

| (ZWEITER AUFZUG) | ||
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ZWEITE SZENE Tristan und Isolde |
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TRISTAN (stürzt herein) Isolde! Geliebte! |
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ISOLDE (ihm entgegenspringend) Tristan! Geliebter! |
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| (Stürmische Umarmungen beider, unter denen sie in den Vordergrund gelangen) | ||
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ISOLDE Bist du mein? |
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TRISTAN Hab ich dich wieder? |
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ISOLDE Darf ich dich fassen? |
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TRISTAN Kann ich mir trauen? |
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ISOLDE Endlich! Endlich! |
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TRISTAN An meiner Brust! |
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ISOLDE Fühl ich dich wirklich? |
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TRISTAN Seh' ich dich selber? |
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ISOLDE Dies deine Augen? |
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TRISTAN Dies dein Mund? |
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ISOLDE Hier deine Hand? |
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TRISTAN Hier dein Herz? |
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ISOLDE Bin ich's? Bist du's? Halt ich dich fest? |
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TRISTAN Bin ich's? Bist du's? Ist es kein Trug? |
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BEIDE Ist es kein Traum? O Wonne der Seele, o süsse, hehrste, kühnste, schönste, seligste Lust! |
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TRISTAN Ohne Gleiche! |
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ISOLDE Überreiche! |
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TRISTAN Überselig! |
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ISOLDE Ewig! |
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TRISTAN Ewig! |
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ISOLDE Ungeahnte, nie gekannte! |
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TRISTAN Überschwenglich hoch erhabne! |
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ISOLDE Freudejauchzen! |
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TRISTAN Lustentzücken! |
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ISOLDE Himmelhöchstes Weltentrücken! Mein! Tristan mein! Mein und dein! Ewig, ewig ein! |
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TRISTAN Himmelhöchstes Weltentrücken! Mein! Isolde mein! Mein und dein! Ewig, ewig ein! |
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ISOLDE Wie lange fern! Wie fern so lang! |
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TRISTAN Wie weit so nah! So nah wie weit! |
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ISOLDE O Freundesfeindin, böse Ferne! Träger Zeiten zögernde Länge! |
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TRISTAN O Weit' und Nähe! Hart entzweite! Holde Nähe! Öde Weite! |
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ISOLDE Im Dunkel du, im Lichte ich! |
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Music |
TRISTAN Das Licht! Das Licht! O dieses Licht, wie lang verlosch es nicht! Die Sonne sank, der Tag verging, doch seinen Neid erstickt' er nicht: sein scheuchend Zeichen zündet er an, und steckt's an der Liebsten Türe, dass nicht ich zu ihr führe. |
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ISOLDE Doch der Liebsten Hand löschte das Licht; wes die Magd sich wehrte, scheut' ich mich nicht: in Frau Minnes Macht und Schutz bot ich dem Tage Trutz! |
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TRISTAN Dem Tage! dem Tage! dem tückischen Tage, dem härtesten Feinde Hass und Klage! Wie du das Licht, o könnt' ich die Leuchte, der Liebe Leiden zu rächen, dem frechen Tage verlöschen! Gibt's eine Not, gibt's eine Pein, die er nicht weckt mit seinem Schein? Selbst in der Nacht dämmernder Pracht hegt ihn Liebchen am Haus, streckt mir drohend ihn aus! |
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ISOLDE Hegt ihn die Liebste am eignen Haus, im eignen Herzen hell und kraus, hegt' ihn trotzig einst mein Trauter: Tristan, - der mich betrog! War's nicht der Tag, der aus ihm log, als er nach Irland werbend zog, für Marke mich zu frein, dem Tod die Treue zu weihn. |
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TRISTAN Der Tag! Der Tag, der dich umgliss, dahin, wo sie der Sonne glich, in höchster Ehren Glanz und Licht Isolde mir entrückt'! Was mir das Auge so entzückt', mein Herze tief zur Erde drückt': in lichten Tages Schein wie war Isolde mein? |
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ISOLDE War sie nicht dein, die dich erkor? Was log der böse Tag dir vor, dass, die für dich beschieden, die Traute du verrietest? |
