

| (ZWEITER AUFZUG) | ||
| VIERTE SZENE | ||
| Music | (Der Landgraf und Elisabeth treten an den Balkon, um nach der Ankunft der Gäste zu sehen. Vier Edelknaben treten auf und melden an. Sie erhalten vom Landgrafen Befehl für den Empfang usw) | |
| Music | (Trompeten im Burghof) | |
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Music Music Music |
(Von hier an treten die Ritter und Grafen einzeln mit Edelfrauen und Gefolge, welches im Hintergrunde bleibt, ein und werden vom Landgrafen und von Elisabeth empfangen) | |
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CHOR DER RITTER UND EDLEN Freudig begrüssen wir die edle Halle, wo Kunst und Frieden immer nur verweil, wo lange noch der Ruf erschalle, Thüringens Fürsten, Landgraf Hermann, Heil! |
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CHOR DER EDELFRAUEN Freudig begrüssen wir die edle Halle wo Kunst und Frieden immer nur verweil, wo lange noch der Ruf erschalle, Thüringens Fürsten, Landgraf Hermann, Heil! |
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| (Die Versammelten haben alle die ihnen angewiesenen, einen grossen Halbkreis bildenden Plätze eingenommen. Der Landgraf und Elisabeth nehmen im Vordergrunde unter einem Baldachin Ehrensitze ein) | ||
| (Trompeten auf dem Theater) | ||
| Music | (Die Sänger treten auf und verneigen sich feierlich mit ritterlichem Grusse gegen die Versammlung; darauf nehmen sie in der leergelassenen Mitte des Saales die in einem engeren Halbkreise für sie bestimmten Sitze ein, Tannhäuser im Mittelgrunde rechts, Wolfram am rntgegengesetzten Ende links, der Versammlung gegenüber) | |
| (Der Landgraf erhebt sich) | ||
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LANDGRAF Gar viel und schön ward hier in dieser Halle von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen, in weisen Rätseln, wie in heitern Liedern erfreutet ihr gleich sinnig unser Herz. Wenn unser Schwert in blutig ernstern Kämpfen stritt für des deutschen Reiches Majestät, wenn wir dem grimmen Welfen widerstanden und dem verderbenvollen Zwiespalt wehrten: so ward von euch nicht minder Preis errungen. Der Anmut und der holden Sitte, der Tugend und dem reinen Glauben erstrittet ihr durch eure Kunst gar hohen, herrlich schönen Sieg. Bereitet heute uns denn auch ein Fest, heut, wo der kühne Sänger uns zurückgekehrt, den wir so ungern lang vermissten. Was wieder ihn in unsre Nähe brachte, ein wunderbar Geheimnis dünkt es mich; durch Liedes Kunst sollt ihr es uns enthüllen: deshalb stell ich die Frage jetzt an euch: könnt ihr der Liebe Wesen mir ergründen? Wer es vermag, wer sie am würdigsten besingt, dem reich' Elisabeth den Preis, er fordre ihn, so hoch und kühn er wolle, ich sorge, dass sie ihn gewähren solle! Auf, liebe Sänger! Greifet in die Saiten! Die Aufgab' ist gestellt, kämpft um den Preis, und nehmet all im voraus unsem Dank! |
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| (Trompeten auf dem Theater) | ||
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CHOR Heil! Heil! Thüringens Fürsten Heil! Der holden Kunst Beschützer, Heil! Heil! Heil! |
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| (Alle setzen sich) | ||
| (Die vier Edelknaben treten hervor, sie sammeln in einem goldenen Becher von jedem der Sänger seinen auf ein zusammengerolltes Blättchen gezeichneten Namen; - darauf reichen sie den Becher Elisabeth, welche eines der Blättchen herauszieht und es wiederum den Edelknaben reicht; diese lesen den Namen und treten dann feierlich in die Mitte) | ||
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VIER EDELKNABEN Wolfram von Eschenbach, beginne! |
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| (Sie setzen sich zu Füssen des Landgrafen und Elisabeths nieder. Wolfram erhebt sich. Tannhäuser stützt sich, wie in Träumerei verfallend, auf seine Harfe) | ||
| DER SÄNGERKRIEG | ||
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Music Music |
