

| (ZWEITER AUFZUG) | |
| ZWEITE SZENE | |
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BRÜNNHILDE Schlimm, fürcht' ich, schloss der Streit, lachte Fricka dem Lose. Vater, was soll dein Kind erfahren? Trübe scheinst du und traurig! |
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WOTAN (lässt den Arm machtlos sinken und den Kopf in den Nacken fallen) In eigner Fessel fing ich mich: ich Unfreiester aller! |
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BRÜNNHILDE So sah ich dich nie! Was nagt dir das Herz? |
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WOTAN (von hier an steigert sich Wotans Ausdruck und Gebärde bis zum furchtbarsten Ausbruch) O heilige Schmach! O schmählicher Harm! Götternot! Götternot! Endloser Grimm! Ewiger Gram! Der Traurigste bin ich von allen! |
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BRÜNNHILDE (wirft erschrocken Schild, Speer und Helm von sich und lässt sich mit besorgter Zutraulichkeit zu Wotans Füssen nieder) Vater! Vater! Sage, was ist dir? Wie erschreckst du mit Sorge dein Kind? Vertraue mir! Ich bin dir treu: sieh, Brünnhilde bittet! (Sie legt traulich und ängstlich Haupt und Hände ihm auf Knie und Schoss) |
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WOTAN (blickt ihr lange ins Auge; dann streichelt er ihr mit unwillkürlicher Zärtlichkeit die Locken. Wie aus tiefem Sinnen zu sich kommend, beginnt er endlich sehr leise) Lass' ich's verlauten, lös' ich dann nicht meines Willens haltenden Haft? |
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BRÜNNHILDE (ihm ebenso erwidernd) Zu Wotans Willen sprichst du, sagst du mir, was du willst; wer bin ich, wär' ich dein Wille nicht? |
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WOTAN (sehr leise) Was keinem in Worten ich künde, unausgesprochen bleib' es denn ewig: mit mir nur rat' ich, red' ich zu dir. - (mit noch gedämpfter, schauerlicher Stimme, während er Brünnhilde unverwandt in das Auge blickt) Als junger Liebe Lust mir verblich, verlangte nach Macht mein Mut: von jäher Wünsche Wüten gejagt, gewann ich mir die Welt. Unwissend trugvoll, Untreue übt' ich, band durch Verträge, was Unheil barg: listig verlockte mich Loge, der schweifend nun verschwand. Von der Liebe doch mocht' ich nicht lassen, in der Macht verlangt' ich nach Minne. Den Nacht gebar, der bange Nibelung, Alberich, brach ihren Bund; er fluchte der Lieb' und gewann durch den Fluch des Rheines glänzendes Gold und mit ihm masslose Macht. Den Ring, den er schuf, entriss ich ihm listig; doch nicht dem Rhein gab ich ihn zurück: mit ihm bezahlt' ich Walhalls Zinnen, der Burg, die Riesen mir bauten, aus der ich der Welt nun gebot. Die alles weiss, was einstens war, Erda, die weihlich weiseste Wala, riet mir ab von dem Ring, warnte vor ewigem Ende. Von dem Ende wollt' ich mehr noch wissen; doch schweigend entschwand mir das Weib. - Da verlor ich den leichten Mut, zu wissen begehrt' es den Gott: in den Schoss der Welt schwang ich mich hinab, mit Liebeszauber zwang ich die Wala, stört' ihres Wissens Stolz, dass sie Rede nun mir stand. Kunde empfing ich von ihr; von mir doch barg sie ein Pfand: der Welt weisestes Weib gebar mir, Brünnhilde, dich. Mit acht Schwestern zog ich dich auf; durch euch Walküren wollt' ich wenden, was mir die Wala zu fürchten schuf: ein schmähliches Ende der Ew'gen. Dass stark zum Streit uns fände der Feind, hiess ich euch Helden mir schaffen: die herrisch wir sonst in Gesetzen hielten, die Männer, denen den Mut wir gewehrt, die durch trüber Verträge trügende Bande zu blindem Gehorsam wir uns gebunden, - die solltet zu Sturm und Streit ihr nun stacheln, ihre Kraft reizen zu rauhem Krieg, dass kühner Kämpfer Scharen ich sammle in Walhalls Saal! |
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BRÜNNHILDE Deinen Saal füllten wir weidlich: viele schon führt' ich dir zu. Was macht dir nun Sorge, da nie wir gesäumt? |
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WOTAN (wieder gedämpfter) Ein andres ist's: achte es wohl, wes mich die Wala gewarnt! Durch Alberichs Heer droht uns das Ende: mit neidischem Grimm grollt mir der Niblung: - doch scheu' ich nun nicht seine nächtigen Scharen, meine Helden schüfen mir Sieg. Nur wenn je den Ring zurück er gewänne, dann wäre Walhall verloren: der der Liebe fluchte, er allein nützte neidisch des Ringes Runen zu aller Edlen endloser Schmach: der Helden Mut entwendet' er mir; die Kühnen selber zwäng' er zum Kampf; mit ihrer Kraft bekriegte er mich. Sorgend sann ich nun selbst, den Ring dem Feind zu entreissen. Der Riesen einer, denen ich einst mit verfluchtem Gold den Fleiss vergalt: Fafner hütet den Hort, um den er den Bruder gefällt. Ihm müsst' ich den Reif entringen, den selbst als Zoll ich ihm zahlte. Doch mit dem ich vertrug, ihn darf ich nicht treffen; machtlos vor ihm erläge mein Mut: - das sind die Bande, die mich binden: der durch Verträge ich