RichardWagner
Libretti
Die Walküre

ERSTER AUFZUG



Music

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VORSPIEL UND ERSTE SZENE
Das Innere eines Wohnraumes,


um einen starken Eschenstamm, als Mittelpunkt, gezimmerter Saal. Rechts im Hintergrunde der Herd; dahinter der Speicher; im Hintergrund die grosse Eingangstüre; links in der Tiefe führen Stufen zu einem inneren Gemache; daselbst im Vordergrunde ein Tisch, mit einer breiten, an der Wand angezimmerten Bank dahinter, und hölzernen Schemeln davor. (Die Bühne bleibt eine Zeitlang leer; aussen Sturm, im Begriffe sich gänzlich zu legen. - Siegmund öffnet von aussen die grosse Eingangstüre und tritt ein. Er hält den Riegel noch in der Hand und überblickt den Wohnraum; er scheint von übermässiger Anstrengung erschöpft; sein Gewand und sein Aussehen zeigen, dass er sich auf der Flucht befindet. Da er niemand gewahrt, schliesst er die Tür hinter sich, schreitet mit der äussersten Anstrengung eines Todmüden auf den Herd zu und wirft sich dort auf eine Decke von Bärenfell nieder).
SIEGMUND

Wes Herd dies auch sei,
hier muss ich rasten.
(Er sinkt zurück und bleibt einige Zeit regungslos ausgestreckt. Sieglinde tritt aus der Tür des inneren Gemaches; sie glaubte ihren Mann heimgekehrt: ihre erste Miene zeigt sich dann verwundert, als sie einen Fremden am Herde ausgestreckt sieht).




















Music
SIEGLINDE

(noch im Hintergrunde)

Ein fremder Mann?
Ihn muss ich fragen.

(Sie tritt ruhig einige Schritte näher)

Wer kam ins Haus
und liegt dort am Herd?

(Da Siegmund sich nicht regt, tritt sie
noch etwas näher und betrachtet ihn)


Müde liegt er
von Weges Müh'n.
Schwanden die Sinne ihm?
Wäre er siech?

(Sie neigt sich zu ihm herab und lauscht)

Noch schwillt ihm den Atem
das Auge nur schloss er. -
Mutig dünkt mich der Mann,
sank er müd' auch hin.
SIEGMUND
(fährt jäh mit dem Haupt in die Höhe)

Ein Quell! Ein Quell!
SIEGLINDE

Erquickung schaff' ich.

(Sie nimmt schnell ein Trinkhorn
und geht damit aus dem Haus.
Sie kommt zurück und reicht
das gefüllte Trinkhorn Siegmund)


Labung biet' ich
dem lechzenden Gaumen:
Wasser, wie du gewollt.
Music (Siegmund trinkt und reicht ihr das Horn zurück. Als er ihr mit dem Haupte Dank zuwinkt, haftet sein Blick mit steigender Teilnahme an ihren Mienen.)
SIEGMUND

Kühlende Labung
gab mir der Quell,
des Müden Last
machte er leicht:
erfrischt ist der Mut,
das Aug' erfreut
des Sehens selige Lust.
Wer ist's, der so mir es labt?
SIEGLINDE

Dies Haus und dies Weib
sind Hundings Eigen;
gastlich gönn' er dir Rast:
harre, bis heim er kehrt!
SIEGMUND

Waffenlos bin ich:
dem wunden Gast
wird dein Gatte nicht wehren.
SIEGLINDE
(mit besorgter Hast)

Die Wunden weise mir schnell!
SIEGMUND
(Schüttelt sich und springt
lebhaft vom Lager zum Sitz auf)


Gering sind sie,
der Rede nicht wert;
noch fügen des Leibes
Glieder sich fest.
Hätten halb so stark wie mein Arm
Schild und Speer mir gehalten,
nimmer floh ich dem Feind,
doch zerschellten mir Speer und Schild.
Der Feinde Meute
hetzte mich müd',
Gewitterbrunst
brach meinen Leib;
doch schneller, als ich der Meute,
schwand die Müdigkeit mir:
sank auf die Lider mir Nacht;
die Sonne lacht mir nun neu.
SIEGLINDE
(geht nach dem Speicher, füllt ein
Horn mit Met und reicht es Siegmund
mit freundlicher Bewegtheit)


Des seimigen Metes
süssen Trank
mög'st du mir nicht verschmähn.
SIEGMUND

Schmecktest du mir ihn zu?


Music
(Sieglinde nippt am Horn und reicht es ihm wieder. Siegmund tut einen langen Zug, indem er den Blick mit wachsender Wärme auf sie heftet. Er setzt so das Horn ab und lässt es langsam sinken, während der Ausdruck seiner Miene in starke Ergriffenheit übergeht. Er seufzt tief auf und senkt den Blick düster zu Boden.)
SIEGMUND
(mit bebender Stimme)

Einen Unseligen labtest du:
Unheil wende
der Wunsch von dir!

(Er bricht schnell auf, um fortzugehen)

Gerastet hab' ich
und süss geruht.
Weiter wend' ich den Schritt.

(er geht nach hinten)
SIEGLINDE
(lebhaft sich umwendend)

Wer verfolgt dich, dass du schon fliehst?
SIEGMUND
(von ihrem Rufe gefesselt, wendet
sich wieder; langsam und düster)


Misswende folgt mir,
wohin ich fliehe;
Misswende naht mir,
wo ich mich neige. -
Dir, Frau, doch bleibe sie fern!
Fort wend' ich Fuss und Blick.

(Er schreitet schnell bis zur
Tür und hebt den Riegel)
SIEGLINDE
(in heftigem Selbstvergessen
ihm nachrufend)


So bleibe hier!
Nicht bringst du Unheil dahin,
wo Unheil im Hause wohnt!

Music
SIEGMUND
(bleibt tief erschüttert stehen; er forscht
in Sieglindes Mienen; diese schlägt
verschämt und traurig die Augen nieder.
Langes Schweigen. Siegmund kehrt zurück.)


Wehwalt hiess ich mich selbst:
Hunding will ich erwarten.
(Er lehnt sich an den Herd; sein Blick haftet mit ruhiger und entschlossener Teilnahme an Sieglinde; diese hebt langsam das Auge wieder zu ihm auf. Beide blicken sich in langem Schweigen mit dem Ausdruck tiefster Ergriffenheit in die Augen).