WOLFRAM Blick ich umher in diesem edlen Kreise, welch hoher Anblick macht mein Herz erglühn! So viel der Helden, tapfer, deutsch und weise, ein stolzer Eichwald, herrlich, frisch und grün; - und hold und tugendsam erblick ich Frauen, lieblicher Blüten düftereichsten Kranz. Es wird der Blick wohl trunken mir vom Schauen, mein Lied verstummt vor solcher Anmut Glanz. Da blick ich auf zu einem nur der Sterne, der an dem Himmel, der mich blendet, steht: - es sammelt sich mein Geist aus jeder Ferne, andächtig sinkt die Seele im Gebet. Und sieh, mir zeiget sich ein Wunderbronnen, in den mein Geist voll hohen Staunens blickt: aus ihm er schöpfet gnadenreiche Wonnen, durch die mein Herz er namenlos erquickt. Und nimmer möcht ich diesen Bronnen trüben, berühren nicht den Quell mit frevlem Mut: in Anbetung möcht ich mich opfernd üben, vergiessen froh mein letztes Herzensblut! Ihr Edlen möght in diesen Worten lesen, wie ich erkenn der Liebe reinstes Wesen. (Er setzt sich) |
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CHOR DER RITTER UND FRAUEN (in beifälliger Bewegung) So ist's! So ist's! Gepriesen sei dein Lied! |
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| (Tannhäuser fährt wie aus dem Traume auf; seine trotzige Miene nimmt sofort den Ausdruck der Entzückung an, mit welchem er in die Luft vor sich hinstarrt; ein leises Zittern der Hand, die bewusstlos nach den Saiten der Harfe sucht, ein unheimliches Lächen des Mundes zeight an, dass ein fremder Zauber sich seiner bemächligt. Als er dann, wie erwachend, kräftig in die Harfe greift, verrät seine ganze Haltung, dass er kaum mehr weiss, wo er ist und namentlich Elisabeth nicht mehr beachtet) | ||
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TANNHÄUSER O Wolfram, der du also sangest, du hast die Liebe arg entstellt; wenn du in solchem Schmachten bangest, versiegte wahrlich wohl die Welt! Zu Gottes Preis in hoch erhabne Fernen, blickt auf zum Himmel, blickt auf zu seinen Sternen: Anbetung solchen Wundern zollt, da ihr sie nicht begreifen sollt! Doch was sich der Berührung beuget, euch Herz und Sinnen nahe liegt, was sich, aus gleichem Stoff erzeuget, in weicher Formung an mich schmiegt: ich nah ihm kühn, dem Quell der Wonnen, in die kein Zagen je sich mischt, denn unversiegbar ist der Bronnen, wie mein Verlangen nie erlischt: so, dass mein Sehnen ewig brenne; lab an dem Quell ich ewig mich! und wisse, Wolfram, so erkenne der Liebe wahrstes Wesen ich. |
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| (Allgemeines Erstaunen. Elisabeth im Widerstreit mit Hinterissenheit und banger Befremdung) | ||
| (Biterolf erhebt sich schnell und zornig) | ||
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BITEROLF Heraus zum Kampfe mit uns allen! Wer bliebe ruhig, hört er dich? Wird deinem Hochmut es gefallen, so höre, Lästrer, nun auch mich! Wenn mich begeistert hohe Liebe, stählt sie die Waffen mir mit Mut; dass ewig ungeschmäht sie bliebe, vergöss' ich stolz mein letztes Blut! Für Frauenehr und hohe Tugend als Ritter kämpf ich mit dem Schwert; doch, was Genuss beut deiner Jugend, ist wohlfeil, keines Streiches wert! |
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CHOR DER RITTER UND FRAUEN (in tobendem Beifalle) Heil, Biterolf! Hier unser Schwert! |
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TANNHÄUSER (mit immer steigender Hitze auffahrend) Ha, tör'ger Prahler Biterolf! Singst du von Liebe, grimmer Wolf! Gewisslich hast du nicht gemeint, was mir geniessenswert erscheint! Was hast du, Ärmster, wohl genossen? Dein Leben war nicht liebereich, - und was von Freuden dir entsprossen, das galt wohl wahrlich keinen Streich! |
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DIE RITTER (in grösster Aufregung) Lasst ihn nicht enden! Wehret seiner Kühnheit! |
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DER LANDGRAF (zu Biterolf, der das Schwert zieht) Zurück das Schwert! lhr, Sänger, haltet Frieden! |
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Music |
WOLFRAM (erhebt sich; bei seinem Beginn tritt sogleich wieder die grösste Ruhe ein) O Himmel, lass' dich jetzt erflehen! Gib meinem Lied der Weihe Preis! Gebannt lass' mich die Sünde sehen aus diesem edlen, reinen Kreis! Dir, hohe Liebe töne begeistert mein Gesang, die mir in Engelsschöne tief in die Seele drang! Du nahst als Gottgesandte, ich folg aus holder Fern: so führst du in die Lande, wo ewig strahlt dein Stern! |
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TANNHÄUSER (springt auf, in äusserster Verzückung) Dir, Göttin der Liebe, soll mein Lied ertönen, gesungen laut sei jetzt dein Preis von mir! Dein süsser Reiz ist Quelle alles Schönen, und jedes holde Wunder stammt von dir! Wer dich mit Glut in seine Arme geschlossen, was Liebe ist, kennt der, nur der allein! Armsel'ge, die ihr Liebe nie genossen, zieht hin! Zieht in den Berg der Venus ein! |