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TRISTAN Was dich umgliss mit hehrster Pracht, der Ehre Glanz, des Ruhmes Macht, an sie mein Herz zu hangen, hielt mich der Wahn gefangen. Die mit des Schimmers hellstem Schein mir Haupt und Scheitel licht beschien, der Welten-Ehren Tages-Sonne, mit ihrer Strahlen eitler Wonne, durch Haupt und Scheitel drang mir ein, bis in des Herzens tiefsten Schrein. Was dort in keuscher Nacht dunkel verschlossen wacht', was ohne Wiss' und Wahn ich dämmernd dort empfahn: ein Bild, das meine Augen zu schaun sich nicht getrauten, von des Tages Schein betroffen lag mir's da schimmernd offen. Was mir so rühmlich schien und hehr, das rühmt ich hell vor allem Heer; vor allem Volke pries ich laut der Erde schönste Königsbraut. Dem Neid, den mir der Tag erweckt'; dem Eifer, den mein Glücke schreckt'; der Missgunst, die mir Ehren und Ruhm begann zu schweren: denen bot ich Trotz, und treu beschloss, um Ehr' und Ruhm zu wahren, nach Irland ich zu fahren. |
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ISOLDE O eitler Tagesknecht! Getäuscht von ihm, der dich getäuscht, wie musst' ich liebend um dich leiden, den, in des Tages falschem Prangen, von seines Gleissens Trug befangen, dort wo ihn Liebe heiss umfasste, im tiefsten Herzen hell ich hasste. Ach, in des Herzens Grunde, wie schmerzte tief die Wunde! Den dort ich heimlich barg, wie dünkt' er mich so arg, wenn in des Tages Scheine der treu gehegte eine der Liebe Blicken schwand, als Feind nur vor mir stand! Das als Verräter dich mir wies, dem Licht des Tages wollt' ich entfliehn, dorthin in die Nacht dich mit mir ziehn, wo der Täuschung Ende mein Herz mir verhiess; wo des Trugs geahnter Wahn zerrinne; dort dir zu trinken ew'ge Minne, mit mir dich im Verein wollt' ich dem Tode weihn. |
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TRISTAN In deiner Hand den süssen Tod, als ich ihn erkannt, den sie mir bot; als mir die Ahnung hehr und gewiss zeigte, was mir die Sühne verhiess: da erdämmerte mild erhabner Macht im Busen mir die Nacht; mein Tag war da vollbracht. |
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ISOLDE Doch ach, dich täuschte der falsche Trank, dass dir von neuem die Nacht versank: dem einzig am Tode lag, den gab er wieder dem Tag! |
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TRISTAN O Heil dem Tranke! Heil seinem Saft! Heil seines Zaubers hehrer Kraft! Durch des Todes Tor, wo er mir floss, weit und offen er mir erschloss, darin ich sonst nur träumend gewacht, das Wunderreich der Nacht. Von dem Bild in des Herzens bergendem Schrein scheucht er des Tages täuschenden Schein, dass nachtsichtig mein Auge wahr es zu sehen tauge. |
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ISOLDE Doch es rächte sich der verscheuchte Tag; mit deinen Sünden Rat's er pflag; was dir gezeigt die dämmernde Nacht, an des Taggestirnes Königsmacht musstest du's übergeben, um einsam in öder Pracht schimmernd dort zu leben. Wie ertrug ich's nur? Wie ertrag ich's noch? |
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TRISTAN O nun waren wir Nachtgeweihte! Der tückische Tag, der Neidbereite, trennen konnt uns sein Trug, doch nicht mehr täuschen sein Lug! Seine eitle Pracht, seinen prahlenden Schein verlacht, wem die Nacht den Blick geweiht: seines flackernden Lichtes flüchtige Blitze blenden uns nicht mehr. Wer des Todes Nacht liebend erschaut, wem sie ihr tief Geheimnis vertraut: des Tages Lügen, Ruhm und Ehr', Macht und Gewinn, so schimmernd hehr, wie eitler Staub der Sonnen sind sie vor dem zersponnen! In des Tages eitlem Wähnen bleibt ihm ein einzig Sehnen - das Sehnen hin zur heil'gen Nacht, wo urewig, einzig wahr Liebeswonne ihm lacht! |
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| Music | (Tristan zieht Isolde sanft zur Seite auf eine Blumenbank nieder, senkt sich vor ihr auf die Knie und schmiegt sein Haupt in ihren Arm) | |
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Music |
BEIDE O sink hernieder, Nacht der Liebe, gib Vergessen, dass ich lebe; nimm mich auf in deinen Schoss, löse von der Welt mich los! |
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TRISTAN Verloschen nun die letzte Leuchte; |
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ISOLDE was wir dachten, was uns deuchte; |
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TRISTAN all Gedenken - |
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ISOLDE all Gemahnen - |
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BEIDE heil'ger Dämm'rung hehres Ahnen löscht des Wähnens Graus welterlösend aus. |
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ISOLDE Barg im Busen uns sich die Sonne, leuchten lachend Sterne der Wonne. |
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TRISTAN Von deinem Zauber sanft umsponnen, vor deinen Augen süss zerronnen; |
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Music |
ISOLDE Herz an Herz dir, Mund an Mund; |
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TRISTAN eines Atems ein'ger Bund; - |
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BEIDE bricht mein Blick sich wonn'-erblindet, erbleicht die Welt mit ihrem Blenden: |
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ISOLDE die uns der Tag trügend erhellt, |
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TRISTAN zu täuschendem Wahn entgegengestellt, |
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Music |
BEIDE selbst dann bin ich die Welt: Wonne-hehrstes Weben, Liebe-heiligstes Leben, Niewiedererwachens wahnlos hold bewusster Wunsch. |
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| (Tristan und Isolde versinken wie in gänzliche Entrücktheit, in der sie, Haupt an Haupt auf die Blumenbank zurückgelehnt, verweilen) | ||
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BRANGÄNES STIMME (von der Zinne her) Einsam wachend in der Nacht, wem der Traum der Liebe lacht, hab der einen Ruf in acht, die den Schläfern Schlimmes ahnt, bange zum Erwachen mahnt. Habet acht! Habet acht! Bald entweicht die Nacht. |
