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ZWEITE SZENE Die Vorigen. Tristan. Kurwenal. Schiffswolk. Ritter und Knappen. |
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| (Man blickt dem Schiff entlang bis zum Steuerbord, über den Bord hinaus auf das Meer und den Horizont. Um den Hauptmast in der Mitte ist Seevolk, mit Tauen beschäftigt, gelagert; über sie hinaus gewahrt man am Steuerbord Ritter und Knappen, ebenfalls gelagert; von ihnen etwas entfernt Tristan, mit verschränkten Armen stehend, und sinnend in das Meer blickend; zu Füssen ihm, nachlässig gelagert, Kurwenal) | |
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Vom Maste her, aus der Höhe, vernimmt man wieder die STIMME DES JUNGEN SEEMANNS Frisch weht der Wind der Heimat zu: mein irisch Kind, wo weilest du? Sind's deiner Seufzer Wehen, die mir die Segel blähen? Wehe, wehe, du Wind! Weh, ach wehe, mein Kind! |
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Music Music |
ISOLDE (deren Blick sogleich Tristan fand und starr auf ihn geheftet blieb, dumpf für sich) Mir erkoren, mir verloren, hehr und heil, kühn und feig! Todgeweihtes Haupt! Todgeweihtes Herz! (zu Brangäne, unheimlich lachend) Was hältst du von dem Knechte? |
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BRANGÄNE (ihrem Blicke folgend) Wen meinst du? |
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ISOLDE Dort den Helden, der meinem Blick den seinen birgt, in Scham und Scheue abwärts schaut. Sag, wie dünkt er dich? |
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BRANGÄNE Frägst du nach Tristan, teure Frau? dem Wunder aller Reiche, dem hochgepriesnen Mann, dem Helden ohne Gleiche, des Ruhmes Hort und Bann? |
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ISOLDE (sie verhöhnend) Der zagend vor dem Streiche sich flüchtet, wo er kann, weil eine Braut er als Leiche für seinen Herrn gewann! Dünkt es dich dunkel, mein Gedicht? Frag ihn denn selbst, den freien Mann, ob mir zu nahn er wagt? Der Ehren Gruss und zücht'ge Acht vergisst der Herrin der zage Held, dass ihr Blick ihn nur nicht erreiche, den Helden ohne Gleiche! Oh, er weiss wohl, warum! Zu dem Stolzen geh, meld ihm der Herrin Wort! Meinem Dienst bereit, schleunig soll er mir nahn. |
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BRANGÄNE Soll ich ihn bitten, dich zu grüssen? |
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ISOLDE Befehlen liess dem Eigenholde Furcht der Herrin ich, Isolde! |
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| (Auf Isoldes gebieterischen Wink entfernt sich Brangäne und schreitet verschämt dem Deck entlang dem Steuerbord zu, an den arbeitenden Seeleuten vorbei. Isolde, mit starrem Blicke ihr folgend, zieht sich rücklings nach dem Ruhebett zurück, wo sie sitzend während des Folgenden bleibt, das Auge unabgewandt nach dem Steuerbord gerichtet) | |
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KURWENAL (der Brangäne kommen sieht, zupft, ohne sich zu erheben, Tristan am Gewande) Hab acht, Tristan! Botschaft von Isolde. |
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TRISTAN (auffahrend) Was ist? Isolde? - (Er fasst sich schnell, als Brangäne vor ihm anlangt und sich verneigt) Von meiner Herrin? Ihr gehorsam, was zu hören meldet höfisch mir die traute Magd? |
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BRANGÄNE Mein Herre Tristan, euch zu sehen wünscht Isolde, meine Frau. |
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TRISTAN Grämt sie die lange Fahrt, die geht zu End'; eh' noch die Sonne sinkt, sind wir am Land. Was meine Frau mir befehle, treulich sei's erfüllt. |
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BRANGÄNE So mög Herr Tristan zu ihr gehn: das ist der Herrin Will'. |
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TRISTAN Wo dort die grünen Fluren dem Blick noch blau sich färben, harrt mein König meiner Frau: zu ihm sie zu geleiten, bald nah ich mich der Lichten: keinem gönnt' ich diese Gunst. |
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BRANGÄNE Mein Herre Tristan, höre wohl: deine Dienste will die Frau, dass du zur Stell ihr nahtest dort, wo sie deiner harrt. |
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TRISTAN Auf jeder Stelle, wo ich steh, getreulich dien ich ihr, der Frauen höchster Ehr'; liess ich das Steuer jetzt zur Stund', wie lenkt' ich sicher den Kiel zu König Markes Land? |
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BRANGÄNE Tristan, mein Herre! Was höhnst du mich? Dünkt dich nicht deutlich die tör'ge Magd, hör meiner Herrin Wort! So, hiess sie, sollt ich sagen: Befehlen liess dem Eigenholde Furcht der Herrin sie, Isolde. |
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KURWENAL (aufspringend) Darf ich die Antwort sagen? |
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TRISTAN (ruhig) Was wohl erwidertest du? |
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KURWENAL Das sage sie der Frau Isold'! Wer Kornwalls Kron' und Englands Erb' an Irlands Maid vermacht, der kann der Magd nicht eigen sein, die selbst dem Ohm er schenkt. Ein Herr der Welt Tristan der Held! Ich ruf's: du sag's, und grollten mir tausend Frau Isolden! (Da Tristan durch Gebärden ihm zu wehren sucht und Brangäne entrüstet sich zum Weggehen wendet, singt Kurwenal der zögernd sich Entfernenden mit höchster Stärke nach:) "Herr Morold zog zu Meere her, in Kornwall Zins zu haben; ein Eiland schwimmt auf ödem Meer, da liegt er nun begraben! Sein Haupt doch hängt im Irenland, als Zins gezahlt von Engeland: hei! unser Held Tristan, wie der Zins zahlen kann!" |
| (Kurwenal, von Tristan fortgescholten, ist in den Schiffsraum hinabgestiegen; Brangäne in Bestürzung zu Isolde zurückgekehrt, schliesst hinter sich die Vorhänge, während die ganze Mannschaft aussen sich hören lässt) | |
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ALLE MÄNNER "Sein Haupt doch hängt im Irenland, als Zins gezahlt von Engeland: hei! unser Held Tristan, wie der Zins zahlen kann!" |