

| (ERSTER AUFZUG) | (ACT ONE) | |
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ZWEITE SZENE (Sieglinde fährt plötzlich auf, lauscht und hört Hunding, der sein Ross aussen zum Stall führt. Sie geht hastig zur Tür und öffnet; Hunding, gewaffnet sein Schild und Speer, tritt ein und hält unter der Tür, als er Siegmund gewahrt. Hunding wendet sich mit einem ernst fragenden Blick an Sieglinde) |
Music Music |
SCENE TWO |
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SIEGLINDE (dem Blicke Hundings entgehend) Müd am Herd fand ich den Mann: Not führt' ihn ins Haus. |
SIEGLINDE I found this man exausted, by our fireplace. Distress led him into our house. |
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HUNDING Du labtest ihn? |
HUNDING Did you look after him? |
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SIEGLINDE Den Gaumen letzt' ich ihm, gastlich sorgt' ich sein! |
SIEGLINDE I refreshed his lips; I treated him as a guest. |
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SIEGMUND (der ruhig und fest Hunding beobachtet) Dach und Trank dank' ich ihr: willst du dein Weib drum schelten? |
SIEGMUND For shelter and a drink I have her to thank. You won't scold your wife for that? |
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HUNDING Heilig ist mein Herd: - heilig sei dir mein Haus! (er legt seine Waffen ab und übergibt sie Sieglinde) (zu Sieglinde) Rüst' uns Männern das Mahl! |
HUNDING My hearth is holy. Treat my house as holly too. Serve the meal for us men. |
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| (Sieglinde hängt die Waffen an Ästen des Eschenstammes auf, dann holt sie Speise und Trank aus dem Speicher und rüstet auf dem Tische das Nachtmahl. - Unwillkürlich heftet sie wieder den Blick auf Siegmund) | ||
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HUNDING (misst scharf und verwundert Siegmunds Züge, die er mit denen seiner Frau vergleicht; für sich:) Wie gleicht er dem Weibe! Der gleissende Wurm glänzt auch ihm aus dem Auge. (Er birgt sein Befremden und wendet sich wie unbefangen zu Siegmund) Weit her, traun, kamst du des Wegs; ein Ross nicht ritt, der Rast hier fand: welch schlimme Pfade schufen dir Pein? |
HUNDING How like my wife he is! That snaky shiftiness gleams out of his eyes as well. From far away, I expect, you've come on your travels. You weren't on horseback when you stopped here. What rough tracks caused your weariness? |
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SIEGMUND Durch Wald und Wiese, Heide und Hain, jagte mich Sturm und starke Not: nicht kenn' ich den Weg, den ich kam. Wohin ich irrte, weiss ich noch minder: Kunde gewänn' ich des gern. |
SIEGMUND Through forests and fields, heaths and thickets I was chased by storms and deep distress. I don't know the way that I came. Where I've strayed to I know still less: I'd be glad to find out. |
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HUNDING (am Tisch, und Siegmund den Sitz bietend) Des Dach dich deckt, des Haus dich hegt, Hunding heisst der Wirt; wendest von hier du nach West den Schritt, in Höfen reich hausen dort Sippen, die Hundings Ehre behüten. Gönnt mir Ehre mein Gast, wird sein Name nun mir gennant. |
HUNDING The roof that shelters you, the house that protects you, have Hunding for landlord. When you leave here and travel west, in wealthy estates there dwell the kinsmen who guard Hunding's honour; if my guest respects my honour, he will tell me his name. |
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| (Siegmund, der sich am Tisch niedergesetzt, blickt nachdenklich vor sich hin. Sieglinde, die sich neben Hunding, Siegmund gegenüber, gesetzt, heftet ihr Auge mit auffallender Teilnahme und Spannung auf diesen.) | ||
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HUNDING (der beide beobachtet) Trägst du Sorge, mir zu vertraun, der Frau hier gib doch Kunde: sieh, wie gierig sie dich frägt! |
HUNDING If you are wary of confiding in me, tell your tale to my wife here: look how greedily she questions you! |
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SIEGLINDE (unbefangen und teilnahmsvoll) Gast, wer du bist, wüsst' ich gern. |
SIEGLINDE I'd be glad to know, guest, who you are. |