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| (Allgemeiner Aufbruch und Entsetzen) | ||
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DER LANDGRAF UND DIE SÄNGER Ha, der Verruchte! Fliehet ihn! Hört es! Er war im Venusberg! |
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CHOR DER RITTER UND FRAUEN Ha, der Verruchte! Fliehet ihn! Hört es! Er war im Venusberg! Hinweg! Hinweg, aus seiner Näh'! |
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| (Alle Frauen verlassen in grösster Bestürzung und mit Gebärden des Abscheus die Halle. Elisabeth, die dem Streite der Sänger mit wachsender Angst zugehört hatte, bleibt von den Frauen allein zurück, - bleich, nur mit dem grössten Aufwande ihrer Kraft an einer der hölzernen Säulen des Baldachins sich aufrecht erhaltend. - Der Landgraf, alle Ritter und Sänger haben ihre Sitze verlassen und treten zusammen. - Tannhäuser, zur äussersten Linken, verbleibt noch eine Zeitlang wie in Verzückung) | ||
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DER LANDGRAF. DIE SÄNGER. CHOR DER RITTER Ihr habt's gehört! Sein frevler Mund tat das Verbrechen schrecklich kund; er hat der Hölle Lust geteilt, im Venusberg hat er geweilt! Entsetzlich! Scheusslich! Fluchenswert! In seinem Blute netzt das Schwert! Zum Höllenpfuhl zurückgesandt, sei er gefehmt, sei er gebannt! |
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| (Alle dringen mit gezücktem Schwerte auf Tannhäuser ein, welcher eine trotzige Stellung einnimmt; Elisabeth stürzt dazwischen) | ||
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ELISABETH Haltet ein! |
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| (Alle halten in grösster Betroffenheit an) | ||
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DER LANDGRAF. DIE SÄNGER. CHOR DER RITTER Was hör ich? Wie? Was seh ich? Elisabeth, die keusche Jungfrau für den Sünder? |
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ELISABETH (Tannhäuser mit ihrem Leibe deckend) Zurück! Des Todes achte ich sonst nicht! Was ist die Wunde eures Eisens gegen den Todesstoss, den ich von ihm empfing? |
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DER LANDGRAF UND DIE SÄNGER Elisabeth! Was muss ich hören? Wie liess dein Herz dich so betören, von dem die Strafe zu beschwören, der auch so furchtbar dich verriet? |
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CHOR DER RITTER Elisabeth! Wie liessest du dich so betören, von dem die Strafe zu beschwören, der auch so furchtbar dich verriet? |
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ELISABETH Was liegt an mir? Doch er, - sein Heil! Wollt ihr sein ewig Heil ihm rauben? |
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DER LANDGRAF. DIE SÄNGER CHOR DER RITTER Verworfen hat er jedes Hoffen, niemals wird ihm des Heils Gewinn! Des Himmels Fluch hat ihn getroffen! (Sie dringen von neuen auf Tannhäuser ein) in seinen Sünden fahr er hin! |
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Music Music |
ELISABETH Zurück von ihm! Nicht ihr seid seine Richter! Grausame! Werft von euch das wilde Schwert! Und gebt Gehör der reinen Jungfrau Wort! Vernehmt durch mich, was Gottes Wille ist! Der Unglücksel'ge, den gefangen ein furchtbar mächt'ger Zauber hält, wie? sollt er nie zum Heil gelangen, durch Sühn' und Buss' in dieser Welt? Die ihr so stark im reinen Glauben, verkennt ihr so des Höchsten Rat? Wollt ihr des Sünders Hoffnung rauben, so sagt, was euch er Leides tat? Seht mich, die Jungfrau, deren Blüte mit einem jähen Schlag er brach, die ihn geliebt tief im Gemüte, der jubelnd er das Herz zerstach! Ich fleh für ihn, ich flehe für sein Leben; reuvoll zur Busse lenke er den Schritt! Der Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben, dass auch für ihn einst der Erlöser litt! |
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TANNHÄUSER (nach und nach von der Höhe seiner Aufregung und seines Trotzes herabgesunken, durch Elisabeths Fürsprache auf das Heftigste ergriffen, sinkt in Zerknirschung zusammen) Weh! Weh mir Unglücksel'gem! |
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Music |
DER LANDGRAF UND DIE SÄNGER (allmählich beruhigt und gerührt) Ein Engel stieg aus lichtem Äther, zu künden Gottes heil'gen Rat! |
