren, Nymphen und Jünglinge. Ein immer dichterer rosiger Duft senkt sich herab: in ihm verschwinden zuerst die Amoretten, dann bedeckt er den ganzen Hintergrund, so dass endlich, ausser Venus und Tannhäuser, nur noch die drei Grazien sichtbar zurückbleiben. Diese wenden sich jetzt nach dem Vordergrunde zurück; in anmutigen Verschlingungen nahen sie sich Venus, ihr gleichsam von dem Siege berichtend, den sie über die wilden Leidenschaften der Untertanen ihres Reiches gewonnen. Venus blickt dankend zu ihnen. (Der dichte Duft im Hintergrunde zerteilt sich: ein Nebelbild zeigt die Entführung der Europa, welche auf dem Rücken des mit Blumen geschmückten weissen Stieres, von Tritonen und Nereïden geleitet, durch das blaue Meer dahinfährt) Music
Music
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The interior of the Venusberg (the Hörselberg, near Eisenach). A wide grotto which, as it curves towards the right in the background, seems to be prolonged till the eye loses it in the distance. From an opening in the rocks, through which the daylight filters dimly, a greenish waterfall plunges down the whole height of the grotto, foaming wildly over the rocks; out of the basin that receives the water a brook flows to the further background; it there forms into a lake, in which Naiads are seen bathing, while Sirens recline on its banks. - On both sides of the grotto are projecting cliffs, of irregular form, covered with wonderful, coral-like tropical growths. In front of an opening in the grotto, stretching upwards to the left, through which comes a soft roseate half-light, Venus reclines in the foreground on a rich couch; before her, his head in her lap, his harp by his side, is Tannhäuser, half-kneeling. The Three Graces, charmingly entwined, recline about the couch. At the side of and behind the couch are numerous sleeping Cupids, huddled together in a confused tangle, like children who, tired after play, have fallen asleep. The whole of the foreground is illuminated from below, by a magical rosy light, through which the emerald-green of the waterfall and the white foam of its waves break in strong contrast. A clear blue vapour envelopes the far background, with the banks of the lake, in a kind of moonlight. When the curtain rises, the youths, holding goblets in their hands, are still reclining on the cliffs; now, in response to the alluring signs of the Nymphs, they hasten down to these; the Nymphs have already begun, round the foaming basin of the waterfall, the inviting dance that is meant to draw the youths to them. The two groups mix together in pairs; pursuits, flights and alluring coquetries enliven the dance. From the far background comes a swarm of Bacchantes, who break through the ranks of the amorous couples, inciting them to wilder delights. By gestures of exalted intoxication the Bacchantes urge on the lovers to further abandonment. The revellers embrace each other with the most ardent passion. Satyrs and Fauns emerge from the clefts in the rocks, and thrust themselves with their dance between the Bacchantes and the pairs of lovers. They increase the confusion by chasing the Nymphs; the general tumult rises to the maddest climax. At the outburst of the greatest delirium, the three Graces rise to their feet, horror-stricken. They try to restrain the furious groups and drive them off. Impotent against them, they fear that they themselves will be drawn into the whirl; they turn to the sleeping Cupids flutter upwards and in different directions like a flock of birds, and, drawn up as it were in battle array on the heights, and commanding the whole cavern, they rain down a ceaseless shower of arrows on the tumult beneath. The wounded, seized by a powerful yearning for love, quit the mad dance and sink down in exhaustion; the Graces take possession of the wounded, and try, by disposing the revellers in pairs, to disperse them with gentle force towards the background; there the Bacchantes, Fauns, Satyrs, Nymphs and Youths withdraw, pursued in by Cupids from the heights. A rosy mist comes down, growing thicker and thicker as it descends. In it the Cupids first disappear; then it envelops the whole background, so that finally, beside Venus and Tannhäuser, only the three Graces remain visible. These now return towards the foreground; gracefully interlocked they drawn near to Venus, and apparently tell her of the victory they have won over the mad passions of the subjects of her realm. Venus gives them a grateful glance. (The thick mist in the background dissolves, revealing a cloud-picture of the Rape of Europa; she is being carried across the blue sea on the back of the garlanded white bull, escorted by Tritons and Nereids)
CHOR DER SIRENEN
(unsichtbar)

Naht euch dem Strande!
Naht euch dem Lande,
wo in den Armen
glühender Liebe
selig Erbarmen
still' eure Triebe!



Music
CHOIR OF SIRENS


Draw near the stand!
Approach the land,
where, in the arms
of glowing love,
let blissful warmth
content your desires!
Der rosige Duft schliesst sich wieder, das Bild verschwindet, und die Grazien deuten nun durch einen anmutigen Tanz den geheimnisvollen Inhalt des Bildes als ein Werk der Liebe an. Von neuem teilt sich der Duft. Man erblickt in sanfter Mondesdämmerung Leda am Waldesteiche ausgestreckt; der Schwan schwinmmt auf sie zu und birgt schmeichelnd seinen Hals an ihrem Busen Music (The rosy mist gathers again, obliterating the picture, and the Graces interpret in a graceful dance the mystic meaning of the picture as a work of love. Once more the mist dissolves. In the soft half-light of the moon, Leda is seen reclining on the banks of a woodland lake. The swan swims up to her and fawningly lays his head upon her bosom)
CHOR DER SIRENEN

Naht euch dem Strande!
Naht euch dem Lande!
CHOIR OF SIRENS

Draw near the strand!
Approach the land!
Allmählich verbleicht auch dieses Bild. Der Duft verzieht sich endlich ganz und zeigt die ganze Grotte einsam und still. Die Grazien verneigen sich schelmisch vor Venus und entfernen sich langsam nach der Liebesgrotte. Tiefste Ruhe. Unveränderte Gruppe der Venus und Tannhäusers. This picture also gradually fades away. At last the mist wholly disappears, showing the entire grotto lonely and still. The Graces smilingly make obeisance to Venus and slowly move off the grotto of love. Deepest quiet. Venus and Tannhäuser mantain their attitudes unchanged