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SIEGMUND (blickt auf, sieht ihr in das Auge und beginnt ernst) Friedmund darf ich nicht heissen; Frohwalt möcht' ich wohl sein: doch Wehwalt musst ich mich nennen. Wolfe, der war mein Vater; zu zwei kam ich zur Welt, eine Zwillingsschwester und ich. Früh schwanden mir Mutter und Maid. Die mich gebar, und die mit mir sie barg, kaum hab' ich je sie gekannt. Wehrlich und stark war Wolfe; der Feinde wuchsen ihm viel. Zum Jagen zog mit dem Jungen der Alte: Von Hetze und Harst einst kehrten wir heim: da lag das Wolfsnest leer. Zu Schutt gebrannt der prangende Saal, zum Stumpf der Eiche blühender Stamm; erschlagen der Mutter mutiger Leib, verschwunden in Gluten der Schwester Spur: uns schuf die herbe Not der Neidinge harte Schar. Geächtet floh der Alte mit mir; lange Jahre lebte der Junge mit Wolfe im wilden Wald: manche Jagd ward auf sie gemacht; doch mutig wehrte das Wolfspaar sich. (zu Hunding gewandt) Ein Wölfing kündet dir das, den als "Wölfing" mancher wohl kennt. |
SIEGMUND I can't call myself "Peaceful"; I wish I were called "Cheerful"; but "Woeful" has to be my name. "Wolf" was my father; I come into the world one of two, I and twin sister. Prematurely I was bereft of mother and sister: she who bore me and she who was born with me, I hardly knew eiter of them. Warlike and strong was Wolf, enemies he gained in plenty. The old man went out hunting with the young one. From scrapping and harrying we came home one day: there stood the Wolf's lair empty. Burnt to ashes was our fine living-room, down to the stump the oaktree's flourishing trunk; slaughtered lay my mother's brave body, vanished in the flames was all trace of my sister. This harsh fate was dealt us by a cruel gang of ruffians. Outlawed we escaped, the old man and I: many years of my youth I passed with Wolf in the wild wood. Many a chase they made after us. But we two Wolves defended ourselves bravely. A "Wolf-cub" tells you this, and as "Wolf-cub" I'm known to many folk. |
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HUNDING Wunder und wilde Märe kündest du, kühner Gast, Wehwalt - der Wölfing! Mich dünkt, von dem wehrlichen Paar vernahm ich dunkle Sage, kannt' ich auch Wolfe und Wölfing nicht. |
HUNDING Strange and brutal tales you tell us, bold guest, "Woeful" the "Wolf-cub"! I fancy of that warlike couple I have heard dark tales, though I never knew "Wolf" or "Wolf-cub". |
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SIEGLINDE Doch weiter künde, Fremder: wo weilt dein Vater jetzt? |
SIEGLINDE Do tell us more, stranger: where is your father now? |
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SIEGMUND Ein starkes Jagen auf uns stellten die Neidinge an: der Jäger viele fielen den Wölfen, in Flucht durch den Wald trieb sie das Wild. Wie Spreu zerstob uns der Feind. Doch ward ich vom Vater versprengt; seine Spur verlor ich, je länger ich forschte: eines Wolfes Fell nur traf ich im Forst; leer lag das vor mir, den Vater fand ich nicht. Aus dem Wald trieb es mich fort; mich drängt' es zu Männern und Frauen. Wieviel ich traf, wo ich sie fand, ob ich um Freund', um Frauen warb, immer doch war ich geächtet: Unheil lag auf mir. Was Rechtes je ich riet, andern dünkte es arg, was schlimm immer mir schien, andre gaben ihm Gunst. In Fehde fiel ich, wo ich mich fand, Zorn traf mich, wohin ich zog; gehrt' ich nach Wonne, weckt' ich nur Weh': drum musst' ich mich Wehwalt nennen; des Wehes waltet' ich nur. (Er sieht zu Sieglinde auf und gewahrt ihren teilnehmenden Blick). |
SIEGMUND Those ruffians started a fierce attack on us: many of the pursuers fell to the "Wolves"; in flight through the forest we drove our quarry. Our enemies vanished like chaff. But I was separated from my father. I lost track of him the more I sought him. Only a wolfskin I found in the forest. It lay empty before me. I did not find my father. I had to leave the woodland; I was drawn to men and women. But though I met many, wherever I found them, whether sought friends, or courted women, I was always unpopular. Bad luck dogged me. Whatever I thought right seemed bad to others; whatever seemed wrong to me, other approved of. I ran into feuds wherever I found myself, I met disfavour wherever I went; if I hankered for happiness, I only stirred up misery; so I had to be called "Woeful": Woe is all I possess. |
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HUNDING Die so leidig Los dir beschied, nicht liebte dich die Norn': froh nicht grüsst dich der Mann, dem fremd als Gast du nahst. |
HUNDING She who granted you a wretched fate, the Norn, did not love you. No man enjoys meeting you when, being a stranger, you ask his hospitality. |
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SIEGLINDE Feige nur fürchten den, der waffenlos einsam fährt! - Künde noch, Gast, wie du im Kampf zuletzt die Waffe verlorst! |
SIEGLINDE Only cowards fear the man who travels alone and unarmed. Tell us more, visitor, of how in battle you finally lost your arms. |