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Blick hin, du schändlicher Verräter! Werd inne deiner Missetat! Du gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben! Wer bliebe rauh, hört er des Engels Flehn? Darf ich auch nicht dem Schuldigen vergeben, dem Himmelswort kann nicht ich widerstehn! |
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CHOR DER RITTER Blick hin! Blick hin, du schändlicher Verräter! Blick hin auf sie! Du gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben! Wer bliebe rauh, hört er des Engels Flehn? Darf ich auch nie dem Schuldigen vergeben, dem Engelswort darf nicht ich widerstehn! |
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Music |
TANNHÄUSER Zum Heil den Sündigen zu führen, die Gottgesandte nahte mir; doch ach! sie frevelnd zu berühren, hob ich den Lästerblick zu ihr! O du, hoch über diesen Erdengründen, die mir den Engel meines Heils gesandt! Erbarm dich mein, der, ach! so tief in Sünden, schmachvoll des Himmels Mittlerin verkannt! Erbarm dich mein! Erbarm dich mein! Ach, erbarm dich mein! |
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Music |
ELISABETH Ich fleh' für ihn, ich flehe für sein Leben! Der Mut des Glaubens sei ihm neu gegeben, dass auch für ihn einst der Erlöser litt! |
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| (Der Landgraf tritt feierlich in die Mitte) | ||
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LANDGRAF Ein furchtbares Verbrechen ward begangen; es stahl mit heuchlerischer Larve sich zu uns der Sünde fluchbeladner Sohn! Wir stossen dich von uns, bei uns darfst du nicht weilen! Schmachbefleckt ist unser Herd durch dich, und dräuend blickt der Himmel selbst auf dieses Dach, das dich zu lang schon birgt! Zur Rettung doch vor ewigem Verderben steht offen dir ein Weg: von mir dich stossend, zeig ich ihn dir: nütz ihn zu deinem Heil! Versammelt sind aus meinen Landen bussfert'ge Pilger, stark an Zahl; die ältren schon voran sich wandten, die jüngern rasten noch im Tal. Nur um geringer Sünde willen ihr Herz nicht Ruhe ihnen lässt; der Busse frommen Drang zu stillen, ziehn sie nach Rom zum Gnadenfest. |
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Music |
DER LANDGRAF. DIE SÄNGER. CHOR DER RITTER Mit ihnen sollst du wallen zur Stadt der Gnadenhuld, im Staub dort niederfallen und büssen deine Schuld; vor ihm stürz dich darnieder, der Gottes Urteil spricht! Doch kehre niemals wieder, ward dir sein Segen nicht! |
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Musst unsre Rache weichen, weil sie ein Engel brach, dies Schwert wird dich erreichen, harrst du in Sünd' und Schmach! |
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ELISABETH Lass' hin zu dir ihn wallen, du Gott der Gnad' und Huld! Ihm, der so tief gefallen, vergib der Sünden Schuld! Für ihn nur will ich flehen, mein Leben sei Gebet! Lass ihn dein Leuchten sehen, eh' er in Nacht vergeht! Mit freudigem Erbeben lass' dir ein Opfer weihn; nimm hin, o! nimm mein Leben! Ich nenn es nicht mehr mein! |
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Music |
TANNHÄUSER Wie soll ich Gnade finden? Wie büssen meine Schuld? Mein Heil sah ich entschwinden, mich flieht des Himmels Huld! Doch will ich büssend wallen, zerschlagen meine Brust, im Staube niederfallen; Zerknirschung sei mir Lust! O, dass nur er versöhnet, der Engel meiner Not, der sich, so frech verhöhnet, zum Opfer doch mir bot! |
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CHOR DER JÜNGEREN PILGER (im Hintergrunde, tief, wie aus dem Tale heraufschallend) Am hohen Fest der Gnad' und Huld, in Demut sühn ich meine Schuld. Gesegnet, wer im Glauben treu! Er wird erlöst durch Büss' und Reu'. |
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| (Alle haben unwillkürlich ihre Gebärden gemässigt; Elisabeth, wie um Tannhäuser nochmals zu schützen, hatte sich den von neuem Andringenden entgegengestellt; sie verwiest jetzt auf den verheissungsvollen Gesang der jungen Pilger. - Tannhäuser hält plötzlich in den Bewegungen der leidenschaftlichsten Zerknirschung ein und lauscht dem Gesange) | ||
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TANNHÄUSER (Ein jäher Hoffnungsstrahl leuchtet ihm, er stürzt sich mit krampfhafter Heftigkeit zu Elisabeth Füssen küsst inbrünstig hastig den Saum ihrer Gewandes und bricht dann, von ungeheurer Erregung taumelnd, auf mit dem Rufe:) Nach Rom! |
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ALLE (rufen ihm nach:) Nach Rom! |
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| (Der Vorhang fällt) |