Herr, den Verträgen bin ich nun Knecht. Nur Einer könnte, was ich nicht darf: ein Held, dem helfend nie ich mich neigte; der fremd dem Gotte, frei seiner Gunst, unbewusst, ohne Geheiss, aus eigner Not, mit der eignen Wehr schüfe die Tat, die ich scheuen muss, die nie mein Rat ihm riet, wünscht sie auch einzig mein Wunsch! Der, entgegen dem Gott, für mich föchte, den freundlichen Feind, wie fände ich ihn? Wie schüf' ich den Freien, den nie ich schirmte, der im eignen Trotze der Trauteste mir? Wie macht' ich den Andren, der nicht mehr ich, und aus sich wirkte, was ich nur will? O göttliche Not! Grässliche Schmach! Zum Ekel find' ich ewig nur mich in allem, was ich erwirke! Das andre, das ich ersehne, das andre erseh' ich nie: denn selbst muss der Freie sich schaffen: Knechte erknet' ich mir nur! |
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BRÜNNHILDE Doch der Wälsung, Siegmund? wirkt er nicht selbst? |
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WOTAN Wild durchschweift' ich mit ihm die Wälder; gegen der Götter Rat reizte kühn ich ihn auf: gegen der Götter Rache schützt ihn nun einzig das Schwert, (gedehnt und bitter) das eines Gottes Gunst ihm beschied. Wie wollt' ich listig selbst mich belügen? So leicht ja entfrug mir Fricka den Trug: zu tiefster Scham durchschaute sie mich! Ihrem Willen muss ich gewähren. |
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BRÜNNHILDE So nimmst du von Siegmund den Sieg? |
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WOTAN Ich berührte Alberichs Ring, gierig hielt ich das Gold! Der Fluch, den ich floh, nicht flieht er nun mich: - Was ich liebe, muss ich verlassen, morden, wen je ich minne, trügend verraten, wer mir traut! (Wotans Gebärde geht aus dem Ausdruck des furchtbarsten Schmerzes zu dem der Verzweiflung über) Fahre denn hin, herrische Pracht, göttlichen Prunkes prahlende Schmach! Zusammenbreche, was ich gebaut! Auf geb' ich mein Werk; nur Eines will ich noch: das Ende, das Ende! - (Er hält sinnend ein) Und für das Ende sorgt Alberich! Jetzt versteh' ich den stummen Sinn des wilden Wortes der Wala: "Wenn der Liebe finstrer Feind zürnend zeugt einen Sohn, der Sel'gen Ende säumt dann nicht!" - Vom Niblung jüngst vernahm ich die Mär', dass ein Weib der Zwerg bewältigt, des' Gunst Gold ihm erzwang: Des Hasses Frucht hegt eine Frau, des Neides Kraft kreisst ihr im Schoss: das Wunder gelang dem Liebelosen; doch der in Lieb' ich freite, den Freien erlang' ich mir nie. (mit bittrem Grimm sich aufrichtend) So nimm meinen Segen, Niblungen-Sohn! Was tief mich ekelt, dir geb' ich's zum Erbe, der Gottheit nichtigen Glanz: zernage ihn gierig dein Neid! |
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BRÜNNHILDE (erschrocken) O sag', künde! Was soll nun dein Kind? |
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WOTAN (bitter) Fromm streite für Fricka; hüte ihr Eh' und Eid! (trocken) Was sie erkor, das kiese auch ich: was frommte mir eigner Wille? Einen Freien kann ich nicht wollen: für Frickas Knechte kämpfe nun du! |
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BRÜNNHILDE Weh'! Nimm reuig zurück das Wort! Du liebst Siegmund; dir zulieb', ich weiss es, schütz' ich den Wälsung. |
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WOTAN Fällen sollst du Siegmund, für Hunding erfechten den Sieg! Hüte dich wohl und halte dich stark, all deiner Kühnheit entbiete im Kampf: ein Siegschwert schwingt Siegmund; - schwerlich fällt er dir feig! |
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BRÜNNHILDE Den du zu lieben stets mich gelehrt, (sehr warm) der in hehrer Tugend dem Herzen dir teuer, - gegen ihn zwingt mich nimmer dein zwiespältig Wort! |
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WOTAN Ha, Freche du! Frevelst du mir? Wer bist du, als meines Willens blind wählende Kür? Da mit dir ich tagte, sank ich so tief, dass zum Schimpf der eignen Geschöpfe ich ward? Kennst du, Kind, meinen Zorn? Verzage dein Mut, wenn je zermalmend auf dich stürzte sein Strahl! In meinem Busen berg' ich den Grimm, der in Grau'n und Wust wirft eine Welt, die einst zur Lust mir gelacht: - wehe dem, den er trifft! Trauer schüf' ihm sein Trotz! Drum rat' ich dir, reize mich nicht! Besorge, was ich befahl: Siegmund falle - Dies sei der Walküre Werk! (er stürmt fort und verschwindet schnell links in Gebirge) |
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BRÜNNHILDE (steht lange erschrocken und betäubt) So sah ich Siegvater nie, erzürnt' ihn sonst wohl auch ein Zank! (Sie neigt sich betrübt und nimmt ihre Waffen auf, mit denen sie sich wieder rüstet) Schwer wiegt mir der Waffen Wucht: - wenn nach Lust ich focht, wie waren sie leicht! Zu böser Schlacht schleich' ich heut' so bang. (Sie sinnt vor sich hin und seufzt dann auf) Weh', mein Wälsung! Im höchsten Leid muss dich treulos die Treue verlassen! (Sie wendet sich langsam dem Hintergrunde zu) |