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SIEGMUND (immer lebhafter) Ein trauriges Kind rief mich zum Trutz: vermählen wollte der Magen Sippe dem Mann ohne Minne die Maid. Wider den Zwang zog ich zum Schutz, der Dränger Tross traf ich im Kampf: dem Sieger sank der Feind. Erschlagen lagen die Brüder: die Leichen umschlang da die Maid, den Grimm verjagt' ihr der Gram. Mit wilder Tränen Flut betroff sie weinend die Wal: um des Mordes der eignen Brüder klagte die unsel'ge Braut. Der Erschlagnen Sippen stürmten daher; übermächtig ächzten nach Rache sie; rings um die Stätte ragten mir Feinde. Doch von der Wal wich nicht die Maid; mit Schild und Speer schirmt' ich sie lang', bis Speer und Schild im Harst mir zerhaun. Wund und waffenlos stand ich - sterben sah ich die Maid: mich hetzte das wütende Heer - auf den Leichen lag sie tot. (mit einem Blicke voll schmerzlichen Feuers auf Sieglinde) Nun weisst du, fragende Frau, warum ich Friedmund nicht heisse! |
Music |
SIEGMUND A child in distress called an me for help. She was pushed by her family into marriage with a man the girl did not love. Against their compulsion I came to her help; I met the crowd of oppressors in battle. The enemy fell and I won. Her brothers lay there dead, the girl embraced their corpses; the sorrow banished her anger. In a flood of wild tears she gazed weeping at the carnage. The murder of her own brothers the wretched bride lamented. The kinsmen of the slain rushed to the spot; in great numbers they thirsted for vengeance. All round the dwelling enemies rose against me. But from the battlefield the girl would not move. With spear and shield I protected her for a long time until my spear and shield were cut from me in the flight. Wounded and unarmed I stood; I saw the girl die. The furious crowd hunted me; she lay dead upon the corpses. Woman, you asked; now you know why I am not called "Peaceful". |
| (Er steht auf und schreitet auf den Herd zu. Sieglinde blickt erbleicht und tief erschüttert zu Boden) | Music | |
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HUNDING (erhebt sich, sehr finster) Ich weiss ein wildes Geschlecht, nicht heilig ist ihm, was andern hehr: verhasst ist es allen und mir. Zur Rache ward ich gerufen, Sühne zu nehmen für Sippenblut: zu spät kam ich, und kehrte nun heim, des flücht'gen Frevlers Spur im eignen Haus zu erspähn. - Mein Haus hütet, Wölfing, dich heut'; für die Nacht nahm ich dich auf; mit starker Waffe doch wehre dich morgen; zum Kampfe kies' ich den Tag: für Tote zahlst du mir Zoll. |
HUNDING I know of a savage family; they hold nothing sacred that others honour. Everyone hates them, as I do. I was called to vengeance to make amends for family bloodished. I come too late and now return home to see in my own house the tracks of the villain who fled. My house will shelter you, "Wolf-cub", for today. For this night I put you up. But tomorrow arm yourself with stout weapons. I choose the day for fighting: you must pay for those deaths. |
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| (Sieglinde schreitet mit besorgter Gebärde zwischen die beiden Männer vor) | ||
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HUNDING (barsch) Fort aus dem Saal! Säume hier nicht! Den Nachttrunk rüste mir drin und harre mein' zur Ruh'. |
HUNDING Leave the room! Don't dally here. Prepare my night drink and wait till I come to bed. |
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| (Sieglinde steht eine Weile unentschieden und sinnend. Sie wendet sich langsam und zögernden Schrittes nach dem Speicher. Dort hält sie wieder an und bleibt, in Sinnen verloren, mit halb abgewandtem Gesicht stehen. Mit ruhigem Entschluss öffnet sie den Schrein, füllt ein Trinkhorn und schüttet aus einer Büchse Würze hinein. Dann wendet sich das Auge auf Siegmund, um seinem Blicke zu begegnen, den dieser fortwährend auf sie heftet. Sie gewahrt Hundings Spähen und wendet sich sogleich zum Schlafgemach. Auf den Stufen kehrt sie sich noch einmal um, heftet das Auge sehnsuchtsvoll auf Siegmund und deutet mit dem Blicke andauernd und mit sprechender Bestimmtheit auf eine Stelle am Eschenstamme. Hunding fährt auf und treibt sie mit einer heftigen Gebärde zum Fortgehen an. Mit einem letzten Blick auf Siegmund geht sie in das Schlafgemach und schliesst hinter sich die Türe.) | Music | |
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HUNDING (nimmt seine Waffen vom Stamme herab). Mit Waffen wehrt sich der Mann. - (Im Abgehen sich zu Siegmund wendend) Dich Wölfing treffe ich morgen; mein Wort hörtest du - hüte dich wohl! |
HUNDING A man needs his armour. "Wolf-cub", I will meet you tomorrow. You have heard my words: be on your guard! |
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| (Er geht mit den Waffen in das Gemach; man hört ihn von innen den Riegel schliessen) |