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| Music | ||
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ISOLDE (leise) Lausch, Geliebter! |
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TRISTAN (ebenso) Lass mich sterben! |
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ISOLDE (allmählich sich ein wenig erhebend) Neid'sche Wache! |
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TRISTAN (zurückgelehnt bleibend) Nie erwachen! |
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ISOLDE Doch der Tag muss Tristan wecken? |
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TRISTAN (ein wenig das Haupt erhebend) Lass den Tag dem Tode weichen! |
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ISOLDE Tag und Tod, mit gleichen Streichen, sollten unsre Lieb' erreichen? |
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TRISTAN (sich mehr aufrichtend) Unsre Liebe? Tristans Liebe? Dein' und mein', Isoldes Liebe? Welches Todes Streichen könnte je sie weichen? Stünd' er vor mir, der mächt'ge Tod, wie er mir Leib und Leben bedroht, die ich so willig der Liebe lasse, wie wäre seinen Streichen die Liebe selbst zu erreichen? (immer inniger mit dem Haupt sich an Isolde schmiegend) Stürb ich nun ihr, der so gern ich sterbe, wie könnte die Liebe mit mir sterben, die ewig lebende mit mir enden? Doch, stürbe nie seine Liebe, wie stürbe dann Tristan seiner Liebe? |
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ISOLDE Doch unsre Liebe, heisst sie nicht Tristan und - Isolde? Dies süsse Wörtlein: und, was es bindet, der Liebe Bund, wenn Tristan stürb, zerstört' es nicht der Tod? |
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TRISTAN Was stürbe dem Tod, als was uns stört, was Tristan wehrt, Isolde immer zu lieben, ewig ihr nur zu leben? |
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ISOLDE Doch dieses Wörtlein: und, - wär' es zerstört, wie anders als mit Isoldes eignem Leben wär' Tristan der Tod gegeben? |
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| (Tristan zieht, mit bedeutungsvoller Gebärde, Isolde sanft an sich) | ||
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TRISTAN So starben wir, um ungetrennt, ewig einig ohne End', ohn' Erwachen, ohn' Erbangen, namenlos in Lieb' umfangen, ganz uns selbst gegeben, der Liebe nur zu leben! |
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Music |
ISOLDE (wie in sinnender Entrücktheit zu ihm aufblickend) So stürben wir, um ungetrennt, - |
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TRISTAN ewig einig ohne End', - |
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ISOLDE ohn' Erwachen, - |
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TRISTAN ohn' Erbangen, - |
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BEIDE namenlos in Lieb' umfangen, ganz uns selbst gegeben, der Liebe nur zu leben! |
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| (Isolde neigt wie überwältigt das Haupt an seine Brust) | ||
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BRANGÄNES STIMME (wie vorher) Habet acht! Habet acht! Schon weicht dem Tag die Nacht. |
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TRISTAN (lächelnd zu Isolde geneigt) Soll ich lauschen? |
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ISOLDE (schwärmerisch zu Tristan aufblickend) Lass mich sterben! |
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TRISTAN Muss ich wachen? |
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ISOLDE Nie erwachen! |
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TRISTAN Soll der Tag noch Tristan wecken? |
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ISOLDE Lass den Tag dem Tode weichen! |
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TRISTAN Des Tages Dräuen nun trotzten wir so? |
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ISOLDE (mit wachsender Begeisterung) Seinem Trug ewig zu fliehn! |
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TRISTAN Sein dämmernder Schein verscheuchte uns nie? |
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ISOLDE (mit grosser Gebärde ganz sich erhebend) Ewig währ uns die Nacht! |
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| (Tristan folgt ihr, sie umfangen sich in schwärmerischer Begeisterung) | ||
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Music Music |
BEIDE O ew'ge Nacht, süsse Nacht! Hehr erhabne Liebesnacht! Wen du umfangen, wem du gelacht, wie wär' ohne Bangen aus dir er je erwacht? Nun banne das Bangen, holder Tod, sehnend verlangter Liebestod! In deinen Armen, dir geweiht, urheilig Erwarmen, von Erwachens Not befreit! Wie sie fassen, wie sie lassen, diese Wonne, Fern der Sonne, fern der Tage Trennungsklage! Ohne Wähnen sanftes Sehnen; ohne Bangen süss Verlangen; ohne Wehen hehr Vergehen; ohne Schmachten hold Umnachten; ohne Meiden, ohne Scheiden, traut allein, ewig heim, in ungemessnen Räumen übersel'ges Träumen. |
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TRISTAN Tristan du, ich Isolde, nicht mehr Tristan! |
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ISOLDE Du Isolde, Tristan ich, nicht mehr Isolde! |
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BEIDE Ohne Nennen, ohne Trennen, neu Erkennen, neu Entbrennen; endlos ewig, ein-bewusst: heiss erglühter Brust höchste Liebeslust! (Sie bleiben in verzückter Stellung) |